Fischspeer: eine Fischgabel schnitzen und richtig zielen
Ein Fischspeer ist eine lange gerade Stange, deren Ende gespalten und zu mehreren Spitzen geschnitzt ist. Im flachen, klaren Wasser kann man damit einen Fisch an den Grund drücken. Weil das Wasser das Licht bricht, steht der Fisch nicht dort, wo er zu sein scheint – man zielt tiefer. Stechen ist in Österreich und Deutschland als Fangmethode verboten; hier steht es nur als Notfallwissen.
- 1 Stunde Schnitzen, viel Geduld am Wasser
Einfach erklärt
Ein Fischspeer ist eine lange Stange, deren Ende in vier Spitzen gespalten ist – wie eine riesige Gabel. Man steht ganz still am Ufer, hält die Spitzen schon ins Wasser und wartet, bis ein Fisch vorbeischwimmt. Dann stößt man schnell nach unten.
Dabei gibt es einen Trick: Das Wasser schummelt. Schau mal einen Stock an, der halb im Wasser steckt – er sieht aus, als hätte er einen Knick. Genauso sieht der Fisch höher aus, als er wirklich ist. Darum muss man tiefer zielen, als man denkt.
Bei uns ist es verboten, Fische zu stechen. Das ist nur Wissen für einen echten Notfall, wenn jemand tagelang festsitzt und keine Angel hat.
Wie es funktioniert
Licht wird abgelenkt, wenn es vom Wasser in die Luft wechselt. Für das Auge kommt das Licht vom Fisch deshalb aus einer anderen Richtung, und das Gehirn verlegt den Fisch nach oben und nach hinten. Je schräger man ins Wasser schaut, desto größer ist dieser Fehler. Wer senkrecht von oben schaut, irrt sich am wenigsten.
Die vier gespreizten Zinken bilden eine Fläche statt eines Punktes. Man muss den Fisch nicht genau mit einer Spitze treffen; es reicht, ihn zwischen die Zinken gegen den Grund zu drücken. Darum funktioniert der Speer nur in flachem Wasser mit festem Grund.
Die Wicklung unterhalb der Spaltung hält das Holz zusammen. Ohne sie würde der Spalt beim ersten Stoß weiterreißen.
Worauf es ankommt
Ruhe ist wichtiger als Schnelligkeit. Fische bemerken Bewegungen und Schatten. Wer die Spitzen schon unter Wasser hält, muss beim Stoß nicht erst durch die Oberfläche – das ist leiser und genauer.
Klares, flaches, ruhiges Wasser ist Voraussetzung. In trübem oder tiefem Wasser sieht man nichts, in schnellem Wasser verschwindet der Fisch, bevor man zustößt.
Ein gefangener Fisch wird sofort betäubt und getötet. Wer lange mit einem zappelnden Fisch auf dem Speer hantiert, verursacht unnötiges Leiden.
Sicherheit: darauf musst du achten
Die größte Gefahr beim Speerfischen ist nicht der Speer, sondern das Wasser. Glatte Steine, kalte Strömung und plötzliche Tiefen sind lebensgefährlich, wenn man allein und geschwächt ist. Darum vom Ufer oder höchstens knöcheltief fischen.
Beim Spalten des Holzes rutscht das Messer leicht ab. Mit Schlagholz und Unterlage arbeiten, nie in Richtung der eigenen Hand.
Stechen ist in Österreich und Deutschland keine erlaubte Fangmethode. Ohne Erlaubnis ist jedes Fischen Fischwilderei.
Schritt für Schritt
Notlage und Wasser prüfen
Nur in echter Lebensgefahr, wenn Angeln mit Schnur und Haken nicht möglich ist. Du brauchst flaches, klares, ruhiges Wasser an einer Stelle, von der aus du sicher stehst – Ufer, flacher Stein oder knöcheltief.
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Notlage und Wasser prüfen
Nur in echter Lebensgefahr, wenn Angeln mit Schnur und Haken nicht möglich ist. Du brauchst flaches, klares, ruhiges Wasser an einer Stelle, von der aus du sicher stehst – Ufer, flacher Stein oder knöcheltief.
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Die Stange wählen
Suche eine gerade Stange aus Hartholz oder einem jungen, geraden Schössling, etwa so lang wie du selbst. Das dicke Ende wird die Spitze. Äste glatt abschneiden.
