Richtung mit der Armbanduhr schätzen (sehr ungenau)
Mit einer Zeigeruhr und der Sonne lässt sich eine Nord-Süd-Linie schätzen. Die Methode ist bekannt, aber grob: Zeitzonen, Sommerzeit, Jahreszeit und geografische Breite verfälschen sie erheblich, besonders um die Mittagszeit und in Äquatornähe. Nur als Notbehelf verwenden.
- Eine Minute

Einfach erklärt
Die Sonne geht im Osten auf, steht mittags (bei uns in Europa) ungefähr im Süden und geht im Westen unter. Eine Uhr mit Zeigern zeigt an, wie weit der Tag schon vorangeschritten ist. Wenn du beides zusammenbringst, kannst du grob schätzen, wo Süden ist – wie bei einem Rätsel, bei dem zwei Hinweise zusammen die Lösung ergeben.
So geht es auf der Nordhalbkugel: Halte die Uhr flach, dreh sie so, dass der kleine Stundenzeiger auf die Sonne zeigt, und stell dir eine Linie genau in der Mitte zwischen dem Stundenzeiger und der 12 vor. Diese Linie zeigt ungefähr nach Süden. Gilt gerade Sommerzeit, nimmst du die 1 statt der 12.
Aber Vorsicht: Diese Methode ist sehr ungenau. Sie kann je nach Ort, Jahreszeit und Uhrzeit deutlich danebenliegen. Benutze sie nur als groben Hinweis und nie allein, um über weite Strecken oder in gefährliches Gelände zu gehen.
Wie es funktioniert
Die Sonne scheint in 24 Stunden einmal um die Erde zu wandern, also etwa 15 Grad pro Stunde. Der Stundenzeiger einer Uhr läuft dagegen in 12 Stunden einmal herum, also doppelt so schnell. Deshalb halbiert man den Winkel zwischen Stundenzeiger und 12: So gleicht man die doppelte Geschwindigkeit des Zeigers aus.
Die Methode beruht auf einer Annahme: dass die Sonne um 12 Uhr nach der Uhr genau im Süden steht (auf der Nordhalbkugel) beziehungsweise genau im Norden (auf der Südhalbkugel). Das stimmt nur ungefähr. Die Uhrzeit gilt für eine ganze Zeitzone, die Sonne kümmert sich aber nicht um Zeitzonen: Am Ostrand einer Zone steht sie früher im Süden als am Westrand. Dazu kommt die Sommerzeit, die alles um eine Stunde verschiebt, und eine kleine jahreszeitliche Schwankung des Sonnenlaufs.
Auf der Südhalbkugel dreht man die Methode um: Man richtet die 12 auf die Sonne, und die Mitte zwischen 12 und Stundenzeiger zeigt ungefähr nach Norden. Wer nicht weiß, auf welcher Halbkugel er ist, kann die Methode nicht sinnvoll verwenden.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Die Uhrmethode ist am brauchbarsten in mittleren Breiten (etwa in Europa), am Vormittag oder Nachmittag, wenn die Sonne nicht zu hoch steht. Dann kann sie helfen, eine Richtung grob zu bestätigen: „Das Tal, in das ich will, liegt also ungefähr im Westen – passt das zu meiner Karte?“
Um die Mittagszeit wird sie sehr ungenau, weil der Winkel zwischen Zeiger und 12 klein ist und sich jeder kleine Fehler stark auswirkt. In den Tropen und in Äquatornähe ist sie kaum zu gebrauchen: Dort steht die Sonne mittags fast senkrecht über dir, und je nach Jahreszeit kann sie mittags sogar im Norden statt im Süden stehen. Bei bedecktem Himmel funktioniert die Methode gar nicht.
Eine Digitaluhr oder das Handy gehen auch: Zeichne ein Zifferblatt mit der aktuellen Uhrzeit auf ein Stück Papier oder in den Boden und verfahre damit genauso.
Worauf es ankommt
Halte die Uhr waagerecht, sonst stimmt die Richtung des Zeigers nicht mit der Richtung zur Sonne überein. Schau niemals direkt in die Sonne. Ein Trick hilft: Halte einen dünnen Halm oder Stab senkrecht an die Spitze des Stundenzeigers und dreh die Uhr, bis sein Schatten genau am Zeiger entlang zur Uhrmitte fällt – dann zeigt der Zeiger zur Sonne.
Vergiss die Sommerzeit nicht: Sie ist der häufigste Fehler. Und behandle das Ergebnis als grobe Schätzung. Vergleiche es mit anderen Hinweisen: Wo ist die Sonne heute Morgen aufgegangen? Wohin zeigt ein Schattenstab, wenn du ihn eine Weile beobachtest? Was sagt das Gelände? Erst wenn mehrere Hinweise zusammenpassen, hast du eine brauchbare Richtung.
