Die Paiute-Totfalle
Die Paiute-Totfalle hält ein Gewicht mit einem Pfosten, einem Hebelstab, einer kurzen Schnur mit Knebelholz und einem dünnen Köderstab. Sie braucht weniger Schnitzarbeit als die Figur 4, ist leichter zu stellen und gilt als empfindlicher – schon ein leichter Zug am Köder löst sie aus. Für die eigenen Hände gelten dieselben strengen Regeln: nie unter das Gewicht greifen.
- 30–45 Minuten pro Falle, Übung vorher nötig

Einfach erklärt
Die Paiute-Falle ist eine Schwester der Figur-4-Falle. Auch sie hält einen schweren Stein schräg in die Höhe, und auch hier fällt der Stein, wenn ein kleines Tier am Köder zieht. Benannt ist sie nach den Paiute, einem Volk im Westen Nordamerikas.
Der Unterschied: Statt drei genau geschnitzter Stöcke braucht sie einen Pfosten, einen Hebelstock, ein Stückchen Schnur mit einem winzigen Holzknebel und einen dünnen Köderstock. Das ist leichter zu bauen, und die Falle reagiert schon auf ein ganz leichtes Zupfen.
Weil sie so empfindlich ist, kann sie auch beim Aufstellen plötzlich zuschnappen. Darum gilt dieselbe Regel wie bei der Figur 4: Die Hand kommt nie unter den Stein, Kinder bleiben weit weg, und gebaut wird sie nur in echter Lebensgefahr.
Wie es funktioniert
Der Hebelstab liegt quer auf der Spitze des Pfostens. Auf seinem kurzen Ende ruht die angehobene Kante des Gewichts. Weil das Gewicht dieses Ende nach unten drückt, will das lange Ende nach oben. An diesem langen Ende hängt eine kurze Schnur, und am Ende der Schnur sitzt ein Knebelholz von etwa fünf Zentimetern.
Das Knebelholz wird halb um den Pfosten geführt und liegt quer daran an. Allein würde es sofort herumschnellen. Festgehalten wird es nur von der Spitze des dünnen Köderstabs, dessen anderes Ende gegen die Unterlage oder einen Pflock drückt. Der ganze Druck des Gewichts hängt also an diesem einen, leichten Kontakt.
Zupft ein Tier am Köder, rutscht der Köderstab weg. Das Knebelholz springt frei, der Hebel schnellt am langen Ende hoch, das kurze Ende kippt weg und das Gewicht fällt. Weil kaum Reibung im Spiel ist, reicht dafür eine sehr kleine Bewegung.
Worauf es ankommt
Die Länge der Schnur bestimmt, wo das Knebelholz am Pfosten liegt. Ist sie zu lang, sitzt der Knebel zu tief und der Köderstab reicht nicht richtig hin; ist sie zu kurz, steht der Hebel zu steil. Übe deshalb zuerst ohne Gewicht, indem du mit einem Finger auf das kurze Hebelende drückst, und passe die Schnur an.
Der Köderstab muss dünn, gerade und lang genug sein, um vom Knebel bis unter das Gewicht zu reichen. Sein Ende drückt gegen die Kante der Unterlage oder gegen einen kleinen, fest eingeschlagenen Pflock. Ist er zu dick, hält er zu fest, und die Falle löst nicht aus.
Für Gewicht und Unterlage gilt dasselbe wie bei der Figur 4: deutlich schwerer als das Tier, flach, und eine harte Unterlage, damit das Tier sofort getötet wird. Wähle eine windgeschützte Stelle, denn die feine Auslösung reagiert auch auf Wind.
Sicherheit: darauf musst du achten
Weil die Paiute-Falle so empfindlich ist, löst sie beim Aufstellen leicht aus. Deshalb: Köder zuerst befestigen, dann das Gewicht von der Seite absenken, Finger an der Außenkante, seitlich knien, nie unter das Gewicht greifen. Löst sie aus, loslassen und Hand zurückziehen.
Kontrollieren und Abbauen geschieht mit einem langen Stock von der Seite. Kinder bleiben bei Bau und Kontrolle zurück und kennen die Stellen, an die sie nicht gehen dürfen.
