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Technik

Vergiftung: Notruf oder Giftinformation

Bei Bewusstseinsstörung, Atemnot, Krampfanfall oder starken Beschwerden nach einer möglichen Vergiftung sofort Notruf wählen (in der EU 112, in Österreich auch 144). Geht es der Person gut, die Giftinformation anrufen – in Österreich die Vergiftungsinformationszentrale (01 406 43 43, rund um die Uhr), in Deutschland einen der regionalen Giftnotrufe, zum Beispiel den Giftnotruf Berlin (030 19240). Verpackung und Reste aufheben, kein Erbrechen auslösen, keine Milch und kein Salzwasser geben. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.

Schwierigkeit
Einsteiger
Aufwand
Sofort; Anruf wenige Minuten
Risikostufe
Notfallkritisch
Fehler melden

Einfach erklärt

Kleine Kinder stecken alles in den Mund – Tabletten, Putzmittel, Pflanzenblätter. Aber auch Erwachsene verwechseln manchmal Flaschen. Dann ist die wichtigste Frage: Wie geht es der Person?

Ist sie schläfrig, verwirrt, bekommt sie schlecht Luft oder krampft sie, wählst du sofort den Notruf (in der EU 112, in Österreich auch 144). Geht es ihr gut, rufst du die Giftinformation an. In Österreich ist das die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43, Tag und Nacht. In Deutschland gibt es mehrere Giftnotrufe, zum Beispiel in Berlin unter 030 19240. Dort sagen dir Fachleute, was zu tun ist.

Bitte nicht zum Erbrechen bringen und keine Milch oder Salzwasser geben. Die Verpackung hebst du auf, damit die Fachleute wissen, worum es geht. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.

Wie es funktioniert

Ob etwas giftig ist, hängt davon ab, was es ist, wie viel davon aufgenommen wurde, wie es in den Körper gelangt ist und wer betroffen ist. Für ein kleines Kind kann eine Menge gefährlich sein, die für einen Erwachsenen harmlos ist – und umgekehrt sind viele Dinge in kleinen Mengen ungefährlich.

Giftinformationszentralen haben genau dieses Wissen. Sie fragen gezielt nach und sagen dann, ob du abwarten kannst, ob ein Arzt nötig ist oder ob der Rettungsdienst kommen muss. Hausmittel wie Erbrechen, Milch oder Salzwasser können schaden – zum Beispiel bei ätzenden Stoffen oder Mitteln, die schäumen.

Worauf es ankommt

Halte diese Angaben bereit: Was wurde aufgenommen (Produktname, Pflanze, Medikament)? Wie viel ungefähr? Wann? Wie alt ist die Person und wie schwer ungefähr? Welche Beschwerden hat sie? Verpackung, Beipackzettel oder Pflanzenteile aufheben und mitgeben.

Bei Gas – etwa Kohlenmonoxid oder Rauch – gilt Eigenschutz: nicht in den Raum gehen, Abstand halten, Notruf. Bei Chemikalien auf Haut oder im Auge mit viel Wasser spülen, dabei Handschuhe tragen.

Sicherheit und Grenzen

Dieser Text nennt keine Gegenmittel und keine Medikamente; auch Aktivkohle gibt man nur, wenn die Giftinformation oder ein Arzt es sagt. Pilze und Pflanzen werden hier nicht bestimmt.

Telefonnummern können sich ändern. Such die Nummer der Giftinformation für dein Land oder dein Bundesland vorher heraus und leg sie zu den Notrufnummern. In der Schweiz erreichst du Tox Info Suisse unter 145; auf Reisen die Nummer des Reiselandes heraussuchen.

Vorbeugen

Medikamente, Putzmittel, Lampenöl und Chemikalien gehören in die Originalverpackung und außer Reichweite von Kindern – nie in Getränkeflaschen umfüllen. Kohlenmonoxid-Melder schützen vor einem unsichtbaren Gift.

