Quinzhee (ausgehöhlter Schneehaufen)
Ein großer Haufen aus aufgeschaufeltem Schnee wird gesetzt gelassen und dann ausgehöhlt. Das funktioniert auch bei wenig Schneehöhe, kostet aber viel Zeit und Kraft und birgt Einsturz-, Erstickungs- und Kohlenmonoxidgefahr. Nur zu zweit oder mehr, mit Übung und nie in Lawinengelände.
- Mehrere Stunden inklusive Wartezeit zum Setzen

Einfach erklärt
Ein Quinzhee (gesprochen etwa „Kwin-dsi“) ist ein großer Schneehaufen, den du aushöhlst – fast wie ein Iglu, nur ohne Blöcke. Zuerst schaufelst du viel Schnee zu einem runden Hügel. Dann wartest du, bis der Schnee sich gesetzt hat und fester geworden ist. Erst danach gräbst du von innen eine Höhle hinein.
Damit die Decke nicht zu dünn wird, steckst du vorher gleich lange Stöcke in den Hügel. Wenn du beim Graben auf ein Stockende stößt, hörst du an dieser Stelle auf.
Das ist viel Arbeit und nicht ungefährlich. Baue nie allein: Eine Person gräbt, die andere bleibt draußen und kann sofort helfen. Und drinnen niemals Kocher oder Kerze – immer ein Luftloch offen lassen.
Wie es funktioniert
Wenn du Schnee schaufelst, werden die Schneekristalle durcheinandergewirbelt und zerbrochen. Mit der Zeit verbinden sie sich wieder miteinander – man nennt das Setzen oder Sintern. Dadurch wird der Haufen tragfähig, ähnlich wie lose Zuckerkörner, die zusammenbacken. Erst wenn das passiert ist, kann man ihn aushöhlen, ohne dass er sofort zusammenfällt.
Der Vorteil gegenüber einer Schneehöhle: Du brauchst keine tiefe Schneewehe. Ein Quinzhee funktioniert auch bei geringer Schneehöhe, weil du den Schnee selbst zusammenträgst. Das kostet allerdings viel Zeit und Kraft.
Innen gilt dasselbe wie in jeder Schneeunterkunft: Warme Luft steigt nach oben. Deshalb liegt die Schlafplattform höher als der Eingang, und der tiefe Eingang wird zur Kältefalle. Eine glatt geformte, gewölbte Innendecke lässt Tropfwasser an den Wänden ablaufen, statt auf dich zu tropfen.
Sicherheit: darauf musst du achten
Nie allein bauen oder aushöhlen. Eine Person gräbt, die andere bleibt draußen und kann bei einem Einsturz sofort helfen. Die Schaufel ist immer griffbereit – auch nachts drinnen. Zu dünne Wände oder Decken und Tauwetter führen zum Einsturz. Bei Rissen, Absacken der Decke oder starkem Tropfen sofort hinaus. Bei Tauwetter oder Regen wird nicht darin geschlafen.
Kocher, Kerzen und Brenner können in einer Schneeunterkunft tödliche Mengen Kohlenmonoxid erzeugen und Sauerstoff verbrauchen. Ein offenes Lüftungsloch ist Pflicht, schräg durch die Decke gestoßen und regelmäßig freigehalten. Kocher werden grundsätzlich draußen betrieben.
Graben macht nass und verschwitzt, und durchnässte Kleidung kann eine Unterkühlung auslösen. Zieh vorher isolierende Schichten aus, arbeite langsam und wechsle dich ab. Lawinengelände ist ausgeschlossen: kein Bau an oder unter Hängen, unter Wechten oder in Rinnen. Bei Anzeichen einer Unterkühlung ruf den Notruf an (112 in der EU).
Worauf es ankommt
Geduld beim Setzenlassen ist entscheidend. Wer zu früh gräbt, gräbt in lockeren Schnee, der nachrutscht oder einbricht. Wie lange das Setzen dauert, hängt stark von Schneeart und Temperatur ab – eine verlässliche Zahl gibt es nicht. Bleib in dieser Zeit warm und trocken, statt herumzustehen und auszukühlen.
Die Dickenmarker sind deine wichtigste Sicherung. Stecke gleich lange Stöcke von außen rundum senkrecht in den Hügel, bis sie bündig mit der Oberfläche sind. Sobald du beim Aushöhlen ein Stockende siehst, ist die Wand an dieser Stelle dick genug – dort nicht weitergraben. Ohne Marker wird die Decke fast immer zu dünn.
Sehr nasser Schnee ist schwer und neigt zum Einsacken, sehr pulvriger, kalter Schnee verbindet sich oft schlecht. Beides macht den Bau schwieriger und unsicherer. Auch Bäume mit viel Schnee auf den Ästen direkt über dem Platz sind ungünstig.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Ein Quinzhee ist etwas für geplante Wintertouren, Wintercamps und Kurse, wenn mindestens zwei geübte Personen, Schaufeln und viel Zeit vorhanden sind – und der Schnee für eine Höhle nicht tief genug ist.
Gerade weil er einfach aussieht, wird er unterschätzt. Allein, bei einbrechender Dunkelheit, bei sehr nassem oder sehr pulvrigem Schnee und in Lawinengelände ist er ungeeignet. In echten Notlagen sind ein Schneegraben oder ein Notbiwak meist schneller und sicherer.
