In der Rettungsinsel: was in den ersten Stunden zählt
Muss ein Schiff oder Boot verlassen werden, ist die Rettungsinsel der sicherste Ort – sicherer als im Wasser und oft sogar sicherer als ein sinkendes Boot. Die ersten Stunden entscheiden: wegkommen vom Wrack, alle zusammen, die Insel trocken und stabil machen, Seekrankheit vermeiden, Notsignale vorbereiten. Hier lernst du die Reihenfolge, die Seeleute in Kursen üben – und warum Meerwasser nie getrunken wird.
- Erste Stunden nach dem Verlassen des Schiffs

Einfach erklärt
Eine Rettungsinsel ist ein aufblasbares Boot mit Dach, das auf Schiffen und Segelbooten mitfährt. Wenn das Schiff sinkt, ist sie der sicherste Ort.
In den ersten Stunden ist eine feste Reihenfolge wichtig: Notruf, einsteigen, vom sinkenden Boot wegkommen, alle zusammen, Treibanker raus, trocken machen.
Meerwasser trinkt man nie, weil das Salz den Körper noch durstiger macht. Gegen Seekrankheit nehmen alle sofort Tabletten.
Wie es funktioniert
Die Insel bläst sich mit einer Gasflasche selbst auf, wenn man an der Leine zieht. Ihre Luftkammern machen sie fast unsinkbar, das Dach schützt vor Wind, Sonne und Spritzwasser.
Der Treibanker ist ein kleiner Stoffschirm im Wasser. Er bremst die Insel, hält sie stabil gegen die Wellen und sorgt dafür, dass sie nahe am Unglücksort bleibt, wo die Retter zuerst suchen.
Worauf es ankommt
Nicht zu früh aussteigen: Solange das Boot sicher schwimmt, ist es der bessere Ort.
Zusammenbleiben: Menschen und Inseln, die zusammen sind, findet man leichter.
Notsignale klug nutzen: Die Notfunkbake läuft die ganze Zeit, Signalraketen nur, wenn Retter in Sicht sind.
Sicherheit: darauf musst du achten
Kein Meerwasser, kein Urin – nur Notvorrat, Regen oder Entsalzer.
Unterkühlung: Boden trocken halten, eng zusammensitzen, Öffnungen schließen.
Ein Sicherheitstraining mit Rettungsinsel im Schwimmbad ist für alle, die segeln, sehr zu empfehlen.
Schritt für Schritt
Notruf vor dem Verlassen
Solange es geht: Notruf über Funk (Mayday), Position durchgeben, Notfunkbake einschalten. Warme Kleidung, Rettungsweste, Wasser und Seekrankheitstabletten mitnehmen.
- 1
Notruf vor dem Verlassen
Solange es geht: Notruf über Funk (Mayday), Position durchgeben, Notfunkbake einschalten. Warme Kleidung, Rettungsweste, Wasser und Seekrankheitstabletten mitnehmen.
- 2
In die Insel steigen
Steig möglichst trocken direkt vom Boot in die Insel. Wer im Wasser ist, wird an der Einstiegsleiter von zwei Personen an der Weste hereingezogen, mit dem Rücken zur Insel.
- 3
Leine kappen und weg
Kapp die Verbindungsleine mit dem Messer aus der Insel, sobald alle drin sind, und paddle vom sinkenden Boot weg – es kann die Insel mit hinunterziehen oder beschädigen.
Erst kappen, wenn alle an Bord sind.
- 4
Andere einsammeln
Such nach weiteren Menschen und Rettungsinseln. Mehrere Inseln binden sich mit Leinen aneinander – das ist für Retter besser sichtbar.
- 5
Treibanker ausbringen
Wirf den Treibanker aus. Er stabilisiert die Insel und bremst das Abtreiben vom Unglücksort.
- 6
Trocken und warm machen
Schöpf das Wasser aus, wisch den Boden trocken, blas den Boden auf, schließ die Öffnungen bis auf einen Spalt zum Lüften. Rückt eng zusammen.
- 7
Gegen Seekrankheit
Alle nehmen sofort Tabletten gegen Seekrankheit, auch wer sich gut fühlt. Erbrechen kostet viel Wasser.
- 8
Wache, Wasser, Signale
Teilt Wachen ein, prüft die Notausrüstung, legt Signalmittel griffbereit. Wasser aus dem Notvorrat gerecht einteilen, Regen auffangen. Ruhe bewahren und Mut machen.
Häufige Fehler
- Das Boot zu früh verlassen
- Meerwasser trinken
- Alle Signalraketen auf einmal abschießen
- Leine nicht kappen
- Seekrankheitstabletten zu spät nehmen
Kurzüberblick
Material
Rettungsweste / Schwimmweste
Immer tragen, auch in der Insel
Größe und Auftrieb müssen zum Körpergewicht passen; Kinder brauchen Kinderwesten. Herstellerangaben und Prüfintervalle beachten.