Wenn kleine Kinder im Haus sind, lohnt ein Blick auf Pflanzen in Wohnung und Garten. Im Erste-Hilfe-Kurs lernst du, Bewusstlose richtig zu lagern, falls es doch einmal ernst wird.

Schritt für Schritt

Vergiftung: Notruf oder Giftinformation

Schritt 1 von 6

Eigenschutz

Bei Gasverdacht nicht in den Raum gehen; bei Chemikalien Handschuhe tragen. Giftige Reste aus der Reichweite von Kindern bringen.

  1. 1

    Eigenschutz

    Bei Gasverdacht nicht in den Raum gehen; bei Chemikalien Handschuhe tragen. Giftige Reste aus der Reichweite von Kindern bringen.

  2. 2

    Zustand prüfen

    Ist die Person wach und ansprechbar, atmet sie normal? Bei Bewusstseinsstörung, Atemnot, Krampfanfall oder starken Beschwerden sofort Notruf wählen.

  3. 3

    Giftinformation anrufen

    Geht es der Person gut, die Giftinformation anrufen (Österreich 01 406 43 43, Deutschland zum Beispiel Giftnotruf Berlin 030 19240, Schweiz 145) und deren Anweisungen befolgen.

  4. 4

    Angaben bereithalten

    Was wurde aufgenommen (Produktname, Pflanze, Medikament)? Wie viel ungefähr? Wann? Alter und ungefähres Gewicht der Person? Welche Beschwerden?

  5. 5

    Verpackung und Reste mitnehmen

    Verpackung, Beipackzettel, Pflanzenteile oder Reste aufheben und dem Rettungsdienst oder in die Klinik mitgeben.

  6. 6

    Betreuen

    Kein Erbrechen auslösen, nichts zu trinken geben, außer die Giftinformation rät es. Bei der Person bleiben. Wird sie bewusstlos und atmet normal: stabile Seitenlage. Atmet sie nicht normal: Wiederbelebung nach Anleitung der Leitstelle.

Für diese Technik ist noch kein geprüftes Video verfügbar.

Häufige Fehler

  • Erbrechen auslösen
  • Milch oder Salzwasser geben
  • Abwarten, obwohl die Person schläfrig oder verwirrt wird
  • Verpackung wegwerfen
  • In einen Raum mit Gasverdacht gehen

Kurzüberblick

Material

  • Mobiltelefon

    Für Notruf oder Giftinformation

    Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.

    Nicht als einziges Navigations- oder Notrufmittel einplanen.

  • Einmalhandschuhe(optional)

    Bei Chemikalien auf Haut oder Kleidung

    Latexallergien beachten – latexfreie Handschuhe (z. B. Nitril) bevorzugen.

Geeignet für

  • Verschluckte Haushaltsmittel, Medikamente, Pflanzenteile oder Pilze
  • Kinder, die etwas Unbekanntes in den Mund genommen haben

Ungeeignet für

  • Abwarten bei Bewusstseinsstörung oder Atemnot – das ist ein Notfall
  • Hausmittel oder Medikamente „gegen das Gift“ ohne Rat der Giftinformation

Voraussetzungen

  • Die Nummer der Giftinformation des eigenen Landes kennen oder griffbereit haben
  • Eigenschutz bei Gasen und Chemikalien

Sicherheit

  • Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Erste Hilfe lernt man durch praktisches Üben unter Anleitung. Im Notfall immer professionelle Hilfe rufen – über die lokale Notrufnummer (in der EU 112) – und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
  • Kein Erbrechen auslösen, keine Milch, kein Salzwasser und keine Hausmittel geben. Erbrechen kann bei ätzenden Stoffen, Schaumbildnern oder Lösungsmitteln zusätzlichen Schaden anrichten.
  • Giftinformation: Österreich – Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43 (24 Stunden). Deutschland – regionale Giftnotrufe, zum Beispiel Giftnotruf Berlin 030 19240; die Nummer des eigenen Bundeslandes vorher heraussuchen. Schweiz – Tox Info Suisse 145. In anderen Ländern die Nummer vor der Reise heraussuchen.

