Behelfsschneeschuhe aus Ruten, Zweigen und Schnur
Wer im Tiefschnee bei jedem Schritt bis zum Knie einsinkt, ist nach kurzer Zeit erschöpft und durchnässt. Behelfsschneeschuhe verteilen dein Gewicht auf eine größere Fläche: ein Rahmen aus zwei gebogenen Ruten, Querstreben, Schnur oder Fichtenzweige als Fläche und eine Bindung, in der der Fuß kippen kann. Das ist eine Notlösung – oft ist es klüger, am Ort zu bleiben und Hilfe zu rufen.
- Etwa 1–2 Stunden für ein Paar, mit Übung weniger

Einfach erklärt
Hast du schon einmal versucht, durch tiefen Schnee zu stapfen? Bei jedem Schritt sinkst du bis zum Knie ein. Das ist unglaublich anstrengend, und bald sind Hose und Schuhe nass. Schneeschuhe helfen: Sie sind breit und verteilen dein Gewicht wie eine Ente mit großen Füßen.
Im Notfall kannst du welche selbst bauen. Du biegst eine lange, biegsame Rute zu einer Tropfenform, bindest zwei Querhölzer darauf und spannst Schnur oder Fichtenzweige dazwischen. Dann bindest du deinen Schuh vorne so fest, dass die Ferse sich heben kann.
Aber Achtung: Oft ist es im Winter sicherer, an einem geschützten Ort zu bleiben und Hilfe zu rufen. Wer losläuft, schwitzt, wird müde und friert. Und Schneeschuhe schützen nicht vor Lawinen – an steilen Hängen haben sie nichts zu suchen.
Wie es funktioniert
Ob du einsinkst, hängt davon ab, wie viel Gewicht auf jedem Stück Schnee lastet. Ein Stiefel hat nur eine kleine Fläche – der ganze Körper drückt darauf, und der Schnee gibt nach. Ein Schneeschuh hat eine viel größere Fläche. Dasselbe Gewicht verteilt sich, der Druck auf jeden Fleck Schnee wird kleiner, und du bleibst weiter oben.
Der Rahmen gibt die Form, die Bespannung trägt. Schnur im Zickzack oder dicht gelegte Fichtenzweige bilden eine Fläche, die nicht durchrutscht. Die zwei Querstreben unter Ballen und Ferse machen den Rahmen steif und geben dem Fuß Halt.
Wichtig ist das Gelenk an der Fußspitze. Ist der Stiefel nur vorne an der Querstrebe befestigt, kann die Ferse sich beim Gehen heben. Das Schuhende schleift dann hinterher, statt bei jedem Schritt einen Haufen Schnee mit anzuheben. Das spart viel Kraft.
Worauf es ankommt
Die Ruten müssen frisch und biegsam sein, zum Beispiel Weide oder Hasel. Trockene Äste brechen, wenn du sie biegst. Biege langsam und gleichmäßig über das Knie, nicht ruckartig an einer Stelle. Die überlappenden Enden hinten müssen sehr fest umwickelt werden, sonst springt der Rahmen auf.
Größe hilft, aber nur bis zu einem gewissen Punkt: Zu große Schuhe sind schwer und schwer zu steuern. Etwa ein Meter Länge und gut 25 cm Breite tragen einen Erwachsenen in vielen Schneearten schon deutlich besser. In sehr lockerem Pulverschnee sinkst du trotzdem noch etwas ein.
Die Bindung darf nicht zu fest sein. Sie soll den Fuß halten, ohne die Blutgefäße abzudrücken. Zehen, die nicht durchblutet werden, erfrieren schneller. Halte zwischendurch an, bewege die Zehen und ziehe Bünde und Bindung nach.
Sicherheit: darauf musst du achten
Im Winter ist die erste Frage immer: Bleiben oder gehen? Bewegung macht warm, aber auch nass vom Schweiß, und nasse Kleidung kühlt aus. Dazu kommen Erschöpfung und frühe Dunkelheit. Wenn du einen Unterschlupf hast und Hilfe rufen kannst – 112, in Österreich auch 140 für die Bergrettung –, ist Bleiben oft die sicherere Wahl.
Schneeschuhe machen das Gehen leichter, aber nicht sicherer gegen Lawinen. Lawinen lösen sich vor allem an steilen, offenen Hängen. Halte dich im flachen Wald auf, meide Rinnen und Hänge und lies den Lawinenlagebericht, wenn du ihn erreichen kannst. Bei erhöhter Lawinengefahr bleibst du ganz aus dem freien Gelände.
Achte auf Anzeichen von Erfrierungen und Unterkühlung: taube, weiße oder wachsartige Haut an Zehen und Fingern, starkes Zittern, Verwirrtheit. Dann sofort anhalten, Schutz suchen, trockene Kleidung anziehen und Hilfe holen.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Behelfsschneeschuhe sind sinnvoll, wenn du in flachem Waldgelände eine kurze Strecke durch tiefen Schnee musst – etwa zur nächsten Straße, zu einer Hütte oder um Feuerholz zu holen. Auch im Winterlager sind sie eine gute Übung, damit du im Ernstfall weißt, wie es geht.