Auch für diese Falle gilt: Ohne Jagdrecht ist sie in Deutschland und Österreich verboten, unnötiges Tierleid ist strafbar, und sie ist nur für echte Lebensgefahr gedacht. Nie für größere Tiere, nie an Orten, an die Haustiere oder Menschen kommen.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Die Paiute-Falle ist eine gute Wahl, wenn du ein Stück Schnur hast und wenig Zeit oder Übung im präzisen Schnitzen. Sie ist leichter zu stellen als die Figur 4 und reagiert auf kleine Tiere zuverlässig.
Weniger geeignet ist sie an windigen Stellen, bei Regen und dort, wo viele Vögel unterwegs sind, weil sie dann oft von selbst auslöst. Und wie jede Falle ist sie fehl am Platz, wenn keine echte Lebensgefahr besteht oder du nicht täglich kontrollieren kannst.
Gut zu wissen
FM 3-05.70 beschreibt die Paiute-Falle als Abwandlung der Figur 4 mit Schnur und einem etwa fünf Zentimeter langen Knebelholz und nennt als Vorteil, dass sie leichter zu stellen ist. Für die Schnur reicht ein kurzes Stück fester Schnur oder Pflanzenfaser.
Wie bei der Figur 4 kann man die Mechanik zu Hause mit Bleistiften, Nähgarn und einem Buch üben – ohne Köder, ohne Tiere. Dabei merkt man schnell, wie wenig Bewegung den Auslöser freigibt.
Wer die Geschichte solcher Fallen kennenlernen möchte, findet im Eintrag zu traditionellen Fangmethoden einen Überblick, wie verschiedene Kulturen sie genutzt haben – und warum sie heute streng geregelt sind.
Schritt für Schritt
Platz, Gewicht und Unterlage wählen
Wie bei der Figur 4: Fraßplatz oder Wechsel weit weg von Wegen und Lager, ein flacher Stein oder schweres Stammstück, deutlich schwerer als das Tier, und eine harte, ebene Unterlage. Die Stelle sollte windgeschützt sein, weil die Falle sehr empfindlich ist.
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Platz, Gewicht und Unterlage wählen
Wie bei der Figur 4: Fraßplatz oder Wechsel weit weg von Wegen und Lager, ein flacher Stein oder schweres Stammstück, deutlich schwerer als das Tier, und eine harte, ebene Unterlage. Die Stelle sollte windgeschützt sein, weil die Falle sehr empfindlich ist.
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Die vier Hölzer und die Schnur bereitlegen
Du brauchst einen geraden Pfosten, etwas kürzer als die Höhe, in der das Gewicht hängen soll, einen Hebelstab etwa so lang wie der Pfosten, ein kurzes Knebelholz von etwa fünf Zentimetern, einen dünnen, geraden Köderstab, der vom Pfosten bis unter das Gewicht reicht, und ein kurzes, festes Stück Schnur.
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Schnur an Hebel und Knebel binden
Binde ein Ende der Schnur an das untere Ende des Hebelstabs, das andere Ende in der Mitte an das Knebelholz. Die Schnur ist so lang, dass das Knebelholz später auf halber Höhe des Pfostens liegt. Schnitze in die Pfostenspitze eine flache Mulde, in der der Hebel nicht seitlich abrutscht.
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Pfosten stellen und Hebel auflegen
Stelle den Pfosten senkrecht neben die Unterlage, am besten leicht in den Boden gedrückt. Lege den Hebelstab quer in die Mulde der Pfostenspitze: Das kurze Ende zeigt zur Unterlage und trägt später das Gewicht, das lange Ende mit der Schnur hängt auf der anderen Seite.
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Knebel und Köderstab einhängen – ohne Gewicht
Führe die Schnur halb um den Pfosten, sodass das Knebelholz waagerecht im rechten Winkel am Pfosten anliegt. Klemme die Spitze des Köderstabs hinter das freie Ende des Knebelholzes und lege das andere Ende des Köderstabs gegen die Kante der Unterlage oder einen kleinen eingeschlagenen Pflock. Drücke mit einem Finger auf das kurze Hebelende und tippe den Köderstab an: Alles muss sofort auseinanderfallen.
