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Zwei Wanderer sitzen in der Dämmerung unter einer Rettungsdecke auf einem Stein am Bergweg

Ich schaffe es vor der Nacht nicht mehr zurück: weitergehen oder draußen bleiben?

Die Sonne ist weg, der Weg ist noch lang und du hast keine Stirnlampe. Jetzt zählt eine ruhige Entscheidung: vorsichtig weiter oder sicher warten.

Zuerst

  1. Rechtzeitig anhalten und entscheiden, solange es noch hell genug ist: Kenne ich den Weg sicher? Ist er breit und ungefährlich? Wie lange noch?
  2. Ist der Weg steil, ausgesetzt, unmarkiert oder unbekannt: nicht im Dunkeln weitergehen. Ein sicheres Notbiwak ist besser als ein Sturz.
  3. Handy-Akku schützen: Helligkeit herunter, Flugmodus zwischen Navigation und Anrufen, Taschenlampe nur kurz und gezielt nutzen.
  4. Jemandem Bescheid geben, wo du bist und was du vorhast. Bei Gefahr, Verletzung oder Kälte: Notruf 112, in Österreich im Gebirge auch 140.

Notruf wählen bei

  • Du kommst ohne Gefahr weder vor noch zurück
  • Jemand ist verletzt, erschöpft oder friert stark
  • Das Wetter verschlechtert sich (Gewitter, Regen, Schnee)
  • Du hast dich verirrt und weißt nicht mehr, wo du bist
  • Jemand aus der Gruppe fehlt

Was gerade passiert

Die Tour hat länger gedauert, die Pause war zu gemütlich oder du hast dich verschätzt: Die Sonne geht unter, und bis zum Auto oder zur Hütte ist es noch weit. Im Wald und in Tälern wird es oft schon deutlich vor dem offiziellen Sonnenuntergang dämmrig, im Herbst geht das besonders schnell.

Die Dunkelheit selbst ist nicht gefährlich. Gefährlich sind Stürze, das Verlaufen an Abzweigungen und das Auskühlen, wenn man stehen bleiben muss. Viele Bergrettungseinsätze betreffen unverletzte Menschen, die in der Dunkelheit nicht mehr weiterkonnten – oft hätte eine einfache Stirnlampe gereicht.

Die wichtigste Entscheidung fällt, solange es noch etwas hell ist: Kennst du den Weg sicher, ist er breit und ohne Absturzgefahr, kannst du langsam weitergehen. Ist er steil, felsig, unmarkiert oder unbekannt, ist ein Notbiwak meist die sicherere Wahl. Eine Nacht draußen ist unangenehm, aber mit warmer Kleidung und Isolierung vom Boden gut zu überstehen.

Das Handy ist jetzt dein wertvollstes Werkzeug – für Karte, Licht und Notruf. Der Akku muss vor allem für den Notruf reichen.

Schritt für Schritt

Ich schaffe es vor der Nacht nicht mehr zurück: weitergehen oder draußen bleiben? – Phase 1 von 3Noch hell: entscheiden. Anhalten, hinsetzen, kurz etwas trinken und essen. Die STOP-Regel hilft gegen Hektik. Auf der Karte oder App prüfen: Wo bin ich? Wie weit noch? Wie ist der Weg? Gibt es eine nähere Hütte, Straße oder einen einfacheren Abstieg? Mit der Hand abschätzen, wie lange die Sonne noch über dem Horizont steht, und bedenken, dass es im Wald früher dunkel wird. Entscheiden: weitergehen nur auf bekanntem, breitem und ungefährlichem Weg. Sonst jetzt – im letzten Licht – einen Biwakplatz suchen. Jemandem Bescheid geben: wo du bist, was du vorhast, wann du dich wieder meldest.
Phase 1 von 3

Phase 1 von 3

Noch hell: entscheiden

Anhalten, hinsetzen, kurz etwas trinken und essen. Die STOP-Regel hilft gegen Hektik. Auf der Karte oder App prüfen: Wo bin ich? Wie weit noch? Wie ist der Weg? Gibt es eine nähere Hütte, Straße oder einen einfacheren Abstieg? Mit der Hand abschätzen, wie lange die Sonne noch über dem Horizont steht, und bedenken, dass es im Wald früher dunkel wird. Entscheiden: weitergehen nur auf bekanntem, breitem und ungefährlichem Weg. Sonst jetzt – im letzten Licht – einen Biwakplatz suchen. Jemandem Bescheid geben: wo du bist, was du vorhast, wann du dich wieder meldest.

Die Animation zeigt schematisch die wichtigsten Handlungen jeder Phase; maßgeblich ist der Text darunter.

