Ruhende Luft und warum nasse Kleidung kühlt
Kleidung, Schlafsäcke und Matten wärmen nicht selbst – sie halten Luft fest. Ruhende Luft leitet Wärme schlecht und ist deshalb ein guter Isolator. Wird das Material nass, ersetzt Wasser die Luft: Wasser leitet Wärme rund 20- bis 25-mal besser als Luft, und beim Verdunsten entzieht es dem Körper zusätzlich Wärme. Deshalb: trocken bleiben, Schichten anpassen, Baumwolle bei Kälte meiden.
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Einfach erklärt
Eine Jacke, ein Pullover oder ein Schlafsack macht keine Wärme. Die Wärme kommt von dir. Kleidung hält nur Luft fest – ganz viel Luft in winzigen Zwischenräumen zwischen den Fasern. Ruhende Luft lässt Wärme kaum durch, deshalb bleibt deine Wärme bei dir. Darum ist eine dicke, flauschige Daunenjacke so warm: Sie besteht fast nur aus eingefangener Luft. Das ist wie bei einem Vogel, der im Winter seine Federn aufplustert.
Wird die Kleidung nass, passiert etwas Ungünstiges: Wasser drückt die Luft aus den Zwischenräumen. Wasser leitet Wärme aber rund 20- bis 25-mal besser als Luft. Außerdem verdunstet das Wasser langsam und nimmt dabei noch mehr Wärme von deinem Körper mit. Nasse Kleidung ist deshalb fast so, als hättest du gar keine an – manchmal sogar schlimmer.
Das Wichtigste: Bei Kälte möglichst trocken bleiben – vor Regen von außen und vor Schweiß von innen. Nimm eine trockene Wechselschicht wasserdicht verpackt mit. Nasse Kleidung bei Wind und Kälte kann zu gefährlicher Unterkühlung führen, auch wenn es nicht friert.
Wie es funktioniert
Luft ist ein schlechter Wärmeleiter, solange sie sich nicht bewegt. Bewegt sie sich, trägt sie Wärme durch Konvektion fort. Gute Isolierstoffe – Fasern, Daunen, Schaumstoff – lösen dieses Problem, indem sie die Luft in sehr viele kleine Kammern aufteilen. In diesen Kammern kann die Luft kaum zirkulieren. Man spricht von „ruhender Luft“ oder englisch „dead air“.
Daraus folgt eine einfache Regel: Für die Wärme zählt vor allem, wie dick die luftgefüllte Schicht ist – Fachleute sagen Loft oder Bauschkraft. Das Material selbst ist weniger wichtig, als viele denken. Wird die Schicht zusammengedrückt, entweicht Luft, und die Isolierung nimmt ab. Deshalb wärmt ein Schlafsack unter deinem Körper kaum, und deshalb ist eine Isomatte so wichtig.
Wird das Material nass, füllt Wasser die Kammern. Wasser leitet Wärme bei Raumtemperatur etwa 20- bis 25-mal besser als Luft. Zusätzlich kostet das Verdunsten des Wassers viel Energie, die der Haut entzogen wird. Nasse Kleidung verliert also auf zwei Wegen gleichzeitig: durch Leitung und durch Verdunstung.
Ausrüstung und Material
Nicht jedes Material verhält sich nass gleich. Wolle und viele Kunstfasern behalten auch nass einen Teil ihres Lofts und wärmen dann noch etwas. Baumwolle saugt dagegen viel Wasser auf, fällt nass in sich zusammen und trocknet langsam. Deshalb raten Bergsteigerhandbücher, bei kalten und nassen Touren auf Baumwolle zu verzichten, etwa auf Jeans oder Baumwoll-T-Shirts.
Daune ist trocken sehr warm im Verhältnis zu ihrem Gewicht, verliert aber nass einen großen Teil ihres Lofts. Daunenjacken und -schlafsäcke solltest du deshalb besonders sorgfältig vor Regen, Schnee und Kondenswasser schützen. Ein Schlafsack sollte außerdem locker gelagert werden, nicht dauerhaft zusammengepresst, damit die Füllung ihren Loft behält.
Das Zwiebelprinzip folgt direkt aus dieser Physik: Eine Schicht nahe der Haut leitet Feuchtigkeit nach außen, eine oder mehrere Isolationsschichten halten ruhende Luft, und eine Außenschicht hält Wind und Regen ab. Weil man einzelne Schichten an- und ausziehen kann, lässt sich die Wärme der Anstrengung anpassen.
Worauf es ankommt
Schweiß macht genauso nass wie Regen, nur von innen. Wer mit dicker Jacke einen Anstieg hinaufgeht, schwitzt die Isolationsschicht durch und friert danach in der Pause. Besser: vor dem Anstieg eine Schicht ausziehen, Reißverschlüsse öffnen, langsamer gehen. In der Pause sofort eine warme Schicht überziehen, bevor du auskühlst.
Die Regenjacke gehört angezogen, bevor die Isolationsschicht nass wird, nicht erst, wenn man schon durchweicht ist. Am Lagerplatz tauschst du nasse Sachen gegen trockene, bevor du auskühlst. Trockene Socken und eine trockene Schicht zum Schlafen sind oft wichtiger als ein zusätzliches Kleidungsstück für tagsüber.