So funktioniert es

Ob ein Stoff gefährlich ist, hängt davon ab, was es ist, wie viel aufgenommen wurde, auf welchem Weg und wer betroffen ist – ein kleines Kind reagiert anders als ein Erwachsener. Das können Laien kaum einschätzen. Die Giftinformationszentralen sind darauf spezialisiert und sagen, ob abgewartet werden kann, ob ärztliche Hilfe nötig ist oder ob der Rettungsdienst kommen muss. Wichtig sind deshalb genaue Angaben. Gut gemeinte Hausmittel wie Erbrechen, Milch oder Salzwasser helfen nicht und können schaden.

Vorteile

  • Fachliche Einschätzung am Telefon, oft ohne Fahrt in die Klinik
  • Vermeidet schädliche Hausmittel

Nachteile

  • In Deutschland gibt es keine einheitliche bundesweite Nummer
  • Genaue Angaben fehlen oft, etwa bei Pilzen oder Pflanzen

Hintergrundwissen

Fachlicher Hintergrund

Die ERC-Leitlinien zur Ersten Hilfe raten Laien bei Vergiftungen, keine Gegenmittel zu geben und kein Erbrechen auszulösen, sondern eine Giftinformationszentrale oder den Rettungsdienst zu kontaktieren. In Österreich ist die Vergiftungsinformationszentrale rund um die Uhr unter 01 406 43 43 erreichbar. In Deutschland gibt es mehrere regionale Giftinformationszentren, zum Beispiel den Giftnotruf Berlin unter 030 19240. In der Schweiz erreicht man Tox Info Suisse unter 145.

Bei kleinen Kindern sind Vergiftungen oft gar keine: Viele Stoffe sind in kleinen Mengen ungefährlich. Genau das kann die Giftinformation schnell klären und so unnötige Aufregung und Klinikfahrten ersparen.

Varianten

Gift auf Haut oder im Auge
Mit Handschuhen verschmutzte Kleidung entfernen und die Haut mit viel Wasser spülen. Spritzer im Auge ausgiebig mit Wasser ausspülen und dabei das andere Auge schützen. Danach Giftinformation oder Notruf.
Vorbeugen, besonders bei Kindern
Medikamente, Putzmittel, Lampenöl und Chemikalien in Originalverpackung und für Kinder unerreichbar aufbewahren, nie in Getränkeflaschen umfüllen. Die Nummer der Giftinformation zu den Notrufnummern legen.

Häufige Fehler

  • Erbrechen auslösen
  • Milch oder Salzwasser geben
  • Abwarten, obwohl die Person schläfrig oder verwirrt wird
  • Verpackung wegwerfen
  • In einen Raum mit Gasverdacht gehen

Grenzen und Risiken

  • Ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs
  • Keine Gegenmittel, keine Medikamente, keine Aktivkohle ohne fachlichen Rat
  • Telefonnummern können sich ändern – vor dem Notfall prüfen
  • Keine Pilz- oder Pflanzenbestimmung

Materialalternativen

Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.

Mobiltelefon
Stirnlampe / Taschenlampe, Batterie-Laterne / LED-Leuchte

Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.

Quellen

  1. [1]

    European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid

    Bei Vergiftung kein Erbrechen auslösen, keine Gegenmittel; Giftinformation oder Rettungsdienst kontaktieren

  2. [2]

    Gesundheit Österreich GmbH: Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) – Notruf 01 406 43 43

    Vergiftungsinformationszentrale Österreich, 24-Stunden-Notruf

  3. [3]

    Charité – Universitätsmedizin Berlin: Giftnotruf Berlin – 030 19240

    Giftnotruf Berlin als Beispiel für die regionalen Giftnotrufe in Deutschland

  4. [4]

    Tox Info Suisse: Tox Info Suisse – Notrufnummer 145

    Notrufnummer 145 in der Schweiz

Rev. 1 · Aktualisiert 2026-10-10