Gut zu wissen
Der Quinzhee stammt aus Nordamerika; der Name wird meist auf athabaskische Sprachen zurückgeführt. Er wird in Wintercamps und Outdoor-Kursen geübt, weil er auch dort funktioniert, wo der Schnee für eine Höhle zu flach ist.
Die typischen Unfallursachen sind immer wieder dieselben: allein aushöhlen, zu dünne Decken und fehlende Lüftung. Wer diese drei Punkte ernst nimmt und die Technik zuerst unter Anleitung in sicherem Gelände übt, versteht schnell, warum Schneeunterkünfte Erfahrung brauchen.
Schritt für Schritt
Sicheren Platz wählen
Flaches Gelände ohne Hänge darüber, keine Bäume mit Schneelast direkt darüber.
- 1
Sicheren Platz wählen
Flaches Gelände ohne Hänge darüber, keine Bäume mit Schneelast direkt darüber.
- 2
Schnee aufhäufen
Schnee zu einem großen, runden Haufen aufschaufeln und dabei umschichten. Schichten ablegen, um nicht zu schwitzen.
- 3
Dickenmarker setzen
Gleich lange Stöcke rundum senkrecht in den Haufen stecken, bis sie bündig mit der Oberfläche sind.
- 4
Setzen lassen
Den Haufen eine Weile ruhen lassen. Die nötige Zeit hängt von Schnee und Temperatur ab; in dieser Zeit warm und trocken bleiben.
- 5
Aushöhlen – zu zweit
Einen niedrigen Eingang graben und von innen aushöhlen. Sobald ein Stockende sichtbar wird, an dieser Stelle aufhören. Die zweite Person bleibt draußen.
Bei Rissen, Absacken oder Tropfen sofort hinaus.
- 6
Lüftung und Liegefläche
Eine Lüftungsöffnung schräg durch die Decke stechen, die Liegefläche höher als den Eingang anlegen und die Decke innen glätten, damit Tropfwasser abläuft.
- 7
Nacht und Markierung
Schaufel innen behalten, Lüftung regelmäßig freihalten, Eingang nicht ganz verschließen, Standort außen markieren.
Häufige Fehler
- Allein gegraben
- Nicht lange genug gesetzt
- Ohne Dickenmarker gegraben – Decke zu dünn
- Keine Lüftungsöffnung
- Kocher oder Kerze im Inneren
- Durchgeschwitzt
Kurzüberblick
Material
Schneeschaufel
Mindestens eine, besser zwei
Beim Graben in Schneeunterkünften immer mit nach innen nehmen.
Stabile Äste / Stangen
Gleich lange Stöcke als Dickenmarker
Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.
Isomatte
Trockene Wechselkleidung
Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.
Stirnlampe / Taschenlampe
Geeignet für
- Geplante Winterübungen mit Begleitung
- Gebiete mit wenig, aber ausreichend bindigem Schnee
Ungeeignet für
- Allein
- Bei einbrechender Dunkelheit
- Sehr nasser oder sehr pulvriger Schnee
- Lawinengelände
Voraussetzungen
- Mindestens eine zweite Person
- Praktische Übung unter Anleitung
- Viele Stunden Tageslicht
- Flaches, lawinensicheres Gelände
So funktioniert es
Aufgeschaufelter Schnee wird durch das Umschichten durchmischt; mit der Zeit verbinden sich die Kristalle wieder miteinander (Setzen bzw. Sintern), und der Haufen wird tragfähig. Danach wird er von innen ausgehöhlt. Dickenmarker zeigen, wann die Wand stark genug ist. Eine Liegefläche über dem Eingangsniveau hält die wärmere Luft im Raum, eine Lüftungsöffnung die Luft frisch.
Vorteile
- Funktioniert auch bei geringer Schneehöhe
- Sehr guter Windschutz
- Schnee isoliert
Nachteile
- Sehr hoher Zeit- und Kraftaufwand
- Einsturz- und CO-Gefahr
- Durchnässung beim Graben
- Nur in Gruppen sinnvoll
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Der Quinzhee stammt aus dem nordamerikanischen Raum; der Name wird häufig auf Sprachen der Athabasken zurückgeführt. In Wintercamps und Outdoorkursen wird er geübt, weil er auch dort funktioniert, wo der Schnee für eine Höhle zu flach ist.
Gerade weil er einfach aussieht, wird er unterschätzt: Aushöhlen allein, zu dünne Decken und fehlende Lüftung sind die typischen Ursachen für Unfälle. In echten Notlagen ist ein Schneegraben oder Notbiwak meist schneller.
Häufige Fehler
- Allein gegraben
- Nicht lange genug gesetzt
- Ohne Dickenmarker gegraben – Decke zu dünn
- Keine Lüftungsöffnung
- Kocher oder Kerze im Inneren
- Durchgeschwitzt
Grenzen und Risiken
- Keine Angabe von Wandstärken oder Wartezeiten – stark schneeabhängig
- Keine Aussagen zu Lawinengefahr
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Isomatte
- Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
- Trockene Wechselkleidung
- Isomatte, Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
- Stirnlampe / Taschenlampe
- Mobiltelefon (Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.), Batterie-Laterne / LED-Leuchte
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Schneeunterkünfte im Bergsteigen
World Health Organization, Regional Office for Europe (2010): WHO guidelines for indoor air quality: selected pollutants (carbon monoxide chapter)
Kohlenmonoxid in geschlossenen Räumen
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
Wind, Nässe und Bodenkontakt als Faktoren der Unterkühlung