Schneegraben mit Abdeckung
Ein körperlanger, schmaler Graben im Schnee, abgedeckt mit Tarp, Folie, Skiern mit Plane oder Schneeblöcken. Er ist von den Schneeunterkünften meist die schnellste und am wenigsten einsturzgefährdete Form und daher in Notlagen oft der Höhle vorzuziehen – aber nur in flachem Gelände ohne Lawinengefahr.
- Mit Schaufel meist unter einer bis etwa eine Stunde; abhängig von Schnee und Übung

Einfach erklärt
Schnee ist erstaunlich: Er ist kalt, aber er hält Wind ab und lässt Wärme nur langsam entweichen – ein bisschen wie eine dicke Decke aus vielen kleinen Luftpolstern. Gräbst du einen schmalen Graben, so lang wie du, und legst ein Dach darüber, liegst du unter der Schneeoberfläche geschützt vor dem eisigen Wind.
Das Dach kann eine Plane sein, die auf Skiern oder Stöcken liegt, oder Schneeblöcke, die du wie ein spitzes Dach gegeneinanderlehnst. Der Graben ist von allen Schneeunterkünften meist am schnellsten gebaut und stürzt am seltensten ein.
Ganz wichtig: Nur in flachem Gelände bauen, nie an oder unter Hängen – dort können Lawinen abgehen. Im Graben niemals Kocher oder Kerze benutzen, und immer ein Luftloch offen lassen.
Wie es funktioniert
Frischer Schnee besteht zu einem großen Teil aus eingeschlossener Luft. Diese Luft bewegt sich kaum und leitet Wärme schlecht. Deshalb isolieren Schneewände, obwohl Schnee selbst kalt ist. Unter der Oberfläche bist du außerdem aus dem Wind, und Wind ist einer der stärksten Wärmeräuber.
Ein schmaler Graben ist schnell gegraben und lässt sich leicht abdecken. Je schmaler er ist, desto kürzer muss das Dach überspannen – und desto weniger hängt es durch. Kalte Luft ist schwerer als warme und sinkt nach unten. Wo es möglich ist, liegt der Eingang deshalb tiefer als die Liegefläche oder am Fußende, damit sich die kälteste Luft dort sammelt und nicht bei dir.
Unter dir brauchst du trotzdem eine Isolierung. Schnee entzieht dem Körper bei direktem Kontakt Wärme und schmilzt dabei, sodass du nass wirst. Eine Isomatte oder der Rucksack als Unterlage ist deshalb unverzichtbar.
Sicherheit: darauf musst du achten
Lawinengelände ist in diesem Eintrag ausgeschlossen. Baue nie an oder unter Hängen, unter Wechten (überhängenden Schneekanten) oder in Rinnen. Wer in steilem, verschneitem Gelände unterwegs ist, braucht eine Lawinenausbildung und den aktuellen Lawinenlagebericht. Halte dich außerdem fern von Pisten, Wegen und Fahrspuren.
Kocher, Kerzen und Brenner in einer Schneeunterkunft können tödliche Mengen Kohlenmonoxid erzeugen und Sauerstoff verbrauchen. Kohlenmonoxid ist unsichtbar und geruchlos. Ein offenes Lüftungsloch ist Pflicht, und Kocher werden grundsätzlich draußen betrieben.
Graben im Schnee macht nass und verschwitzt. Durchnässte Kleidung kann eine Unterkühlung auslösen. Zieh vorher die isolierenden Schichten aus und verstaue sie trocken, behalte die wasserdichte Außenschicht an und arbeite langsam. Neuschnee und Verwehungen belasten ein Planendach: Klopfe es nachts regelmäßig ab und halte das Luftloch frei. Markiere den Graben deutlich, damit niemand darauf tritt oder fährt und Rettungskräfte dich finden. Bei Anzeichen einer Unterkühlung ruf den Notruf an (112 in der EU).
Worauf es ankommt
Vor dem Graben steht die Frage, ob es eine bessere Alternative gibt: umkehren, eine Hütte erreichen, im Fahrzeug bleiben oder ein Notbiwak im Windschatten. Ein Schneegraben ist sinnvoll, wenn du eine Schaufel, Zeit und trockene Kleidung hast. Ohne Schaufel ist er kaum machbar.