Persönliches Notfunkbake (PLB)
Oder die EPIRB des Schiffs
Registrierung nach den Regeln des Landes vornehmen und aktuell halten.
Nur in echter Not auslösen; Batterie- und Ablaufdatum beachten.
UKW-Seefunkgerät
Wasserdichtes Handfunkgerät
Für den Betrieb sind in vielen Ländern Funkzeugnis und Lizenz nötig – lokale Regeln prüfen.
Treibanker der Rettungsinsel
Ist in der Insel verstaut
Leine kann sich um Arme und Beine wickeln – Abstand halten.
Signalspiegel
Nicht in die Augen von Personen in der Nähe oder von Fahrzeugführenden blenden.
Glasspiegel können brechen – Schnittgefahr.
Geeignet für
- Segel- und Motorboote mit Rettungsinsel
- Fähren und Schiffe
- Kenterung auf offenem Meer
Ungeeignet für
- Das Boot verlassen, solange es noch sicher schwimmt
- Ohne Anweisung der Besatzung auf großen Schiffen
Voraussetzungen
- Sicherheitseinweisung an Bord
- Rettungsweste angelegt
- Wissen, wo die Insel und die Notfunkbake sind
Sicherheit
- Die Notfunkbake sofort einschalten und mit freier Sicht zum Himmel befestigen. Signalraketen und Rauchsignale erst einsetzen, wenn ein Schiff, Flugzeug oder Hubschrauber in Sicht ist – sie sind begrenzt.
So funktioniert es
Eine Rettungsinsel ist kleiner als das Boot, aber kaum zu versenken. Der Treibanker hält sie quer zu Wind und Wellen stabil und lässt sie weniger weit vom Unglücksort wegtreiben – dort sucht die Rettung zuerst. Ein trockener Boden und geschlossene Öffnungen schützen vor Unterkühlung, und Tabletten gegen Seekrankheit verhindern, dass Menschen durch Erbrechen schnell Wasser verlieren.
Vorteile
- Klare Reihenfolge in einer chaotischen Lage
- Erhöht die Überlebenschance stark
Nachteile
- Im Ernstfall extrem belastend
- Ohne Kurs schwer zu üben
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Nach dem Untergang der Titanic wurden 1914 die ersten internationalen Regeln für Rettungsmittel auf Schiffen beschlossen; heute regelt das SOLAS-Übereinkommen, dass für alle an Bord Platz in Rettungsbooten oder -inseln sein muss.
Segler lernen den Umgang mit der Rettungsinsel in Sicherheitstrainings im Schwimmbad – eine Erfahrung, die viele als die wichtigste ihrer Ausbildung beschreiben.
Varianten
- Gekenterte Insel
- Liegt die Insel kopfüber, stellst du dich auf die Gasflasche, greifst die Aufrichtleine und lehnst dich mit dem Wind im Rücken zurück. Übe das in einem Kurs.
- Auf großen Schiffen
- Auf Fähren und Kreuzfahrtschiffen folgst du den Anweisungen der Besatzung zur Sammelstelle. Die Besatzung setzt Rettungsboote und Inseln aus.
Häufige Fehler
- Das Boot zu früh verlassen
- Meerwasser trinken
- Alle Signalraketen auf einmal abschießen
- Leine nicht kappen
- Seekrankheitstabletten zu spät nehmen
Grenzen und Risiken
- Kein Ersatz für ein Sicherheitstraining
- Ausrüstung je nach Insel verschieden
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Signalspiegel
- Rettungsdecke (Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.), Warnweste (Griffbereit im Innenraum aufbewahren, nicht im Kofferraum.), Warndreieck (Ob Warndreiecke vorgeschrieben oder auf bestimmten Straßen (z. B. Autobahnen) überhaupt aufgestellt werden sollen, unterscheidet sich je nach Land – örtliche Regeln prüfen.), Aluminiumfolie (kräftig) (Scharfe Kanten möglich; leitet Wärme und Strom.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen (4)
- International Maritime Organization (IMO) (1974): International Convention for the Safety of Life at Sea (SOLAS), 1974, as amended · Rettungsmittel, Rettungsinseln und Musterung auf Schiffen
- U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA): Search and Rescue Satellite Aided Tracking (SARSAT) – beacon information and registration · Notfunkbaken (EPIRB/PLB) alarmieren über Satellit die Rettungsdienste
- Royal National Lifeboat Institution (RNLI), UK: Respect the Water – Float to Live · Rettungsweste, Notruf und Verhalten in Seenot
- Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival · Überleben auf See: Rettungsinsel, Treibanker, Seekrankheit, kein Meerwasser