Sicherheit: darauf musst du achten
Die größte Gefahr der Uhrmethode ist falsches Vertrauen. Weil sie so einfach wirkt, hält man das Ergebnis leicht für genau. Über eine lange Strecke kann eine Abweichung, die am Anfang klein aussieht, dich weit vom Ziel wegführen. Navigiere deshalb nie allein nach der Uhr über weite Strecken oder in steiles, unbekanntes Gelände.
Wenn du dich verirrt hast, ist eine grobe Himmelsrichtung oft nicht das Wichtigste. Erst anhalten, ruhig werden, den Standort so gut wie möglich klären und bei Gefahr Hilfe holen (lokale Notrufnummer, 112 in der EU). Die Richtung kann dann helfen, eine große, sichere Leitlinie anzusteuern.
Gut zu wissen
Die Uhrmethode steht in vielen Überlebenshandbüchern – fast immer mit dem Hinweis, dass sie ungenau ist. Genauer ohne Kompass ist der Schattenstab, wenn man ihn über eine längere Zeit beobachtet, oder bei Nacht der Polarstern. Am zuverlässigsten ist es aber, einfach immer einen kleinen Kompass dabeizuhaben.
Eine gute Übung: Probier die Methode zu Hause zu verschiedenen Tageszeiten aus und vergleiche jedes Mal mit einem Kompass. So siehst du selbst, wann sie brauchbar ist und wann sie stark danebenliegt.
Schritt für Schritt
Sommerzeit berücksichtigen
Gilt Sommerzeit, rechne mit 13 Uhr statt 12 Uhr als Bezug.
- 1
Sommerzeit berücksichtigen
Gilt Sommerzeit, rechne mit 13 Uhr statt 12 Uhr als Bezug.
- 2
Nordhalbkugel
Halte die Uhr waagerecht und richte den Stundenzeiger auf die Sonne. Die Winkelhalbierende zwischen Stundenzeiger und 12 zeigt ungefähr nach Süden.
- 3
Südhalbkugel
Richte die 12 auf die Sonne. Die Winkelhalbierende zwischen 12 und Stundenzeiger zeigt ungefähr nach Norden.
- 4
Gegenprüfen
Vergleiche mit anderen Hinweisen (Sonnenauf- und -untergang, Schattenstab, Gelände) und behandle das Ergebnis als grobe Schätzung.
Häufige Fehler
- Sommerzeit vergessen
- Methode der falschen Halbkugel angewendet
- Ergebnis für genau gehalten
- Mittags in den Tropen angewendet
Kurzüberblick
Material
Analoge Armbanduhr
Eine Digitaluhr geht auch: Zifferblatt mit der aktuellen Zeit auf Papier zeichnen
Als Richtungshilfe nur sehr grob – nie als Kompassersatz für genaue Navigation verwenden.
Geeignet für
- Grobe Orientierung ohne Kompass
- Plausibilitätsprüfung einer Richtung
Ungeeignet für
- Genaue Navigation
- Tropen und Mittagszeit
- Bewölkter Himmel
Voraussetzungen
- Sonne sichtbar
- Wissen, auf welcher Erdhalbkugel man ist
Sicherheit
- Die Uhrmethode kann je nach Ort, Datum und Uhrzeit stark danebenliegen. Nie allein danach über weite Strecken oder in gefährliches Gelände navigieren.
So funktioniert es
Die Sonne wandert scheinbar etwa 15° pro Stunde über den Himmel, der Stundenzeiger aber 30° pro Stunde – deshalb halbiert man den Winkel. Die Methode setzt voraus, dass die Sonne um 12 Uhr Ortszeit genau im Süden (Nordhalbkugel) bzw. Norden (Südhalbkugel) steht. Das stimmt in der Praxis nur ungefähr: Uhrzeit und Sonnenzeit weichen je nach Lage in der Zeitzone und durch Sommerzeit ab, und nahe dem Äquator steht die Sonne mittags fast senkrecht.
Vorteile
- Schnell
- Nur eine Uhr nötig
Nachteile
- Erhebliche, schwer abschätzbare Fehler
- Nur bei Sonne
- In Äquatornähe kaum brauchbar
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die Uhrmethode wird in vielen Überlebenshandbüchern als Behelf beschrieben, meist mit dem Hinweis auf ihre Ungenauigkeit.
Genauere Behelfsmethoden ohne Kompass sind der Schattenstab über längere Zeit oder Sterne bei Nacht; noch zuverlässiger ist es, immer einen Kompass dabeizuhaben.
Häufige Fehler
- Sommerzeit vergessen
- Methode der falschen Halbkugel angewendet
- Ergebnis für genau gehalten
- Mittags in den Tropen angewendet
Grenzen und Risiken
- Keine Genauigkeitsangabe möglich – stark orts- und zeitabhängig
- Nicht für Navigation über weite Strecken
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Uhrmethode als Behelfsmethode und ihre Grenzen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
Behelfsmethoden der Richtungsbestimmung