Wie ein Kompass funktioniert: Erdmagnetfeld und Missweisung
Eine Kompassnadel ist ein kleiner Magnet, der sich nach den Feldlinien des Erdmagnetfelds ausrichtet. Sie zeigt zum magnetischen, nicht zum geografischen Nordpol. Der Winkel dazwischen – die Missweisung oder Deklination – hängt vom Ort ab und ändert sich langsam über die Jahre. Eisen, Magnete und Elektronik in der Nähe lenken die Nadel ab.
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Einfach erklärt
Die Erde ist wie ein riesiger, schwacher Magnet. Um sie herum gibt es ein unsichtbares Magnetfeld – stell dir unsichtbare Linien vor, die vom einen Ende der Erde zum anderen laufen. Eine Kompassnadel ist ein winziger Magnet, der sich frei drehen kann. Sie dreht sich so lange, bis sie entlang dieser Linien liegt, und zeigt dann ungefähr nach Norden.
Aber nur ungefähr: Die Nadel zeigt zum magnetischen Nordpol, und der liegt nicht genau am geografischen Nordpol, also an dem Punkt, um den sich die Erde dreht. Der Unterschied zwischen beiden Richtungen heißt Missweisung. Er ist an jedem Ort anders und verändert sich langsam über die Jahre. Darum steht auf guten Wanderkarten, wie groß die Missweisung ist und für welches Jahr der Wert gilt.
Das Wichtigste: Eisen, Magnete und Elektronik lenken die Nadel ab. Halte beim Peilen dein Handy, deine Stirnlampe, Messer und Autos vom Kompass fern, sonst zeigt er dir eine falsche Richtung.
Wie es funktioniert
Das Magnetfeld der Erde entsteht tief im Inneren, im flüssigen äußeren Erdkern. Dort bewegt sich geschmolzenes, eisenreiches Metall, und diese Strömungen erzeugen elektrische Ströme und damit ein Magnetfeld. Näherungsweise verhält sich die Erde wie ein großer Stabmagnet, dessen Achse etwas gegen die Drehachse der Erde geneigt ist.
Ein Magnet hat immer zwei Pole, und ungleiche Pole ziehen sich an. Die Kompassnadel ist magnetisiert und wird vom Feld so gedreht, dass sie entlang der Feldlinien liegt. Ein kurioses Detail: Weil sich ungleiche Pole anziehen, ist der Pol der Erde im Norden physikalisch gesehen ein magnetischer Südpol – er zieht das Nordende der Nadel an. Für die Praxis spielt das keine Rolle, man spricht trotzdem vom magnetischen Nordpol.
Die Feldlinien verlaufen nicht waagerecht, sondern sind zur Erdoberfläche geneigt; in der Nähe der Magnetpole zeigen sie steil nach unten. Diese Neigung heißt Inklination. Eine frei aufgehängte Nadel würde deshalb mit einem Ende nach unten kippen. Kompassnadeln werden darum für bestimmte Weltregionen ausbalanciert.
Missweisung: warum Nord nicht gleich Nord ist
Auf Karten zeigt Norden meist zum geografischen Nordpol, um den sich die Erde dreht. Die Kompassnadel zeigt dagegen entlang der örtlichen Feldlinien, ungefähr zum magnetischen Pol. Der Winkel zwischen beiden Richtungen ist die Missweisung oder Deklination. Je nach Ort zeigt die Nadel etwas östlich oder westlich von geografisch Nord, und es gibt Orte, an denen der Unterschied fast null ist.
Weil sich die Strömungen im Erdkern verändern, wandert auch der magnetische Pol, und die Missweisung ändert sich langsam von Jahr zu Jahr. Deshalb steht auf Karten neben dem Wert immer das Jahr. Bei einer alten Karte solltest du den aktuellen Wert prüfen, zum Beispiel mit einem offiziellen Rechner wie dem der US-Behörde NOAA, der aus Magnetfeldmodellen die Missweisung für einen Ort berechnet.
Kleine Winkel klingen harmlos, wirken sich aber über die Strecke aus. Schon ein Fehler von einem Grad bedeutet nach einem Kilometer eine seitliche Abweichung von etwa 17 Metern, nach zehn Kilometern sind es rund 170 Meter. Bei einigen Grad Missweisung kann man ohne Korrektur also deutlich am Ziel vorbeilaufen.
Worauf es ankommt
Halte den Kompass beim Peilen waagerecht, damit die Nadel frei schwingen kann und nicht am Gehäuse schleift. Bringe Metall und Elektronik auf Abstand: Telefon, Stirnlampe, Messer, Gürtelschnallen, aber auch Autos, Zäune, Stahlgeländer und Stromleitungen. Wer neben dem Auto peilt, bekommt leicht eine falsche Richtung.
Auch das Gelände kann stören. Manche Gesteine enthalten magnetische Minerale und lenken die Nadel örtlich ab. Wenn Peilungen an einem Ort seltsam wirken, hilft es, ein paar Schritte weiterzugehen und noch einmal zu prüfen oder die Richtung mit Geländemerkmalen auf der Karte zu vergleichen.
Auf Reisen in andere Kontinente lohnt ein Blick auf die Weltregion, für die die Nadel ausbalanciert ist. Passt sie nicht, kann die Nadel wegen der anderen Inklination schräg hängen und schleifen. Es gibt auch Kompasse mit Nadeln, die für mehrere Regionen geeignet sind.