Nicht sinnvoll sind sie im Steilgelände, auf Eis, auf zugefrorenen Gewässern und für lange Märsche. Behelfsschuhe gehen schnell kaputt und kosten Zeit und Wärme beim Bauen. Für geplante Wintertouren gehören echte Schneeschuhe und eine gute Tourenplanung ins Gepäck.
Gut zu wissen
Die schnellste Notlösung sind Zweigbündel: mehrere dichte Fichtenzweige übereinander, in der Mitte zusammengebunden und unter den Schuh geschnürt. Sie halten nicht lange, sind aber in wenigen Minuten fertig.
Frische Ruten und Zweige darfst du normalerweise nur mit Erlaubnis schneiden. In einer echten Notlage geht die Rettung von Menschen vor – dann nimmst du nur so wenig wie nötig, möglichst von verschiedenen Sträuchern.
Gehen mit Schneeschuhen braucht Übung: etwas breitbeiniger, kurze Schritte, gleichmäßiges Tempo. Langsam gehen ist besser als schnell und verschwitzt.
Schritt für Schritt
Entscheiden: bleiben oder gehen
Erst prüfen, ob Bleiben sicherer ist: Notruf möglich? Unterschlupf da? Nur wenn du dich wirklich fortbewegen musst und das Gelände flach und lawinensicher ist, Schneeschuhe bauen.
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Entscheiden: bleiben oder gehen
Erst prüfen, ob Bleiben sicherer ist: Notruf möglich? Unterschlupf da? Nur wenn du dich wirklich fortbewegen musst und das Gelände flach und lawinensicher ist, Schneeschuhe bauen.
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Material sammeln
Pro Schuh eine oder zwei biegsame, frische Ruten (z. B. Weide oder Hasel), etwa daumendick und gut mannshoch. Dazu vier kurze, kräftige Stöcke als Querstreben und reichlich Schnur. Vorher die Ruten biegen: Sie dürfen nicht knicken.
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Rahmen biegen
Die Rute in der Mitte langsam zu einer Tropfenform biegen: vorne rund, hinten spitz zusammenlaufend. Die beiden Enden hinten überlappen lassen und eng und fest mit Schnur umwickeln. Ein Schuh von etwa einem Meter Länge und gut 25 cm Breite trägt einen Erwachsenen in vielen Schneearten schon deutlich besser.
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Querstreben anbinden
Zwei Querstreben quer über den Rahmen binden: eine unter dem Fußballen, etwa in der Mitte, eine zweite unter der Ferse. Jede Kreuzung mit einem Kreuzbund und Würgeschlägen sichern.
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Fläche bespannen
Schnur im Zickzack zwischen den Rahmenseiten spannen oder dicht Fichtenzweige auf die Streben legen und festbinden. Vor der vorderen Querstrebe eine Lücke für die Fußspitze lassen, damit sie beim Gehen nach unten kippen kann.
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Bindung anlegen
Eine Schlaufe über die Schuhspitze an der vorderen Querstrebe befestigen – das ist das Drehgelenk. Mit einer zweiten Schnur hinten um die Ferse und über den Rist sichern. Nur so fest anziehen, dass der Schuh hält; die Ferse muss sich heben können.
Nicht abschnüren – Erfrierungsgefahr.
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Richtig gehen
Breitbeiniger als sonst gehen, damit die Schuhe nicht übereinander treten. Den Fuß leicht anheben und nach vorn schieben, das Schuhende schleift hinterher. Kurze Schritte, gleichmäßiges Tempo, nicht ins Schwitzen kommen und oft kurz rasten.
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Unterwegs prüfen und reparieren
Alle paar hundert Meter Bünde und Bindung prüfen und nachziehen. Ersatzschnur griffbereit haben. Zehen bewegen und bei Taubheit sofort anhalten, aufwärmen und die Bindung lockern.
Häufige Fehler
- Losgehen, obwohl Bleiben sicherer wäre
- Trockene, brüchige Ruten verwenden, die beim Biegen knicken
- Fußspitze starr festbinden – der Schuh hebt bei jedem Schritt Schnee
- Bindung zu fest ziehen
- Zu schnell gehen und durchschwitzen
Kurzüberblick
Material
Biegsame Ruten (z. B. Weide, Hasel)
Pro Schuh 1–2 biegsame Ruten, etwa daumendick und gut mannshoch
Nur mit Erlaubnis schneiden; viele Ufergehölze sind geschützt.
Frisch verarbeiten – trockene Ruten brechen beim Flechten.
Stabile Äste / Stangen
Kurze, kräftige Stöcke als Querstreben
Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.
Paracord
Reichlich Schnur für Bünde, Bespannung und Bindung
Kein Kletter- oder Sicherungsseil.