Sicherheit: darauf musst du achten
Nasse Kleidung bei Wind und Kälte kann zu Unterkühlung führen, auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Der Wind verstärkt sowohl die Konvektion als auch die Verdunstung. Achte auf Frühzeichen wie starkes Zittern, Ungeschicklichkeit und Verwirrtheit – bei dir selbst und bei anderen. Bei Verwirrtheit, starker Schläfrigkeit oder Bewusstseinsstörung die lokale Notrufnummer wählen (112 in der EU).
Kleidung nie direkt über offenem Feuer oder an einem Kocher trocknen, besonders Kunstfasern schmelzen schnell und können brennen. Kocher und Feuer zum Trocknen oder Wärmen niemals im Zelt oder in geschlossenen Räumen betreiben – Kohlenmonoxidgefahr.
Gut zu wissen
In sehr kalter Umgebung nutzen manche erfahrene Menschen eine Dampfsperre: eine dünne, wasserdampfdichte Schicht nahe am Körper, damit Schweiß gar nicht erst in die Isolation gelangt. Das funktioniert nur mit Erfahrung, weil man darunter leicht nass wird, wenn man sich zu warm anzieht.
Dieselbe Physik erklärt viele Alltagsdinge: Doppelt verglaste Fenster halten eine ruhende Luft- oder Gasschicht zwischen den Scheiben, Tiere haben ein dichtes Winterfell, und eine Lage Zeitungspapier oder trockenes Laub unter der Kleidung kann im Notfall etwas Isolierung schaffen. Immer geht es darum, Luft festzuhalten und trocken zu bleiben.
Schritt für Schritt
Schwitzen vermeiden
Vor Anstiegen eine Schicht ausziehen, Reißverschlüsse öffnen – Schweiß von innen macht genauso nass wie Regen.
- 1
Schwitzen vermeiden
Vor Anstiegen eine Schicht ausziehen, Reißverschlüsse öffnen – Schweiß von innen macht genauso nass wie Regen.
- 2
Nässe von außen abhalten
Regen- und Windschicht rechtzeitig anziehen, bevor die Isolationsschicht nass wird.
- 3
Material bewusst wählen
Bei Kälte und Nässe Wolle oder Kunstfasern statt Baumwolle; Daune trocken halten.
- 4
Trocken wechseln
Am Lagerplatz nasse Sachen gegen trockene tauschen, bevor man auskühlt.
Häufige Fehler
- Baumwolljeans auf kalten, nassen Touren
- Isolationsjacke unter der Regenjacke durchschwitzen
- Schlafsack zusammengepresst lagern
Kurzüberblick
Geeignet für
- Kleidung und Schlafsystem wählen
- Verhalten bei Regen und Schweiß
Ungeeignet für
- Produktvergleiche
Voraussetzungen
- Grundbegriffe der Wärmeübertragung
Sicherheit
- Nasse Kleidung bei Wind und Kälte kann zu Unterkühlung führen, auch über dem Gefrierpunkt. Trockene Wechselschicht wasserdicht verpackt mitnehmen.
So funktioniert es
Luft ist ein schlechter Wärmeleiter, solange sie sich nicht bewegt. Fasern, Daunen und Schaum teilen Luft in viele kleine Kammern, in denen sie kaum zirkulieren kann. Dicke (Loft) ist daher wichtiger als Material. Wasser hat eine viel höhere Wärmeleitfähigkeit und füllt bei Nässe die Kammern. Außerdem kostet das Verdunsten von Wasser viel Energie, die der Haut entzogen wird. Wolle und viele Kunstfasern behalten nass einen Teil ihres Lofts, Baumwolle und Daune verlieren ihn weitgehend.
Vorteile
- Erklärt das Zwiebelprinzip
- Hilft, mit wenig Ausrüstung warm zu bleiben
Nachteile
- Trocken bleiben erfordert Disziplin
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Physiklehrbücher listen die Wärmeleitfähigkeit von Luft und Wasser; das Verhältnis liegt bei Raumtemperatur in der Größenordnung von 20 bis 25. Bergsteigerhandbücher leiten daraus das Schichtenprinzip und die Warnung vor Baumwolle in Kälte und Nässe ab.
Dieselbe Physik erklärt, warum Isomatten unter dem Körper wichtiger sind als ein dickerer Schlafsack: Komprimiertes Material hält kaum Luft.
Varianten
- Dampfsperre
- In sehr kalter Umgebung nutzen manche eine Dampfsperrschicht, damit Schweiß die Isolation nicht durchnässt. Das erfordert Erfahrung.
Häufige Fehler
- Baumwolljeans auf kalten, nassen Touren
- Isolationsjacke unter der Regenjacke durchschwitzen
- Schlafsack zusammengepresst lagern
Grenzen und Risiken
- Keine Produktwerte
Quellen
David Halliday, Robert Resnick, Jearl Walker – John Wiley & Sons: Fundamentals of Physics
Wärmeleitfähigkeit von Luft und Wasser, Verdunstungswärme
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Bekleidungsschichten und Materialien bei Kälte und Nässe