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Technik

Geradeaus gehen ohne Kompass: warum man im Kreis läuft und wie man es verhindert

Ohne festen Bezugspunkt – im Wald bei bedecktem Himmel, im Nebel, nachts – laufen Menschen nachweislich im Kreis. Dagegen hilft nur ein System: ein auffälliges Ziel auf der Linie anpeilen, zwei Ziele hintereinander in eine Reihe bringen, regelmäßig zurückschauen, Markierungsstöcke setzen oder sich zu zweit gegenseitig einweisen. Hindernisse umgehst du im Rechteck und zählst dabei die Schritte.

Schwierigkeit
Grundkenntnisse
Aufwand
Laufend während des Gehens
Risikostufe
Sicherheitsrelevant
KI-Feldstudie zum Thema „Geradeaus gehen ohne Kompass: warum man im Kreis läuft und wie man es verhindert“
Stimmungsbild, keine Anleitung. Maßgeblich sind Text und Schritte.
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Einfach erklärt

Stell dir vor, du gehst mit geschlossenen Augen über eine große Wiese und willst ganz gerade laufen. Probier es mal aus – du wirst merken, dass du in einem Bogen gehst. Im Wald ohne Sonne passiert genau das Gleiche: Menschen laufen im Kreis, ohne es zu merken.

Der Trick ist, dir immer etwas zu suchen, das dir die Richtung zeigt. Such dir einen auffälligen Baum genau vor dir aus und geh hin. Bevor du ankommst, suchst du schon den nächsten dahinter. So hangelst du dich wie an einer Perlenkette geradeaus.

Schau ab und zu zurück. Die Bäume, an denen du vorbeigekommen bist, sollten hinter dir in einer geraden Reihe stehen. Zu zweit geht es noch besser: Einer geht vor, und der andere sagt „ein bisschen nach links“ oder „ein bisschen nach rechts“.

Wie es funktioniert

Bei jedem Schritt weichst du ein winziges bisschen ab – weil der Boden uneben ist, weil du einem Ast ausweichst, weil ein Bein etwas anders aufsetzt. Ohne äußeren Bezugspunkt bemerkt das Gehirn diese Fehler nicht, und sie summieren sich zu einem Bogen. Forscher um Jan Souman haben 2009 gezeigt, dass Menschen in einem Wald bei bedecktem Himmel und in der Wüste ohne Sonne immer wieder im Kreis liefen, mit sichtbarer Sonne dagegen recht gerade.

Ein fester Punkt in der Ferne ersetzt den fehlenden Bezug. Gehst du direkt auf einen Baum zu, korrigierst du laufend, ohne es zu merken. Zwei Punkte hintereinander sind noch besser: Solange sie für dich in einer Linie stehen, bist du auf der Linie – verschieben sie sich gegeneinander, bist du seitlich abgewichen.

Zurückschauen funktioniert genauso, nur umgekehrt. Die Stöcke oder Bäume hinter dir müssen eine gerade Reihe bilden. Biegt sich die Reihe, weißt du, in welche Richtung du abdriftest, und kannst gegensteuern.

Worauf es ankommt

Wähle Ziele, die du nicht verwechseln kannst: einen Baum mit auffälliger Form, einen hellen Felsen, eine Lücke im Wald. Ein Ziel, das unterwegs zwischen hundert gleichen Fichten verschwindet, hilft nicht. Lieber kurze Etappen mit eindeutigen Zielen als lange Etappen mit unsicheren.

Zu zweit seid ihr viel genauer. Die vordere Person geht los, bis sie gerade noch zu sehen ist. Die hintere steht auf der Linie, schaut über die vorherigen Punkte und winkt die vordere nach links oder rechts, bis sie genau auf der Linie steht. Dann rückt die hintere auf. Vereinbart vorher klare Zeichen.

Hindernisse umgehst du nicht nach Gefühl. Geh im rechten Winkel zur Seite und zähle die Schritte, dann in der alten Richtung am Hindernis vorbei und anschließend gleich viele Schritte zurück. Oder du peilst einen Punkt auf der anderen Seite an, der genau auf deiner Linie liegt, und gehst außen herum dorthin.

Sicherheit: darauf musst du achten

Auch mit der besten Technik kommst du nicht exakt an. Darum wählst du eine Richtung, in der eine breite Auffanglinie liegt, die du nicht verfehlen kannst: eine Straße, ein großer Bach, ein langer Waldrand. Lege vorher fest, wie lange du höchstens gehst. Erreichst du die Auffanglinie bis dahin nicht, hältst du an und überlegst neu.

Bevor du überhaupt losgehst, steht die STOP-Regel. Weiß jemand, wo du bist, ist Bleiben an einem sichtbaren Ort oft die bessere Wahl. In steilem, felsigem Gelände bestimmen Wege und Gelände die Route – dort gerade hindurchzugehen, kann lebensgefährlich sein. Und nachts gehst du nicht durch unbekanntes Gelände.