Fichten- oder Tannenzweige als Polster
Fichten- oder Tannenzweige als Fläche
Nur abgefallene Zweige oder mit Erlaubnis des Waldbesitzers schneiden.
Trockene Nadelzweige brennen sehr leicht – Abstand zum Feuer.
Messer (feststehend oder feststellbar)
Vom Körper weg schneiden.
Regeln zum Mitführen von Messern unterscheiden sich je nach Region – örtliche Regeln prüfen.
Handschuhe und Fäustlinge
Geeignet für
- Notlage in flachem bis sanftem Waldgelände mit Tiefschnee
- Kurze Strecken, etwa zum Holzholen oder zu einer Straße
- Übung im Winterlager
Ungeeignet für
- Lawinengelände, Steilhänge, vereiste Flächen
- Lange Märsche – Behelfsschuhe gehen schnell kaputt
- Ersatz für echte Schneeschuhe auf geplanten Touren
- Zugefrorene Gewässer
Voraussetzungen
- Kreuzbund und feste Knoten sicher binden können
- Warme, trockene Kleidung und Handschuhe
- Lawinenlage und Gelände einschätzen können oder es gar nicht erst betreten
Sicherheit
- Zu fest gezogene Bindungen drücken die Blutgefäße ab – das fördert Erfrierungen an den Zehen. Bindung nur so fest, dass der Fuß hält, Zehen regelmäßig bewegen und bei Taubheit oder weißer Haut sofort anhalten und aufwärmen.
- Frische Ruten und Zweige darfst du normalerweise nur mit Erlaubnis des Eigentümers schneiden. In einer echten Notlage geht die Rettung von Menschen vor – nimm dann nur so wenig wie nötig.
So funktioniert es
Je größer die Fläche unter dem Fuß, desto weniger Druck auf jeden Quadratzentimeter Schnee – du sinkst weniger ein. Ein ovaler Rahmen mit Bespannung trägt dich wie ein kleines Floß. Die Fußspitze wird beweglich an der vorderen Querstrebe befestigt, sodass die Ferse sich heben kann und das Ende des Schuhs beim Gehen hinterherschleift, statt Schnee anzuheben.
Vorteile
- Deutlich weniger Einsinken im Tiefschnee
- Nur Ruten, Stöcke, Schnur und Messer nötig
- Spart viel Kraft auf kurzen Strecken
Nachteile
- Bau kostet Zeit und Körperwärme
- Hält nur begrenzt
- Ungeeignet im Steilgelände und auf Eis
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Schneeschuhe gehören zu den ältesten Fortbewegungsmitteln im Winter; das US-Army-Handbuch FM 3-05.70 beschreibt einfache Behelfsschneeschuhe aus biegsamen Ruten und Schnur für Notlagen.
In den Alpen ist Tiefschnee oft mit Lawinengefahr verbunden. Darum gehört zu jeder Bewegung im Winter auch der Blick auf den Lawinenlagebericht – und die ehrliche Frage, ob Bleiben nicht sicherer ist.
Varianten
- Schnelle Zweigbündel
- Mehrere dichte Fichtenzweige mit den dicken Enden nach vorn übereinanderlegen, in der Mitte zusammenbinden und mit Schnur unter den Schuh binden. Hält nicht lange, ist aber in Minuten fertig.
- Echte Schneeschuhe
- Für geplante Wintertouren sind gekaufte Schneeschuhe mit Bindung und Harscheisen viel sicherer und schneller – der Eintrag zu Grödel und Schneeschuhen erklärt, was wofür passt.
Häufige Fehler
- Losgehen, obwohl Bleiben sicherer wäre
- Trockene, brüchige Ruten verwenden, die beim Biegen knicken
- Fußspitze starr festbinden – der Schuh hebt bei jedem Schritt Schnee
- Bindung zu fest ziehen
- Zu schnell gehen und durchschwitzen
Grenzen und Risiken
- Keine Lawinenausbildung – dafür Kurse und Fachliteratur
- Keine Angaben zur Tragfähigkeit
- Keine Behandlung von Erfrierungen über erste Maßnahmen hinaus
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Paracord
- Seil (Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.), Dünner, weicher Draht (Messing- oder verzinkter Stahldraht) (Drahtenden sind spitz – beim Biegen Augen und Finger schützen), Abschleppseil oder Abschleppstange (Nur an den vom Hersteller vorgesehenen Abschleppösen befestigen; unter Last niemals daneben stehen.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Behelfsschneeschuhe aus Ruten und Schnur
European Avalanche Warning Services (EAWS): European Avalanche Danger Scale
Lawinengefahrenstufen und Verhaltensempfehlungen
Wilderness Medical Society – Wilderness & Environmental Medicine (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Frostbite: 2019 Update
Vorbeugung von Erfrierungen, keine einschnürende Kleidung
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
Unterkühlung durch Nässe und Erschöpfung
Mors L. Kochanski – Lone Pine Publishing: Bushcraft: Outdoor Skills and Wilderness Survival
Fortbewegung im Winter und Behelfsausrüstung