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Kanu am Kiesufer eines Bergsees, zwei Menschen in Decken und Schwimmwesten am Ufer

Ich bin gekentert oder ins kalte Wasser gefallen

Das Boot kippt, du liegst im kalten Wasser. Zuerst treiben lassen und atmen – dann beim Boot bleiben und Hilfe holen.

Zuerst

  1. Zuerst treiben lassen: auf den Rücken legen, Arme und Beine leicht ausbreiten, Kopf zurück – bis sich die Atmung nach etwa ein bis zwei Minuten beruhigt.
  2. Beim Boot bleiben und dich daran festhalten oder hinaufziehen. Ein Boot wird viel leichter gefunden als ein Kopf im Wasser.
  3. Nicht wild losschwimmen: Kaltes Wasser lähmt die Muskeln in wenigen Minuten. Nur schwimmen, wenn das Ufer wirklich nahe ist.
  4. Hilfe rufen: 112, auf See Notruf über UKW-Kanal 16 (MAYDAY). Pfeife und Licht nutzen.

Notruf wählen bei

  • Jemand ist im Wasser und kommt nicht sofort heraus
  • Jemand wird vermisst
  • Jemand war unter Wasser oder hat Wasser geschluckt bzw. eingeatmet
  • Atemnot, Husten oder Verwirrtheit in den Stunden danach
  • Anzeichen von Unterkühlung

Was gerade passiert

Ein Windstoß beim Segeln, eine Welle beim Kanufahren, ein Fehltritt vom Steg: Ins kalte Wasser zu fallen geht schnell. In Mitteleuropa sind Seen und Flüsse auch im Frühsommer oft kälter als 15 °C – kalt genug für einen heftigen Kälteschock.

In der ersten Minute schnappt der Körper unwillkürlich nach Luft, die Atmung rast und das Herz wird stark belastet. Wer jetzt panisch schwimmt, atmet leicht Wasser ein. Die britische Seenotrettung RNLI empfiehlt darum „Float to Live“: sich auf den Rücken legen, Arme und Beine ausbreiten und treiben lassen, bis sich die Atmung beruhigt hat.

Danach bleiben einige Minuten mit brauchbarer Kraft in Armen und Beinen. Diese Zeit sollte man nutzen, um sich am Boot festzuhalten, auf den Rumpf zu klettern oder einen nahen, sicheren Ausstieg zu erreichen. Lange Schwimmstrecken in kaltem Wasser überschätzen fast alle; ein gekentertes Boot schwimmt meist und ist für Retter gut sichtbar.

Auch wer wieder an Land ist, ist noch nicht außer Gefahr: nasse Kleidung und Wind kühlen weiter aus, und wer Wasser eingeatmet hat, kann später Atemprobleme bekommen.

Schritt für Schritt

Ich bin gekentert oder ins kalte Wasser gefallen – Phase 1 von 4Die erste Minute. Nicht kämpfen: auf den Rücken legen, Kopf zurück, Arme und Beine leicht ausbreiten, mit kleinen Bewegungen über Wasser halten. Langsam ausatmen, bis die Atmung ruhiger wird. Mit Schwimmweste: Die Weste trägt dich – auf die Atmung konzentrieren. Nach Mitfahrenden rufen und schauen, ob alle oben sind.
Phase 1 von 4

Phase 1 von 4

Die erste Minute

Nicht kämpfen: auf den Rücken legen, Kopf zurück, Arme und Beine leicht ausbreiten, mit kleinen Bewegungen über Wasser halten. Langsam ausatmen, bis die Atmung ruhiger wird. Mit Schwimmweste: Die Weste trägt dich – auf die Atmung konzentrieren. Nach Mitfahrenden rufen und schauen, ob alle oben sind.

Die Animation zeigt schematisch die wichtigsten Handlungen jeder Phase; maßgeblich ist der Text darunter.