Wann es sinnvoll ist – und wann nicht

Die Technik lohnt sich überall dort, wo es keine Wege gibt und das Gelände ähnlich aussieht: im Wald, im Buschland, auf weiten Ebenen. Besonders wertvoll ist sie, wenn du eine Richtung mit Sonne, Sternen oder natürlichen Zeichen gefunden hast und sie nun über längere Zeit halten musst.

Mit einem Kompass funktioniert dieselbe Technik viel genauer. Ohne jeden Bezug – im dichten Nebel auf Schnee oder in dunkler Nacht – stößt sie an ihre Grenzen. Dann ist Anhalten oft besser als Weitergehen.

Gut zu wissen

Der verbreitete Glaube, man laufe im Kreis, weil ein Bein länger sei, wurde in der Studie von 2009 nicht bestätigt: Die Kreise gingen mal nach links, mal nach rechts, auch bei derselben Person. Es sind die vielen kleinen, zufälligen Fehler, die sich summieren.

Ein gutes Übungsspiel für Kinder und Erwachsene: Auf einer Wiese ein Ziel festlegen, mit verbundenen Augen losgehen und schauen, wo man landet. Danach dasselbe mit einem Zwischenziel. Wer den Unterschied einmal gesehen hat, vertraut im Wald nicht mehr dem Gefühl.

Schritt für Schritt

Geradeaus gehen ohne Kompass: warum man im Kreis läuft und wie man es verhindert

Schritt 1 von 7

Dem Gefühl nicht trauen

Mach dir klar: Ohne Bezugspunkt läufst du im Kreis, auch wenn es sich gerade anfühlt. Das liegt nicht an einem kürzeren Bein, sondern an vielen kleinen Fehlern, die sich summieren. Lege deshalb vorher fest, welche Richtung du hältst und woran du sie prüfst.

Geradeaus gehen ohne Kompass: warum man im Kreis läuft und wie man es verhindert – Schritt 1 von 7Dem Gefühl nicht trauen. Mach dir klar: Ohne Bezugspunkt läufst du im Kreis, auch wenn es sich gerade anfühlt. Das liegt nicht an einem kürzeren Bein, sondern an vielen kleinen Fehlern, die sich summieren. Lege deshalb vorher fest, welche Richtung du hältst und woran du sie prüfst.
Schritt 1 von 7

Schritt 1 von 7

Dem Gefühl nicht trauen

Mach dir klar: Ohne Bezugspunkt läufst du im Kreis, auch wenn es sich gerade anfühlt. Das liegt nicht an einem kürzeren Bein, sondern an vielen kleinen Fehlern, die sich summieren. Lege deshalb vorher fest, welche Richtung du hältst und woran du sie prüfst.

  1. 1

    Dem Gefühl nicht trauen

    Mach dir klar: Ohne Bezugspunkt läufst du im Kreis, auch wenn es sich gerade anfühlt. Das liegt nicht an einem kürzeren Bein, sondern an vielen kleinen Fehlern, die sich summieren. Lege deshalb vorher fest, welche Richtung du hältst und woran du sie prüfst.

  2. 2

    Ein Ziel anpeilen

    Stell dich in die Richtung und such dir einen auffälligen Punkt genau auf der Linie: einen markanten Baum, einen Felsen, eine Lücke. Geh direkt darauf zu. Bevor du ankommst, suchst du dir schon das nächste Ziel dahinter auf derselben Linie.

  3. 3

    Zwei Ziele in eine Reihe

    Noch genauer wird es mit zwei Zielen hintereinander, einem nahen und einem fernen. Solange sie für dich genau übereinander stehen, bist du auf der Linie. Verschieben sie sich gegeneinander, bist du seitlich abgewichen.

  4. 4

    Zurückschauen

    Dreh dich alle paar Minuten um. Die Punkte, an denen du vorbeigekommen bist, müssen hinter dir in einer geraden Reihe liegen. Steckst du dafür alle 20 bis 50 Schritte einen Stock senkrecht in den Boden, siehst du sofort, wenn die Reihe einen Bogen macht.

  5. 5

    Zu zweit einweisen

    Im dichten Wald geht eine Person voraus, bis sie gerade noch zu sehen ist. Die hintere Person winkt sie nach links oder rechts, bis sie genau auf der Linie steht. Dann geht die hintere Person zu ihr oder an ihr vorbei, und es geht von vorn los. Sprecht feste Rufe oder Zeichen ab.

  6. 6

    Hindernisse im Rechteck umgehen

    Steht ein Dickicht oder Sumpf im Weg, geh im rechten Winkel zur Seite und zähle die Schritte, dann in der alten Richtung weiter, bis du vorbei bist, und anschließend gleich viele Schritte zurück auf die Linie. Einfacher: Peil ein Ziel auf der anderen Seite an und geh außen herum dorthin.

  7. 7

    Richtung regelmäßig prüfen

    Prüfe die Richtung mit der Sonne, dem Wind oder natürlichen Zeichen alle 15 bis 30 Minuten neu – die Sonne wandert im Lauf des Tages. Zähle Schritte oder Zeit, damit du weißt, wie weit du gekommen bist und wann du die Auffanglinie erreichen solltest.

Die Animation ist eine schematische Zeichnung der Schritte oben und wird wie alle Inhalte noch fachlich geprüft.