- 3
Erst umwickeln, dann spalten
Wickle eine Handbreit vom dicken Ende entfernt eine feste Schnur mehrmals um die Stange und verknote sie. Dann das Ende mit Messer und Schlagholz kreuzweise bis zur Wicklung spalten. Die Wicklung verhindert, dass der Spalt weiterreißt.
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Spitzen spreizen
Schiebe zwei kleine Holzkeile kreuzweise tief in die Spalten, sodass vier Zinken entstehen, die etwas auseinanderstehen. Die Keile mit Schnur sichern.
- 5
Zinken schärfen und härten
Jede Zinke mit dem Messer zuspitzen. Wer ein Feuer hat, hält die Spitzen kurz über die Glut, bis sie trocken und leicht gebräunt sind, ohne zu verkohlen – so werden sie härter.
- 6
Still stehen und warten
Stelle dich so, dass dein Schatten nicht aufs Wasser fällt, und halte die Spitzen schon ins Wasser, knapp unter die Oberfläche. Bewege dich kaum. Fische kehren oft nach kurzer Zeit an ihre Plätze zurück.
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Tiefer zielen und drücken
Ziele unter den Fisch, umso mehr, je schräger du schaust. Stoße ruhig und schnell senkrecht nach unten und drücke den Fisch gegen den Grund. Mit der freien Hand oder einem zweiten Stock greifst du ihn hinter den Kiemen.
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Sofort töten und aufräumen
Den Fisch sofort mit einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf betäuben und töten, wie im Eintrag „Fisch töten, ausnehmen und am Feuer zubereiten“ beschrieben. Den Speer nach der Notlage zerlegen.
Häufige Fehler
- Direkt auf das sichtbare Bild zielen
- Schatten auf dem Wasser
- Hastig mit dem Speer ins Wasser schlagen
- In kaltes oder schnelles Wasser waten
- Spalt ohne Wicklung – das Holz reißt auf
Kurzüberblick
Material
Gerader, frischer Hartholzstab
Etwa so lang wie du selbst, gerade, daumendick bis zweidaumendick
Nur Totholz oder Holz nehmen, das du schneiden darfst
Schnitzen immer vom Körper weg
Messer (feststehend oder feststellbar)
Vom Körper weg schneiden.
Regeln zum Mitführen von Messern unterscheiden sich je nach Region – örtliche Regeln prüfen.
Dünne Schnur
Zum Umwickeln unterhalb der Spaltung
Geringe Bruchlast – nur für leichte Lasten.
Stabile Äste / Stangen
Zwei kleine Keile zum Spreizen der Spitzen
Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.
Geeignet für
- Klare, flache Bäche, Tümpel und Uferzonen an einem festen Lagerplatz
- Wenn keine Angelschnur und keine Haken vorhanden sind
Ungeeignet für
- Trübes, tiefes oder schnell fließendes Wasser
- Kaltes Wasser, in das man waten müsste
- Naturschutzgebiete und Laichplätze
- Situationen ohne echte Lebensgefahr
Voraussetzungen
- Echte Lebensgefahr ohne erreichbare Hilfe
- Sicherer Umgang mit dem Messer
- Flaches, klares, ruhiges Wasser, in das man nicht hineinfallen kann
Sicherheit
- Beim Spalten des Holzes rutscht das Messer leicht ab. Das Holz auf eine Unterlage stellen, mit einem Schlagholz arbeiten und die Hand nie vor die Klinge halten.
So funktioniert es
Licht ändert seine Richtung, wenn es aus dem Wasser in die Luft tritt. Darum sieht man einen Fisch höher und weiter weg, als er wirklich ist. Wer direkt auf das Bild zielt, sticht über den Fisch hinweg. Mehrere gespreizte Spitzen vergrößern die Fläche, die man trifft, und drücken den Fisch gegen den Grund, statt ihn zu durchbohren.
Vorteile
- Keine Schnur und keine Haken nötig
- Aus einem Stück Holz herzustellen
- Fisch wird sofort erreicht und kann gleich getötet werden
Nachteile
- Braucht klares, flaches Wasser
- Viele Fehlstöße
- Verboten als Fangmethode
- Gefahr durch Ausrutschen und kaltes Wasser
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Fischspeere und Fischgabeln gehören zu den ältesten Fanggeräten; Funde aus der Steinzeit zeigen Zinken aus Knochen und Holz. Militärische Überlebenshandbücher beschreiben, wie man einen Speer aus gespaltenem Holz baut und dabei die Lichtbrechung berücksichtigt.
