Richtung halten im Gelände: Bocksprung, Vorhalten, Umgehen
Eine Marschzahl einzustellen ist leicht – sie im Wald, Nebel oder um Hindernisse herum zu halten, ist die eigentliche Kunst. Bewährte Techniken: Zwischenziele anpeilen, sich in der Gruppe gegenseitig ausrichten („Bocksprung“), bewusst vorhalten und Hindernisse rechtwinklig umgehen.
- Übung in bekanntem Gelände; unterwegs etwas langsamer als auf Wegen

Einfach erklärt
Eine Richtung am Kompass einzustellen ist leicht. Schwierig ist es, sie draußen wirklich zu halten – zwischen Bäumen, im Nebel oder wenn plötzlich ein Sumpf im Weg ist. Ohne Hilfen läuft man fast immer ein bisschen schief, ohne es zu merken. Mit der Zeit summiert sich das, und man kommt weit neben dem Ziel heraus.
Dagegen gibt es einfache Tricks. Du suchst dir in Kompassrichtung einen auffälligen Baum, gehst hin und suchst von dort den nächsten – wie beim Hüpfen von Stein zu Stein über einen Bach. Bist du mit anderen unterwegs, kann eine Person vorausgehen und du lotst sie mit dem Kompass genau in die Richtung, wie ein Fluglotse.
Das Wichtigste zur Sicherheit: Eine Kompassrichtung sagt nichts darüber, ob der Weg dazwischen sicher ist. Felsen, Wasser und steile Hänge umgehst du – und wenn es keinen sicheren Weg gibt, kehrst du um.
Wie es funktioniert
Ohne feste Bezugspunkte weichen Menschen beim Gehen fast immer seitlich ab. Unebener Boden, Hindernisse, ein Bein, das etwas kräftiger ist, oder der Wunsch, einem Busch auszuweichen – all das verschiebt die Richtung ein kleines Stück. In völlig gleichförmigem Gelände, etwa bei dichtem Nebel, können solche Abweichungen so groß werden, dass man im Bogen oder sogar im Kreis läuft.
Die Techniken in diesem Eintrag bekämpfen diese Drift auf verschiedene Weise. Zwischenziele und das gegenseitige Ausrichten in der Gruppe teilen die Strecke in kurze Stücke, auf denen kaum Abweichung entstehen kann. Vorhalten nutzt den unvermeidlichen Fehler bewusst aus. Und beim rechtwinkligen Umgehen wird ein Hindernis so umrundet, dass man danach wieder genau auf der alten Linie ist.
Die Techniken im Einzelnen
Zwischenziele: Halte den Kompass eingestellt vor dir, schau entlang des Richtungspfeils und such dir einen eindeutigen Punkt – einen besonderen Baum, einen Felsblock. Geh hin, ohne ständig auf den Kompass zu schauen, und peile von dort erneut. Je schlechter die Sicht, desto kürzer werden die Abschnitte. Wähle Punkte, die du nicht verwechseln kannst; im Wald sehen viele Bäume aus der Nähe plötzlich gleich aus.
Bocksprung in der Gruppe: Gibt es keine brauchbaren Zielpunkte, etwa im Nebel oder auf einer Schneefläche, geht eine Person voraus, bis sie gerade noch gut zu sehen ist. Die Person mit dem Kompass lotst sie mit Rufen oder Handzeichen nach links oder rechts, bis sie genau auf der Linie steht. Dann rückt die Gruppe zu ihr auf, und das Spiel beginnt von vorne. Das ist langsam, aber sehr genau.
Vorhalten: Liegt dein Ziel an einer langen Linie – einem Weg, Bach oder Waldrand –, zielst du absichtlich ein paar Grad seitlich daneben. Triffst du dann auf die Linie, weißt du sicher, in welche Richtung du abbiegen musst. Würdest du genau auf das Ziel zielen und es knapp verfehlen, wüsstest du nicht, ob es links oder rechts von dir liegt. Schreib dir auf, auf welche Seite du vorgehalten hast.
Hindernisse umgehen
Steht ein Hindernis im Weg – ein Teich, ein Dickicht, eine Felsstufe –, kannst du es rechtwinklig umgehen. Dreh dich um 90 Grad zur Seite und zähle die Schritte, bis du am Hindernis vorbei bist. Geh dann parallel zu deiner ursprünglichen Richtung am Hindernis entlang. Danach drehst du dich um 90 Grad zurück zur Mitte und gehst genau dieselbe Anzahl Schritte. Jetzt stehst du wieder auf deiner alten Linie und nimmst die Richtung wieder auf.
Vergiss nicht, die Strecke entlang des Hindernisses zu deiner Gesamtstrecke zu zählen – sie bringt dich ja auch in Marschrichtung voran. Ist das Hindernis klein und kannst du über es hinwegsehen, ist es oft einfacher: einen Punkt auf der anderen Seite anpeilen, hinübergehen, weiter.
Zur Kontrolle hilft die Rückpeilung: Schau ab und zu zurück. Liegt dein Startpunkt oder ein markanter Punkt hinter dir genau in der Gegenrichtung, bist du auf Kurs. Das funktioniert auch, wenn vorne gar keine Zielpunkte zu sehen sind.
Sicherheit: darauf musst du achten
Eine gerade Linie auf der Karte sagt nichts darüber, ob das Gelände dazwischen begehbar ist. Abbrüche, Gewässer, Lawinenhänge und Steinschlaggelände umgehst du immer – auch wenn das Umweg und Rechnen bedeutet. Kannst du ein gefährliches Stück nicht sicher umgehen, kehr um. Gibt es in der Nähe einen sicheren Weg, ist er fast immer die bessere Wahl als eine Peilung querfeldein.