Häufige Fehler

  • Nur nach Gefühl geradeaus gehen
  • Ein Ziel wählen, das man unterwegs aus den Augen verliert
  • Nie zurückschauen
  • Die Sonne stundenlang im gleichen Winkel halten
  • Um Hindernisse herumgehen, ohne zu zählen

Kurzüberblick

Material

  • Stabile Äste / Stangen

    Drei bis vier gerade Stöcke als Markierungsstäbe

    Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.

  • Auffälliges Markierband(optional)

    Auffälliges Band, das man wieder einsammelt

    Nach dem Abbau jedes Stück wieder entfernen

  • Plattenkompass(optional)

    Wenn vorhanden, immer besser

    Metall, Magnete und Elektronik in der Nähe lenken die Nadel ab.

    Luftblasen in der Kapsel oder eine träge Nadel deuten auf einen Defekt hin.

Geeignet für

  • Wald, Buschland und flaches Gelände ohne Wege
  • Eine Auffanglinie (Straße, Bach) gezielt erreichen
  • Zu zweit oder in der Gruppe

Ungeeignet für

  • Steiles, felsiges Gelände – dort bestimmen Wege und Gelände die Route
  • Nacht im unbekannten Gelände
  • Whiteout auf Schnee ohne Hilfsmittel

Voraussetzungen

  • Eine Richtung, die feststeht (Sonne, Sterne, natürliche Zeichen, Kompass)
  • Ein Grund, sich zu bewegen – sonst bleiben (STOP)
  • Ausreichend Tageslicht

Sicherheit

  • Auch mit guter Technik weicht man ab. Wähle eine Richtung, in der eine breite, nicht zu verfehlende Auffanglinie liegt – eine Straße, ein großer Bach, ein Waldrand – und lege vorher fest, wie lange du höchstens gehst, bevor du umkehrst.
  • Markierungen wie Band oder Stöcke nur im Notfall setzen und, wenn möglich, wieder entfernen.

So funktioniert es

Kleine, unbemerkte Abweichungen bei jedem Schritt addieren sich. Ohne äußeren Bezug korrigiert das Gehirn sie nicht, und der Weg biegt sich – in einem Versuch liefen Menschen im Wald bei bedecktem Himmel wiederholt im Kreis, bei sichtbarer Sonne dagegen recht gerade. Ein fester Punkt in der Ferne oder eine Reihe von Punkten hinter dir ersetzt diesen Bezug: Du korrigierst laufend, statt dich auf dein Gefühl zu verlassen.

Vorteile

  • Braucht nur Aufmerksamkeit und ein paar Stöcke
  • Funktioniert auch ohne Sonne
  • Verringert das Risiko, im Kreis zu laufen, deutlich

Nachteile

  • Langsam im dichten Wald
  • Braucht eine vorher bekannte Richtung
  • Abweichungen bleiben möglich

Hintergrundwissen

Fachlicher Hintergrund

Eine Studie des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik (Souman und Kollegen, 2009) zeigte, dass Menschen in einem Wald und in der Sahara ohne Sonne oder andere Bezugspunkte im Kreis liefen, mit sichtbarer Sonne dagegen kaum. Unterschiede in der Beinlänge erklärten die Kreise nicht.

Das Anpeilen von Zwischenzielen und das Umgehen von Hindernissen beschreibt das Kartenkunde-Handbuch der US-Armee für die Navigation mit Kompass – dieselben Prinzipien helfen auch ohne.

Varianten

Mit Kompass
Mit Kompass funktioniert dieselbe Technik viel genauer: Marschzahl einstellen, Ziel anpeilen, hingehen, neu peilen. Details im Eintrag zu Bocksprung, Vorhalten und Umgehen.
In der Gruppe
In einer Gruppe gehen alle hintereinander. Die letzte Person schaut, ob die Reihe gerade bleibt, und ruft Korrekturen nach vorn.

Häufige Fehler

  • Nur nach Gefühl geradeaus gehen
  • Ein Ziel wählen, das man unterwegs aus den Augen verliert
  • Nie zurückschauen
  • Die Sonne stundenlang im gleichen Winkel halten
  • Um Hindernisse herumgehen, ohne zu zählen

Grenzen und Risiken

  • Keine Genauigkeitsangaben
  • Ersetzt keinen Kompass
  • Keine Navigation in gefährlichem Gelände

Quellen

  1. [1]

    Souman, J. L.; Frissen, I.; Sreenivasa, M. N.; Ernst, M. O. – Cell Press (2009): Walking straight into circles (Current Biology 19(18): 1538–1542)

    Menschen laufen ohne Bezugspunkt im Kreis, mit sichtbarer Sonne kaum; Beinlänge erklärt das nicht

  2. [2]

    Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation

    Zwischenziele anpeilen, Rückwärtspeilung, Umgehen von Hindernissen, Schrittzählen

  3. [3]

    Harold Gatty – Dover Publications (1999): Finding Your Way Without Map or Compass (first published as 'Nature Is Your Guide', 1958)

    Im Kreis gehen und wie man geradeaus hält

Rev. 1 · Aktualisiert 2026-10-10