Die Fischereigesetze in Österreich und Deutschland lassen nur bestimmte Fanggeräte zu, vor allem die Angel. Speere und Gabeln gehören nicht dazu, weil sie Fische verletzen, ohne sie gezielt auszuwählen. Darum ist der Speer reines Notfallwissen.
Varianten
- Zwei Zinken
- Ein einfacher Längsspalt mit einem Keil ergibt zwei Zinken. Das geht schneller, trifft aber eine kleinere Fläche.
- Mit Widerhaken aus Dornen
- Nach innen gerichtete harte Dornen, die man an die Zinken bindet, halten den Fisch besser. Sie verletzen ihn aber stärker – darum danach besonders schnell töten.
Häufige Fehler
- Direkt auf das sichtbare Bild zielen
- Schatten auf dem Wasser
- Hastig mit dem Speer ins Wasser schlagen
- In kaltes oder schnelles Wasser waten
- Spalt ohne Wicklung – das Holz reißt auf
Grenzen und Risiken
- Kein Speerfischen unter Wasser
- Keine Speere für die Jagd auf Landtiere
- Maße sind Richtwerte
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Gerader, frischer Hartholzstab
- Trekkingstöcke, Stabile Äste / Stangen (Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.), Reparaturhülse für Zeltstangen (Nur als Provisorium – gebrochene Segmente zu Hause ersetzen lassen.), Rundholzstämme (gerade, gesund) (Nur mit Erlaubnis des Waldeigentümers fällen oder nehmen.)
- Dünne Schnur
- Seil (Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.), Paracord (Kein Kletter- oder Sicherungsseil.), Reepschnur (Für lebenssichernde Zwecke nur zertifizierte Schnur nach Ausbildung verwenden.), Band (Schlauchband) (Geknotete Bandschlingen vor jeder Verwendung prüfen.), Jute- oder Sisalschnur (gekauft) (Geringe Festigkeit, nimmt Wasser auf und verrottet – nur für leichte Lasten und Übung.), Baumgurte (Nur innerhalb der Herstellerangaben belasten.), Monofile Angelschnur (Schnurreste nie liegen lassen: Vögel und andere Tiere verfangen sich darin und sterben qualvoll. Reste aufwickeln und mitnehmen.), Dünner, weicher Draht (Messing- oder verzinkter Stahldraht) (Drahtenden sind spitz – beim Biegen Augen und Finger schützen), Abschleppseil oder Abschleppgurt (Nur an den vom Hersteller vorgesehenen Abschleppösen befestigen; unter Last niemals daneben stehen.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen (6)
- Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival · Fischspeer aus gespaltenem Holz mit gespreizten Zinken; tiefer zielen wegen der Lichtbrechung
- Bundesrepublik Deutschland – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de): Strafgesetzbuch (StGB) – § 293 Fischwilderei · § 293: Fischwilderei
- Republik Österreich – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) (1974): Strafgesetzbuch (StGB), BGBl. Nr. 60/1974 – §§ 137, 138 (Eingriff in fremdes Jagd- oder Fischereirecht) und § 222 (Tierquälerei) · §§ 137, 138: Eingriff in fremdes Jagd- oder Fischereirecht; § 222: Tierquälerei
- Freistaat Bayern – Bayerische Staatskanzlei (gesetze-bayern.de) (2008): Bayerisches Fischereigesetz (BayFiG) · Fischen nur mit Erlaubnis und mit zugelassenen Fanggeräten
- Land Niederösterreich – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Landesrecht (2001): NÖ Fischereigesetz 2001 · Fischereiberechtigung und Fischerkarte als Voraussetzung
- Bundesrepublik Deutschland – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) (2012): Verordnung zum Schutz von Tieren im Zusammenhang mit der Schlachtung oder Tötung und zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 des Rates (Tierschutz-Schlachtverordnung – TierSchlV) · Fische vor dem Töten betäuben