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Köder anbringen
Stecke oder binde den Köder an den Köderstab, bevor das Gewicht aufliegt. Nimm etwas, das die Tiere der Gegend kennen und das in der Nähe nicht im Überfluss liegt.
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Gewicht von der Seite absenken
Lehne das Gewicht mit einer Kante auf die Unterlage, halte es von oben an der äußeren Kante und senke die angehobene Kante langsam auf das kurze Hebelende ab. Knie seitlich, die Finger bleiben außen am Gewicht. Erst loslassen, wenn das Gestell ruhig hält.
Löst die Falle beim Absenken aus, sofort loslassen und die Hand zurückziehen – nie nachgreifen.
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Prüfen, markieren, abbauen
Aus seitlichem Abstand prüfen, ob das Gewicht über Köder und Unterlage steht. Stelle markieren, in die Liste eintragen, mindestens täglich kontrollieren. Zum Kontrollieren und Abbauen die Falle mit einem langen Stock von der Seite auslösen und die Schnur mitnehmen.
Häufige Fehler
- Schnur zu lang – das Knebelholz sitzt zu tief und hält nicht
- Köderstab zu dick oder zu kurz
- Falle an windiger Stelle
- Köder erst anbringen, wenn das Gewicht aufliegt
- Hand unter dem Gewicht
- Schnur beim Abbau liegen lassen
Kurzüberblick
Material
Stabile Äste / Stangen
Pfosten, Hebelstab, Knebelholz und ein dünner, langer Köderstab
Kein frisches Holz von lebenden Bäumen schneiden, wo das verboten ist.
Dünne Schnur
Ein kurzes, festes Stück Schnur
Geringe Bruchlast – nur für leichte Lasten.
Messer (feststehend oder feststellbar)
Vom Körper weg schneiden.
Regeln zum Mitführen von Messern unterscheiden sich je nach Region – örtliche Regeln prüfen.
Robuste Arbeitshandschuhe
Bei Kontakt mit Hochwasserschlamm oder Chemikalien zusätzlich wasserdichte Handschuhe tragen.
Auffälliges Markierband
Nach dem Abbau jedes Stück wieder entfernen
Geeignet für
- Kleinwild und Nager an Fraßplätzen
- Wenn wenig Zeit zum Schnitzen bleibt
Ungeeignet für
- Windige Stellen – die empfindliche Falle löst leicht von selbst aus
- Kinder in der Nähe
- Orte, an die Haustiere oder Menschen kommen
Voraussetzungen
- Echte Lebensgefahr, keine Rettung erreichbar
- Einfache Knoten wie den Webeleinstek binden können
- Die Figur-4-Totfalle und ihre Sicherheitsregeln kennen
Sicherheit
- Wie bei jeder Totfalle muss das Gewicht deutlich schwerer sein als das Tier und auf eine harte Unterlage fallen – sonst wird das Tier nur verletzt.
So funktioniert es
Der Hebelstab liegt quer auf der Spitze des Pfostens. Sein eines Ende trägt das Gewicht, am anderen Ende hängt eine Schnur mit einem kurzen Knebelholz. Das Gewicht will dieses Ende nach oben ziehen. Das Knebelholz wird halb um den Pfosten geführt und von der Spitze des Köderstabs festgehalten, dessen anderes Ende gegen den Stein drückt. Bewegt das Tier den Köderstab, rutscht er weg, das Knebelholz springt frei, der Hebel schnellt hoch und das Gewicht fällt.
Vorteile
- Weniger Schnitzarbeit als die Figur 4
- Leichter zu stellen
- Sehr feiner Auslöser
Nachteile
- Braucht Schnur
- Löst leicht durch Wind oder Vögel aus
- Gefahr für Finger beim Aufstellen
- Ohne Jagdrecht verboten
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die Falle ist nach den Paiute benannt, einem Volk im Großen Becken im Westen der USA, das solche Totfallen traditionell nutzte. FM 3-05.70 beschreibt sie als Abwandlung der Figur 4 mit Schnur und Knebelholz, die leichter zu stellen ist.