Halte den Graben schmal. Ein zu breiter Graben lässt sich schwer abdecken, und eine Plane ohne Stützen hängt unter Schneelast durch und kann auf dich drücken. Lege Stöcke, Ski oder Trekkingstöcke quer als Träger und beschwere die Ränder der Plane mit Schnee. Alternativ lassen sich bei festem Schnee Blöcke schneiden und giebelförmig gegeneinanderlehnen.
Nimm die Schaufel mit hinein. Sollte das Dach einbrechen oder der Eingang zuschneien, brauchst du sie, um dich freizugraben. Verschließe den Eingang nie vollständig.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Der Schneegraben gilt als guter Kompromiss zwischen Aufwand und Schutz, wenn ein Biwak im Schnee unvermeidlich ist. Er ist meist schneller gebaut und weniger einsturzgefährdet als eine Schneehöhle oder ein Quinzhee und eignet sich deshalb in Notlagen oft besser.
Ungeeignet ist er in Lawinengelände, an Hängen und in Rinnen, bei nassem Schnee und Tauwetter, wenn die Wände weich werden und Wasser eindringt, und ohne Schaufel. Feste Angaben zu Tiefe oder Wandstärke gibt es nicht – sie hängen stark vom Schnee ab.
So übst du es
Übe in sicherem, flachem Gelände nahe am Auto oder an einer Hütte, bei ruhigem Wetter und mit Begleitung. So kannst du jederzeit abbrechen. Probiere aus, wie lange du mit deiner Schaufel brauchst, wie viel du dabei schwitzt und wie du die Plane am besten befestigst.
Gute Vorbereitung ist entscheidend: eine Lawinenschaufel, wasserdichte Kleidung, eine Isomatte und das Wissen, wann Umkehren die klügere Wahl ist. Kurse von Bergsport- oder Outdoor-Organisationen vermitteln Schneeunterkünfte und Lawinenkunde zusammen.
Schritt für Schritt
Abwägen
Prüfe Alternativen wie Rückkehr, Hütte, Fahrzeug oder Notbiwak im Windschatten. Graben nur mit Schaufel, Zeit und trockener Kleidung.
- 1
Abwägen
Prüfe Alternativen wie Rückkehr, Hütte, Fahrzeug oder Notbiwak im Windschatten. Graben nur mit Schaufel, Zeit und trockener Kleidung.
- 2
Sicheren Platz wählen
Flaches Gelände ohne Hänge, Wechten oder Rinnen darüber; abseits von Pisten, Loipen und Fahrspuren.
- 3
Schichten ablegen
Isolierende Kleidung trocken verstauen, wasserdichte Außenschicht anlassen, langsam arbeiten.
- 4
Graben ausheben
Einen schmalen Graben, etwas länger als die Körperlänge, ausheben. Schmal halten – je breiter, desto schwerer lässt er sich abdecken.
- 5
Abdecken
Plane über den Graben legen und an den Rändern mit Schnee beschweren, Stöcke oder Ski als Träger nutzen; alternativ Schneeblöcke giebelförmig gegeneinanderlehnen.
- 6
Lüftung und Eingang
Eine Lüftungsöffnung freihalten und den Eingang nicht vollständig verschließen.
Kein Kocher und keine Kerze im Graben.
- 7
Isolieren und markieren
Auf Isomatte oder Rucksack liegen, Schaufel mit hineinnehmen, Standort außen markieren.
Häufige Fehler
- Graben zu breit
- Plane ohne Träger – sie sackt unter Schneelast durch
- Lüftung vergessen
- Schaufel draußen liegen lassen
- Am Hang gebaut
Kurzüberblick
Material
Schneeschaufel
Praktisch unverzichtbar
Beim Graben in Schneeunterkünften immer mit nach innen nehmen.
Tarp / Plane
Oder Folie, Rettungsdecke bzw. Schneeblöcke als Dach
Isomatte
Isolierung gegen den Schneeboden
Trekkingstöcke
Oder Ski als Dachträger
Trockene Wechselkleidung
Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.