  1. Phase 1

    Die erste Minute

    • Nicht kämpfen: auf den Rücken legen, Kopf zurück, Arme und Beine leicht ausbreiten, mit kleinen Bewegungen über Wasser halten.
    • Langsam ausatmen, bis die Atmung ruhiger wird.
    • Mit Schwimmweste: Die Weste trägt dich – auf die Atmung konzentrieren.
    • Nach Mitfahrenden rufen und schauen, ob alle oben sind.
  2. Phase 2

    Die nächsten Minuten

    • Beim Boot bleiben, dich festhalten oder auf den gekenterten Rumpf ziehen – möglichst viel Körper aus dem Wasser.
    • Wenn möglich, Hilfe rufen: 112 mit wasserdicht verpacktem Telefon, auf See UKW-Kanal 16 (MAYDAY) oder Notfunkbake auslösen.
    • Nur zum Ufer schwimmen, wenn es wirklich nah ist und das Boot nicht trägt; unterwegs auf dem Rücken treiben lassen, wenn die Kraft nachlässt.
    • In Flüssen: auf dem Rücken, Füße voran flussabwärts, Hindernisse mit den Füßen abwehren, schräg zum Ufer arbeiten. Nicht in schneller Strömung aufstehen.
    • Nie zwischen Boot und Felsen, Brückenpfeiler oder Baum geraten. Das Boot loslassen, wenn es dich gegen ein Hindernis drückt.
    • Mit Weste und ohne Ausstieg: HELP-Haltung (Knie an die Brust, Arme verschränkt) oder mit anderen eng zusammenrücken.
  3. Phase 3

    Raus aus dem Wasser

    • Sofort aus dem Wind, nasse Kleidung ausziehen oder auswringen, trockene Sachen anziehen.
    • Rettungsdecke, Schlafsack oder Decken umlegen, Mütze aufsetzen, auf etwas Isolierendes setzen.
    • Warme, süße Getränke ohne Alkohol, wenn die Person wach ist und schlucken kann.
    • Unterkühlte behutsam behandeln, nicht abrubbeln, nicht heiß baden.
    • Zählen, ob alle da sind – wer fehlt, sofort melden.
  4. Phase 4

    Danach

    • Wer untergetaucht war oder Wasser geschluckt hat, ärztlich untersuchen lassen.
    • In den folgenden Stunden auf Husten, Atemnot, Verwirrtheit oder Müdigkeit achten.
    • Das Boot erst bergen, wenn alle Menschen sicher und warm sind.
    • Ausrüstung und Tourenplanung überdenken: Weste, Neopren, Wetter, Wassertemperatur.

★ Profi-Tipps

Was Erfahrene anders machen: bewährtes Wissen aus Bergrettung, Feuerwehr, Wasserrettung und Zivilschutz, das Anfänger selten kennen.

  1. Für das Wasser anziehen, nicht für die Luft

    Im Frühjahr kann die Luft schon warm sein, während das Wasser noch eiskalt ist. Erfahrene Paddler und Segler wählen ihre Kleidung danach, was passiert, wenn sie hineinfallen. Neopren, Trockenanzug oder zumindest Wolle und Fleece statt Baumwolle.

  2. Kleidung im Wasser anlassen

    Ziehe im Wasser weder Jacke noch Schuhe aus. Kleidung hält eine Schicht Wasser und Luft am Körper, die etwas wärmt und Auftrieb gibt. Ausziehen kostet nur Kraft und Wärme.

  3. Nie am Boot festbinden

    Leinen, Paddelleinen oder Schlaufen am Körper können sich beim Kentern um Arme oder Beine wickeln – im Fluss lebensgefährlich. Lose Leinen gehören verstaut. Wildwasserpaddler tragen ein Messer griffbereit an der Schwimmweste, um sich notfalls freizuschneiden.

  4. Schwimmweste vorher im Wasser testen

    Eine zu locker sitzende Weste rutscht im Wasser nach oben bis über das Gesicht. Zieh alle Gurte fest und probiere sie einmal im flachen, warmen Wasser aus. So weißt du, wie du darin liegst, bevor es ernst wird.

Worauf du achten musst

  • Kälteschock

    Die erste Minute ist am gefährlichsten. Wer sich zuerst treiben lässt, statt zu kämpfen, gewinnt Zeit und Kontrolle.

  • Schwimmversagen

    Kaltes Wasser kühlt Muskeln und Nerven in Armen und Beinen schnell aus. Auch gute Schwimmer schaffen oft nur kurze Strecken.

  • Strömung und Hindernisse

    In Flüssen sind umgestürzte Bäume, Wehre und Brückenpfeiler lebensgefährlich – Wasser drückt durch sie hindurch und kann Menschen festhalten. Früh zum Ufer arbeiten und Hindernisse meiden.