  1. Phase 1

    Noch hell: entscheiden

    • Anhalten, hinsetzen, kurz etwas trinken und essen. Die STOP-Regel hilft gegen Hektik.
    • Auf der Karte oder App prüfen: Wo bin ich? Wie weit noch? Wie ist der Weg? Gibt es eine nähere Hütte, Straße oder einen einfacheren Abstieg?
    • Mit der Hand abschätzen, wie lange die Sonne noch über dem Horizont steht, und bedenken, dass es im Wald früher dunkel wird.
    • Entscheiden: weitergehen nur auf bekanntem, breitem und ungefährlichem Weg. Sonst jetzt – im letzten Licht – einen Biwakplatz suchen.
    • Jemandem Bescheid geben: wo du bist, was du vorhast, wann du dich wieder meldest.
  2. Phase 2

    Wenn du weitergehst

    • Langsam gehen, kleine Schritte, Hände frei. Stöcke helfen, den Boden zu ertasten.
    • Licht nur gezielt nutzen: an Abzweigungen, Stufen, Wurzeln und Bachquerungen. Dazwischen lassen sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen.
    • Markierungen und Abzweigungen genau prüfen. Bist du unsicher, ob du noch richtig bist: stehen bleiben, nicht raten.
    • In der Gruppe eng zusammenbleiben, regelmäßig durchzählen.
    • Wird der Weg schwieriger als gedacht, umdrehen oder anhalten – nicht „noch schnell“ weiter.
  3. Phase 3

    Wenn du bleibst: die Nacht

    • Einen ebenen Platz abseits von Abbruchkanten, Rinnen und Bächen suchen, möglichst windgeschützt.
    • Alles anziehen, bevor du frierst. Auf Rucksack, Seil, Äste oder Laub setzen – der Boden zieht die meiste Wärme.
    • Rettungsdecke oder Biwaksack um dich wickeln, Kapuze oder Mütze auf. In der Gruppe eng zusammenrücken.
    • Handy warm am Körper tragen, Flugmodus an, nur zu vereinbarten Zeiten einschalten.
    • Starkes Zittern, Verwirrtheit, eine Verletzung oder ein aufziehendes Gewitter: sofort 112 rufen, nicht bis zum Morgen warten.
    • Beim ersten Licht weitergehen, nicht vorher. Hört ihr Suchende oder einen Hubschrauber: mit Licht blinken, rufen, pfeifen.
    • Ohne Netz: das alpine Notsignal geben – sechs Pfiffe oder Lichtzeichen pro Minute, dann eine Minute Pause. Einem Hubschrauber mit beiden Armen schräg nach oben (Y) zeigen, dass ihr Hilfe braucht.

★ Profi-Tipps

Was Erfahrene anders machen: bewährtes Wissen aus Bergrettung, Feuerwehr, Wasserrettung und Zivilschutz, das Anfänger selten kennen.

  1. Eine Akkugrenze für das Licht festlegen

    Leg vorher fest, ab welchem Akkustand die Taschenlampe ausbleibt, zum Beispiel bei der Hälfte. Den Rest hebst du für Notruf, Ortung und Rückmeldungen auf. Eine feste Grenze verhindert, dass du „nur noch kurz“ leuchtest, bis der Akku leer ist.

  2. Ein leerer Akku in der Kälte ist oft nur kalt

    Handy-Akkus geben bei Kälte weniger Leistung ab, und das Handy schaltet sich manchmal einfach aus. Steck es dann für eine Weile in eine Innentasche nah am Körper. Wenn es wieder warm ist, geht es oft wieder an.

  3. Nicht direkt auf den Hubschrauber leuchten

    Mach mit Licht auf dich aufmerksam, wenn der Hubschrauber noch sucht. Sobald er auf dich zufliegt, richte die Lampe aber nicht mehr direkt auf das Cockpit. Nachts fliegen Piloten oft mit Nachtsichtgeräten, und helles Licht kann sie blenden. Leuchte dann lieber auf den Boden neben dir.

  4. Eine Lampe für zwei: dicht hintereinander

    Habt ihr nur ein Licht, geht die Person mit der Lampe direkt hinter der anderen und leuchtet auf den Boden zwischen euch beiden. So sehen beide, wohin sie treten. Leuchtet die vordere Person nach vorn, steht die hintere im eigenen Schatten.

Worauf du achten musst

  • Abkürzungen im Dunkeln

    Wer im Dunkeln den Weg verlässt, um abzukürzen, landet oft in steilem Gelände, an Abbrüchen oder im Dickicht. Auf dem markierten Weg bleiben, auch wenn er länger ist.

  • Leerer Akku

    Die Taschenlampen-Funktion, Navigation und Kälte leeren den Akku schnell. Ohne Akku kein Notruf. Rechtzeitig umschalten: Licht sparen, Notruf sichern.

  • Auskühlen beim Warten

    Nach dem Gehen ist man verschwitzt. Sobald man stillsteht, kühlt man schnell aus – auch im Sommer, besonders im Gebirge. Trockene Schicht anziehen, Isolierung unter den Körper.

  • Luft im Biwaksack

    Biwak- und Gruppensäcke sind oft luftdicht. Eine Öffnung frei halten, regelmäßig lüften und darin niemals einen Kocher oder eine Kerze betreiben.