Geeignet für
- Unerwartete Winternacht im Freien mit Schaufel
- Schutz vor Wind in offenem, flachem Gelände
Ungeeignet für
- Lawinengelände, Hänge, Rinnen
- Nassschnee und Tauwetter
- Ohne Schaufel
Voraussetzungen
- Ausreichend tiefer oder fester Schnee
- Flaches Gelände ohne Hänge darüber
- Schaufel und wasserdichte Kleidung
Sicherheit
- Neuschnee und Schneeverwehungen belasten eine Planenabdeckung. Nachts regelmäßig abklopfen und die Lüftung freihalten.
- Graben und Umgebung gut sichtbar markieren, damit niemand darauf tritt oder darüberfährt und Rettungskräfte ihn finden.
So funktioniert es
Unter der Schneeoberfläche ist man aus dem Wind, und die Schneewände isolieren. Ein schmaler Graben ist schnell ausgehoben und lässt sich mit einer Plane oder Schneeblöcken schließen. Kalte Luft sinkt nach unten: Wenn möglich liegt der Eingang tiefer als die Liegefläche oder am Fußende.
Vorteile
- Schneller als Höhle oder Quinzhee
- Geringere Einsturzfolgen bei Planendach
- Funktioniert auch bei mäßiger Schneehöhe
Nachteile
- Planendach ist kälter als Schnee
- Durchnässungsgefahr beim Graben
- Schneelast auf der Plane
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Der Schneegraben ist in FM 3-05.70 und in alpinistischer Fachliteratur als einfache Schneeunterkunft beschrieben. Er gilt als guter Kompromiss zwischen Aufwand und Schutz, wenn ein Biwak im Schnee unvermeidbar ist.
Wie bei allen Schneebauten entscheidet die Vorbereitung: Schaufel, wasserdichte Kleidung, Isomatte und das Wissen, wann man besser umkehrt.
Varianten
- Dach aus Schneeblöcken
- Bei gut gesetztem Schnee lassen sich Blöcke stechen und giebelförmig über den Graben stellen. Wärmer als eine Plane, erfordert aber geeigneten Schnee und Übung.
Häufige Fehler
- Graben zu breit
- Plane ohne Träger – sie sackt unter Schneelast durch
- Lüftung vergessen
- Schaufel draußen liegen lassen
- Am Hang gebaut
Grenzen und Risiken
- Keine Maßangaben zu Tiefe oder Wandstärke
- Keine Aussagen zu Lawinengefahr
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Tarp / Plane
- Kunststofffolie / großer Müllsack (Reißt leicht, nicht über den Kopf ziehen (Erstickungsgefahr).), Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Dokumentenmappe (wasserdicht) (Sicher aufbewahren – enthält sensible persönliche Daten.), Regenponcho (Als Unterkunft genutzt, fehlt er als Regenschutz am Körper.), Biwaksack (Gesicht nie vollständig verschließen.), Zelt (Nicht im Zelt kochen oder heizen (Brand- und Kohlenmonoxidgefahr).), Reißfester Müllsack (groß) (Erstickungsgefahr: Plastiksäcke nie über Kopf oder Gesicht ziehen und von Kleinkindern fernhalten.), Gruppenbiwaksack (Luftdicht – regelmäßig lüften.)
- Isomatte
- Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
- Trekkingstöcke
- Stabile Äste / Stangen (Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.), Reparaturhülse für Zeltstangen (Nur als Provisorium – gebrochene Segmente zu Hause ersetzen lassen.)
- Trockene Wechselkleidung
- Isomatte, Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Wolldecke / Bettdecke (Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Schneegraben als Unterkunft in kalten Regionen
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Schneeunterkünfte im Bergsteigen
World Health Organization, Regional Office for Europe (2010): WHO guidelines for indoor air quality: selected pollutants (carbon monoxide chapter)
Kohlenmonoxid in geschlossenen Räumen
Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society) (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update
Wind, Nässe und Bodenkontakt als Faktoren der Unterkühlung