  • Ablandiger Wind

    Wind vom Land aufs Wasser treibt Boote und Menschen schnell hinaus und macht das Zurückschwimmen schwer. Bei ablandigem Wind auf Seen und am Meer besonders vorsichtig sein.

  • Wind an Land

    Nasse Kleidung und Wind kühlen auch an Land schnell aus. Windschutz und trockene Kleidung haben sofort Vorrang.

  • Rettung von anderen

    Wer ins Wasser springt, um jemanden zu retten, gerät selbst in Lebensgefahr. Vom Ufer oder Boot aus reichen, werfen und Hilfe rufen.

Häufige Fehler

  • Ohne Schwimmweste aufs Wasser gehen, weil es „nur kurz“ ist.
  • Im kalten Wasser sofort losschwimmen.
  • Das Boot verlassen, um ein weit entferntes Ufer zu erreichen.
  • In schneller Strömung aufstehen.
  • Nach der Rettung in nasser Kleidung bleiben.
  • Wassertemperatur und Wetterbericht ignorieren.

Vorher vorbereiten

  • Immer eine passende Schwimmweste tragen, nicht nur an Bord haben.
  • Telefon in wasserdichter Hülle am Körper tragen, auf See eine Notfunkbake oder ein Handfunkgerät.
  • Bei kaltem Wasser Neopren- oder Trockenanzug in Betracht ziehen.
  • Wechselkleidung wasserdicht verpackt mitnehmen.
  • Kentern und Wiedereinsteigen unter Aufsicht und bei warmem Wasser üben.
  • Route, Rückkehrzeit und Anzahl der Personen an Land hinterlassen.

Besondere Rücksicht

Kinder
Kinder tragen immer eine passende Kinderweste mit Kragen und Schrittgurt. Im Wasser zuerst die Kinder sichern und am Boot festhalten.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Der Kälteschock belastet das Herz stark. Wer eine Herzerkrankung hat, sollte Kaltwasser-Aktivitäten ärztlich besprechen und besonders vorsichtig sein.

Quellen

  • Respect the Water – Float to Live · Royal National Lifeboat Institution (RNLI), UK
  • Cold water immersion: kill or cure? · Experimental Physiology (M. J. Tipton, N. Collier, H. Massey, J. Corbett, M. Harper), 2017
  • Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Treatment and Prevention of Drowning: 2019 Update · Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society), 2019
  • Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update · Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society), 2019
  • Convention on the International Regulations for Preventing Collisions at Sea, 1972 (COLREGs) – Annex IV: Distress signals · International Maritime Organization (IMO), 1972
  • 112 – the European emergency number · European Commission

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Grundlagen für diese Situation

Warum: Gilt immer für diese Situation – unabhängig von deinen Angaben.

Alle Regeln dieser Situation (6)
  1. [nicht aktiv] Wenn Gewässer = Fluss mit Strömung

    In der Strömung auf dem Rücken treiben, Füße voran flussabwärts, und schräg zum Ufer arbeiten. In schneller Strömung nicht aufstehen – Füße können sich zwischen Steinen verklemmen.

  2. [nicht aktiv] Wenn Gewässer = Meer

    Auf See: Notruf über UKW-Funk oder Notfunkbake auslösen, beim Boot bleiben, Signalmittel bereithalten.

  3. [nicht aktiv] Wenn Schwimmweste = Nein

    Ohne Weste alles nutzen, was schwimmt: Boot, Paddel, Kühlbox, Rucksack. Bewegung auf das Nötigste beschränken.

  4. [nicht aktiv] Wenn Schwimmweste = Ja

    Mit Weste: Knie anziehen, Arme vor der Brust verschränken (HELP-Haltung) – das verringert den Wärmeverlust.

  5. [nicht aktiv] Wenn Personen = Mehrere im Wasser

    Zusammenbleiben und sich eng aneinander festhalten (Huddle). Eine Gruppe ist wärmer, sichtbarer und hält sich gegenseitig ruhig.

  6. [nicht aktiv] Wenn Wo stehst du gerade? = Draußen, nass und kalt

    Aus dem Wind, nasse Kleidung gegen trockene tauschen oder auswringen, einpacken, Isolierung von unten. Die Körpertemperatur kann nach dem Herauskommen noch weiter sinken.