Die Empfindlichkeit ist Vor- und Nachteil zugleich: Kleine Tiere lösen sie zuverlässig aus, aber auch ein Windstoß oder ein Vogel kann das tun.
Varianten
- Köderstab gegen Pflock
- Ist die Kante der Unterlage ungeeignet, kann das Ende des Köderstabs gegen einen kleinen, fest eingeschlagenen Pflock drücken. FM 3-05.70 nennt beide Möglichkeiten.
- Als Modell üben
- Die Mechanik lässt sich zu Hause mit Bleistiften, Garn und einem Buch üben – ohne Köder und ohne je ein Tier zu gefährden.
Häufige Fehler
- Schnur zu lang – das Knebelholz sitzt zu tief und hält nicht
- Köderstab zu dick oder zu kurz
- Falle an windiger Stelle
- Köder erst anbringen, wenn das Gewicht aufliegt
- Hand unter dem Gewicht
- Schnur beim Abbau liegen lassen
Grenzen und Risiken
- Keine Gewichtsangaben – nur „deutlich schwerer als das Tier“
- Nur für Kleinwild
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Dünne Schnur
- Seil (Unbekannte oder beschädigte Seile nie für lebenssichernde Zwecke verwenden.), Paracord (Kein Kletter- oder Sicherungsseil.), Reepschnur (Für lebenssichernde Zwecke nur zertifizierte Schnur nach Ausbildung verwenden.), Band (Schlauchband) (Geknotete Bandschlingen vor jeder Verwendung prüfen.), Jute- oder Sisalschnur (gekauft) (Geringe Festigkeit, nimmt Wasser auf und verrottet – nur für leichte Lasten und Übung.), Baumgurte (Nur innerhalb der Herstellerangaben belasten.), Monofile Angelschnur (Schnurreste nie liegen lassen: Vögel und andere Tiere verfangen sich darin und sterben qualvoll. Reste aufwickeln und mitnehmen.), Dünner, weicher Draht (Messing- oder verzinkter Stahldraht) (Drahtenden sind spitz – beim Biegen Augen und Finger schützen), Abschleppseil oder Abschleppstange (Nur an den vom Hersteller vorgesehenen Abschleppösen befestigen; unter Last niemals daneben stehen.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Paiute-Totfalle: Diagonalstab, Schnur mit etwa 5 cm langem Knebelholz halb um den Pfosten, Köderstab gegen Gewicht oder Pflock; leichter zu stellen als die Figur 4
Bundesrepublik Deutschland – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) (1976): Bundesjagdgesetz (BJagdG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. September 1976
§ 19: Verbot von Schlingen jeder Art und von Fanggeräten, die nicht unversehrt fangen oder nicht sofort töten
Bundesrepublik Deutschland – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de): Strafgesetzbuch (StGB) – § 292 Jagdwilderei
§ 292: Jagdwilderei; Schlingen gelten als besonders schwerer Fall
Republik Österreich – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) (1974): Strafgesetzbuch (StGB), BGBl. Nr. 60/1974 – §§ 137, 138 (Eingriff in fremdes Jagd- oder Fischereirecht) und § 222 (Tierquälerei)
§§ 137, 138: Eingriff in fremdes Jagdrecht; § 222: Tierquälerei
Bundesrepublik Deutschland – Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) (2006): Tierschutzgesetz (TierSchG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006
§ 17: Strafbarkeit von Tötung ohne vernünftigen Grund und erheblichen Leiden; § 4: Töten nur mit Kenntnissen und möglichst ohne Schmerzen
Republik Österreich – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) (2004): Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz – TSchG), BGBl. I Nr. 118/2004
Verbot der Tierquälerei und der Tötung ohne vernünftigen Grund
European Community, Canada, Russian Federation: Agreement on International Humane Trapping Standards between the European Community, Canada and the Russian Federation
Internationale Standards für humanes Fallenstellen: Fallen müssen schnell töten oder unversehrt festhalten