Typische Situationen
Telefone und Uhren haben oft einen elektronischen Kompass. Er misst das Magnetfeld mit kleinen Sensoren und muss kalibriert werden; Hüllen mit eingebauten Magneten können ihn stören. Er ist praktisch, hängt aber vom Akku ab. Ein klassischer Kompass funktioniert ohne Strom und Netz.
Im dichten Nebel, auf Hochebenen ohne Orientierungspunkte oder im Wald, wo man kaum weit sieht, ist der Kompass besonders wertvoll. Dort hängt viel davon ab, dass die Missweisung richtig berücksichtigt ist und keine Störquelle in der Nähe ist. Wie man eine Peilung praktisch nimmt und überträgt, steht in den Navigationseinträgen.
So übst du es
Lege deinen Kompass auf einen Tisch und bewege langsam ein Telefon, einen Schlüsselbund oder ein Messer darauf zu. Du siehst, ab welcher Entfernung die Nadel ausschlägt – ein einfacher Versuch, der dir zeigt, wie viel Abstand nötig ist. Dasselbe kannst du draußen neben einem Auto oder einem Metallzaun ausprobieren.
Schlage auf deiner Wanderkarte die Missweisung und das Jahr nach und vergleiche den Wert mit einem aktuellen offiziellen Rechner. Übe dann auf einer bekannten, sicheren Strecke, eine Richtung von der Karte ins Gelände zu übertragen, einmal mit und einmal ohne Korrektur, und beobachte, wie weit du am Ziel vorbeikommst.
Schritt für Schritt
Missweisung nachschlagen
Aktuellen Wert für den Ort aus der Karte (Jahr beachten) oder einem offiziellen Rechner entnehmen.
- 1
Missweisung nachschlagen
Aktuellen Wert für den Ort aus der Karte (Jahr beachten) oder einem offiziellen Rechner entnehmen.
- 2
Korrektur anwenden
Beim Übertragen zwischen Karte und Gelände die Missweisung berücksichtigen oder einen Kompass mit einstellbarer Missweisung nutzen.
- 3
Störquellen fernhalten
Kompass waagerecht halten und Metall sowie Elektronik auf Abstand bringen.
- 4
Weltregion beachten
Auf Reisen in andere Kontinente prüfen, ob die Nadel für die Region ausbalanciert ist, sonst kann sie schleifen.
Häufige Fehler
- Missweisung aus einer alten Karte ungeprüft übernehmen
- Neben dem Auto peilen
- Telefon direkt neben den Kompass halten
- Kompass schräg halten
Kurzüberblick
Material
Plattenkompass
Metall, Magnete und Elektronik in der Nähe lenken die Nadel ab.
Luftblasen in der Kapsel oder eine träge Nadel deuten auf einen Defekt hin.
Geeignet für
- Verstehen, warum Kompasskurse korrigiert werden müssen
- Fehlerquellen beim Peilen erkennen
Ungeeignet für
- Missweisungswerte für einen bestimmten Ort – dafür aktuelle Karten oder Rechner nutzen
Voraussetzungen
- Grundbegriffe Karte und Kompass
Sicherheit
- Telefon, Stirnlampe, Messer, Autos, Zäune oder Stromleitungen können die Nadel ablenken. Beim Peilen Abstand halten.
So funktioniert es
Die Erde verhält sich näherungsweise wie ein großer Stabmagnet, dessen Achse gegen die Drehachse geneigt ist. Eine frei drehbare Magnetnadel richtet sich entlang des waagerechten Anteils der Feldlinien aus. Weil Magnetpol und geografischer Pol nicht zusammenfallen und das Feld örtlich unregelmäßig ist, weicht die Nadel je nach Ort unterschiedlich weit von geografisch Nord ab. Die Feldlinien sind außerdem zur Erdoberfläche geneigt (Inklination); deshalb sind viele Kompassnadeln für bestimmte Weltregionen ausbalanciert.
Vorteile
- Kompass funktioniert ohne Strom und Netz
Nachteile
- Störanfällig durch Metall und Elektronik
- Missweisung ändert sich
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Navigationshandbücher wie FM 3-25.26 erklären die verschiedenen Nordrichtungen und die Umrechnung. Die US-Behörde NOAA (NCEI) stellt Rechner bereit, die aus Magnetfeldmodellen die aktuelle Missweisung für einen Ort berechnen.
Die Physik des Magnetismus – Dipolfeld, Ausrichtung eines magnetischen Moments – ist Standardstoff von Physiklehrbüchern.
Varianten
- Kompass im Telefon
- Telefone nutzen elektronische Magnetfeldsensoren, die kalibriert werden müssen und durch Hüllen mit Magneten gestört werden können.
Häufige Fehler
- Missweisung aus einer alten Karte ungeprüft übernehmen
- Neben dem Auto peilen
- Telefon direkt neben den Kompass halten
- Kompass schräg halten
Grenzen und Risiken
- Keine Missweisungswerte
- Keine vollständige Kompassschulung
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
Nordrichtungen und Umrechnung
U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), National Centers for Environmental Information (NCEI): Magnetic Field Calculators (declination calculator)
Aktuelle Missweisung aus Magnetfeldmodellen
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
Magnetfelder und magnetische Dipole