Beim Bocksprung muss die vorausgehende Person immer in Sicht- oder Rufweite bleiben. Bei Dämmerung oder dichtem Nebel lieber kürzere Abstände wählen. Eine Lampe oder helle Kleidung macht sie leichter erkennbar.
So übst du es
Üb in einem Wald, den du kennst, mit einem Ziel, das du nicht verfehlen kannst – zum Beispiel einem breiten Weg. Peile ein Ziel daran an, geh mit Zwischenzielen und schau, wie nah du herauskommst. Dann versuch dasselbe mit Vorhalten und vergleiche, wie viel leichter das Finden wird.
Das rechtwinklige Umgehen kannst du auf einer Wiese üben, indem du dir ein gedachtes Hindernis vorstellst. Der Bocksprung macht in der Familie oder mit Freunden Spaß und zeigt eindrucksvoll, wie stark man ohne Hilfe von der Linie abweicht.
Schritt für Schritt
Zwischenziele wählen
Peile entlang des Richtungspfeils einen eindeutigen Punkt an (Baum, Fels), gehe hin, peile erneut. Je schlechter die Sicht, desto kürzer die Abschnitte.
- 1
Zwischenziele wählen
Peile entlang des Richtungspfeils einen eindeutigen Punkt an (Baum, Fels), gehe hin, peile erneut. Je schlechter die Sicht, desto kürzer die Abschnitte.
- 2
Bocksprung in der Gruppe
Gibt es keine Zielpunkte, geht eine Person voraus, bis sie gerade noch sichtbar ist. Die Person mit Kompass dirigiert sie per Ruf oder Handzeichen genau in die Richtung, dann rückt die Gruppe nach.
- 3
Bewusst vorhalten
Liegt das Ziel an einer Linie (Weg, Bach), stelle die Richtung absichtlich etwas seitlich ein. An der Linie weißt du, in welche Richtung du abbiegen musst.
- 4
Hindernis rechtwinklig umgehen
Drehe 90° zur Seite und zähle die Schritte, bis das Hindernis passiert ist. Gehe parallel zur Marschrichtung daran vorbei, dann 90° zurück mit derselben Schrittzahl und nimm die alte Richtung wieder auf.
- 5
Mit Rückpeilung kontrollieren
Schau gelegentlich zurück: Liegt der Startpunkt genau in Gegenrichtung, bist du auf Kurs.
Häufige Fehler
- Zielpunkt aus den Augen verlieren und einen ähnlichen wählen
- Beim Umgehen die Schritte nicht zählen
- Vorhalten ohne zu notieren, auf welche Seite
- Zu lange Abschnitte bei Nebel
Kurzüberblick
Material
Plattenkompass
Metall, Magnete und Elektronik in der Nähe lenken die Nadel ab.
Luftblasen in der Kapsel oder eine träge Nadel deuten auf einen Defekt hin.
Topografische Karte
Erscheinungsjahr prüfen – Wege und Bebauung können sich geändert haben.
Vor Nässe schützen (Kartenhülle oder Beutel).
Geeignet für
- Weglosen Wald
- Nebel und Dämmerung
- Gruppen im offenen Gelände
Ungeeignet für
- Steiles oder absturzgefährdetes Gelände
- Wenn ein sicherer Weg in der Nähe existiert
Voraussetzungen
- Marschzahl am Kompass einstellen können
- Schritte zählen oder Zeit schätzen
Sicherheit
- Eine Richtung oder Position auf der Karte sagt nichts darüber, ob das Gelände dazwischen sicher begehbar ist. Abbrüche, Gewässer, Lawinen- und Steinschlaggelände umgehen und im Zweifel umkehren.
So funktioniert es
Kleine Abweichungen summieren sich: Wer nach Gefühl geht, driftet seitlich ab, oft ohne es zu merken. Zwischenziele und gegenseitiges Ausrichten verringern die Drift. Vorhalten nutzt den unvermeidlichen Fehler bewusst: Man weiß, auf welcher Seite des Ziels man ankommt. Beim rechtwinkligen Umgehen wird die seitliche Versetzung gezählt und wieder ausgeglichen.
Vorteile
- Hält die Richtung auch ohne Wege
- Funktioniert ohne Strom
- Gruppe navigiert gemeinsam
Nachteile
- Langsam
- Erfordert Disziplin beim Zählen
- Bocksprung braucht Sicht- oder Rufkontakt
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Lehrwerke für Land- und Bergnavigation beschreiben Zwischenziele, Vorhalten und Umgehungsverfahren als Standardtechniken, um Peilungen im Gelände umzusetzen.
Im Orientierungslauf wird Vorhalten gezielt eingesetzt, weil es schneller zum Ziel führt als der Versuch, exakt zu treffen.
Varianten
- Rückwärtiger Bezugspunkt
- Ohne Zielpunkte vorne kann ein markanter Punkt hinten als Referenz dienen (Rückpeilung).
Häufige Fehler
- Zielpunkt aus den Augen verlieren und einen ähnlichen wählen
- Beim Umgehen die Schritte nicht zählen
- Vorhalten ohne zu notieren, auf welche Seite
- Zu lange Abschnitte bei Nebel
Grenzen und Risiken
- Keine Genauigkeitsangaben – hängt von Gelände und Übung ab
- Ersetzt nicht die Beurteilung des Geländes
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
Peilungen im Gelände halten und Hindernisse umgehen
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Vorhalten und Zwischenziele