  • Bäche und nasse Felsen

    Bachquerungen und nasse Steine sind im Dunkeln besonders tückisch. Lieber vor der Querung warten, als im Dunkeln auszurutschen.

Häufige Fehler

  • Die Entscheidung so lange aufschieben, bis es ganz dunkel ist.
  • Mit der Handy-Lampe weitergehen, bis der Akku leer ist.
  • Abkürzungen nehmen oder den Weg verlassen.
  • Sich hinsetzen, ohne zuerst warme Kleidung anzuziehen und eine Unterlage zu suchen.
  • Sich als Gruppe trennen, weil die Schnelleren vorausgehen.
  • Aus Scham keine Hilfe rufen, obwohl es gefährlich wird.

Vorher vorbereiten

  • Immer eine Stirnlampe mit vollen Batterien mitnehmen – auch auf kurzen Touren. Sie wiegt fast nichts.
  • Eine kleine Powerbank und ein Kabel einpacken.
  • Vor der Tour die Zeit des Sonnenuntergangs nachsehen und einen Umkehrzeitpunkt festlegen.
  • Eine warme Schicht, Mütze und Rettungsdecke gehören immer in den Rucksack.
  • Offline-Karten laden und Route bei einer Vertrauensperson hinterlassen.
  • Im Herbst und Winter Touren deutlich kürzer planen.

Besondere Rücksicht

Mit Kindern
Kinder spüren deine Stimmung. Erkläre ruhig: „Wir machen jetzt ein Abenteuer und warten, bis es hell wird“ oder „Wir gehen ganz langsam, Hand in Hand.“ Gib ihnen eine Aufgabe, zum Beispiel das Licht halten oder Sterne zählen, und zieh ihnen die wärmsten Sachen an.

Quellen

  • FM 3-05.70 Survival · Headquarters, Department of the Army (USA), 2002
  • Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition · The Mountaineers Books, 2017
  • Wege und Markierungen – Informationen des Alpenvereins zu Bergwegen und Wegemarkierung (Organisationswebsite) · Österreichischer Alpenverein
  • Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Out-of-Hospital Evaluation and Treatment of Accidental Hypothermia: 2019 Update · Wilderness & Environmental Medicine (Wilderness Medical Society), 2019
  • International Commission for Alpine Rescue (ICAR) – recommendations and information (organisation website) · ICAR – International Commission for Alpine Rescue
  • 112 – the European emergency number · European Commission
  • Notrufnummern (oesterreich.gv.at) · Bundesministerium für Finanzen – Amtshelfer oesterreich.gv.at
  • Astronomical Applications Department – sun and moon data, phases of the moon · U.S. Naval Observatory

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Grundlagen für diese Situation

Warum: Gilt immer für diese Situation – unabhängig von deinen Angaben.

Alle Regeln dieser Situation (7)
  1. [nicht aktiv] Wenn Weg bis zum Ziel = Breiter, bekannter Weg oder Forststraße

    Auf breiten, bekannten Wegen ist langsames Weitergehen oft vertretbar: kurze Lichtphasen, kleine Schritte, Abzweigungen genau prüfen. Bei Unsicherheit lieber stehen bleiben.

  2. [nicht aktiv] Wenn Weg bis zum Ziel = Steil, felsig, unmarkiert oder unbekannt

    In steilem oder unbekanntem Gelände ist der Sturz die größte Gefahr. Einen ebenen, geschützten Platz abseits von Abbruchkanten suchen und dort die Nacht abwarten oder auf Hilfe warten.

  3. [nicht aktiv] Wenn Licht = Nur das Handy

    Das Handy ist jetzt Lampe, Karte und Notruf zugleich. Der Notruf hat Vorrang: Unter etwa einem Drittel Akku nicht mehr als Taschenlampe verwenden, sondern für Hilfe reservieren.

  4. [nicht aktiv] Wenn Licht = Gar kein Licht

    Ganz ohne Licht nur auf breiten, ebenen Wegen und bei hellem Mondlicht weitergehen. Sonst anhalten, warm einpacken und mit Pfeife oder Rufen auf dich aufmerksam machen, falls jemand sucht.

  5. [nicht aktiv] Wenn Wetter = Kalt, nass oder windig

    Kälte und Nässe sind nachts die zweite große Gefahr. Sofort alle Schichten anziehen, bevor du frierst, auf Rucksack oder Ästen sitzen und dich vor Wind schützen.

  6. [nicht aktiv] Wenn Wer ist dabei? = Gruppe

    Zusammenbleiben, das langsamste Mitglied geht vorne, alle Lichter teilen sich die Arbeit: ein Licht vorne, eines hinten, die anderen sparen. Biwakiert ihr, rückt eng zusammen.

  7. [nicht aktiv] Wenn Wer ist dabei? = Mit Kindern

    Kinder an die Hand nehmen, ruhig erklären, was passiert, und aus dem Warten ein kleines Abenteuer machen: Sterne zählen, Geräusche raten. Kinder kühlen schneller aus – sie bekommen die wärmsten Sachen.