Zum Inhalt springen
Im NotfallÖsterreichNotrufnummern →
SurviveBetter
Technik

Krampfanfall: schützen, nicht festhalten

Bei einem Krampfanfall die Umgebung sichern, den Kopf weich unterpolstern, die Person nicht festhalten und nichts in den Mund stecken. Die Dauer messen. Nach dem Anfall die Atmung prüfen: Reagiert die Person nicht, atmet aber normal, in die stabile Seitenlage bringen. Notruf (in der EU 112) immer beim ersten Anfall, wenn er länger als 5 Minuten dauert, bei Verletzungen, im Wasser, in der Schwangerschaft oder wenn die Person nicht wieder zu sich kommt. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.

Schwierigkeit
Grundkenntnisse
Aufwand
Während des Anfalls und bis die Person wieder klar ist
Risikostufe
Notfallkritisch
Fehler melden

Einfach erklärt

Bei einem Krampfanfall fällt ein Mensch oft plötzlich um, wird steif und zuckt mit Armen und Beinen. Das sieht erschreckend aus. Meistens hört es aber nach kurzer Zeit von selbst auf.

Du kannst den Anfall nicht stoppen – aber du kannst die Person schützen. Räum harte Sachen weg, leg etwas Weiches unter den Kopf und schau auf die Uhr. Halte die Person nicht fest und steck ihr nichts in den Mund. Wenn das Zucken aufgehört hat, prüfst du die Atmung. Atmet sie normal, reagiert aber nicht, kommt sie in die stabile Seitenlage.

Den Notruf (in der EU 112) wählst du beim ersten Anfall, wenn er länger als 5 Minuten dauert, wenn sich die Person verletzt hat, im Wasser war oder schwanger ist – und immer, wenn du unsicher bist. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.

Wie es funktioniert

Im Gehirn arbeiten Nervenzellen normalerweise geordnet zusammen. Bei einem Krampfanfall feuern viele von ihnen plötzlich gleichzeitig und unkontrolliert. Dann verkrampfen die Muskeln, der Körper zuckt, und die Person ist meist nicht bei Bewusstsein.

Nach dem Anfall ist das Gehirn erschöpft: Viele Menschen sind eine Zeit lang verwirrt, sehr müde oder schlafen ein. Das ist normal. Ursachen gibt es viele – Epilepsie, Fieber bei kleinen Kindern, Unterzuckerung, Kopfverletzungen, Hitzschlag oder Vergiftungen.

Worauf es ankommt

Schützen statt festhalten: Wer die Zuckungen unterdrückt, kann sich und die Person verletzen. Nichts in den Mund – kein Beißkeil, kein Tuch, keine Finger. Das kann Zähne und Finger verletzen und die Atemwege verlegen.

Die Zeit messen ist wichtiger, als es klingt: Dauert ein Anfall länger als 5 Minuten, braucht die Person dringend den Rettungsdienst. Danach bleibst du bei ihr, bis sie wieder ganz klar ist, erklärst ruhig, was passiert ist, und schützt sie vor neugierigen Blicken.

Sicherheit und Grenzen

Notruf (in der EU 112, in Österreich auch 144): beim ersten Anfall, bei mehr als 5 Minuten, bei mehreren Anfällen hintereinander, bei Verletzungen, im Wasser, in der Schwangerschaft, bei Atemproblemen danach oder wenn die Person nicht wieder normal wach wird. Atmet sie nach dem Anfall nicht normal: Wiederbelebung nach Anleitung der Leitstelle.

Manche Menschen mit Epilepsie tragen einen Notfallausweis. Notfallmedikamente gibst du nur, wenn das ärztlich so mit der Person vereinbart ist und du eingewiesen wurdest. Dieser Text nennt keine Medikamente.

So übst du es

Die stabile Seitenlage nach einem Anfall übst du im Erste-Hilfe-Kurs. Wenn in deiner Familie, Klasse oder Arbeit jemand mit Epilepsie lebt, frag nach, was im Anfall für diese Person wichtig ist.

Kleine Kinder können bei Fieber krampfen. Das Vorgehen ist dasselbe: schützen, nicht festhalten, Zeit messen. Beim ersten Fieberkrampf immer den Notruf wählen.

Schritt für Schritt

Krampfanfall: schützen, nicht festhalten

Schritt 1 von 7

Ruhe bewahren, Zeit messen

Auf die Uhr schauen, wann der Anfall beginnt. Bei der Person bleiben.

  1. 1

    Ruhe bewahren, Zeit messen

    Auf die Uhr schauen, wann der Anfall beginnt. Bei der Person bleiben.

  2. 2

    Umgebung sichern

    Harte und spitze Gegenstände wegräumen, die Person von Treppen, Straße oder Wasser fernhalten, soweit möglich ohne sie festzuhalten.

  3. 3

    Kopf schützen

    Etwas Weiches wie eine Jacke oder Decke unter den Kopf legen. Brille abnehmen und enge Kleidung am Hals lockern, wenn das leicht geht.

  4. 4

    Nicht festhalten, nichts in den Mund

    Die Zuckungen nicht unterdrücken und nichts zwischen die Zähne schieben.

  5. 5

    Notruf, wenn nötig

    Beim ersten Anfall, nach mehr als 5 Minuten, bei Verletzungen, im Wasser, in der Schwangerschaft oder bei Unsicherheit Notruf wählen.

  6. 6

    Nach dem Anfall: Atmung prüfen

    Wenn die Zuckungen aufgehört haben, Atmung prüfen. Reagiert die Person nicht, atmet aber normal: stabile Seitenlage. Atmet sie nicht normal: Wiederbelebung nach Anleitung der Leitstelle.

  7. 7

    Betreuen

    Bleiben, bis die Person wieder ganz klar ist, ruhig erklären, was passiert ist, und sie vor Blicken schützen und zudecken. Nichts zu essen oder zu trinken geben, bis sie wieder sicher schlucken kann.

Für diese Technik ist noch kein geprüftes Video verfügbar.

Häufige Fehler

  • Die Person festhalten
  • Etwas in den Mund stecken
  • Die Dauer nicht beobachten
  • Die Person nach dem Anfall allein lassen
  • Beim ersten Anfall keinen Notruf wählen

Kurzüberblick

Material

  • Wolldecke / Bettdecke(optional)

    Zum Unterpolstern des Kopfes und Zudecken

    Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.

  • Mobiltelefon(optional)

    Uhr zum Messen der Dauer

    Akku leert sich bei Kälte und bei Dauernutzung von Display und GPS schnell.

    Nicht als einziges Navigations- oder Notrufmittel einplanen.

Geeignet für

  • Krampfanfälle mit Zuckungen am ganzen Körper bei Erwachsenen und Kindern
  • Menschen mit bekannter Epilepsie und unbekannte Personen

Ungeeignet für

  • Medikamentengabe durch Laien ohne ärztliche Absprache
  • Festhalten oder Unterdrücken der Zuckungen

Voraussetzungen

  • Ruhe bewahren
  • Die Umgebung lässt sich sichern

Sicherheit

  • Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Erste Hilfe lernt man durch praktisches Üben unter Anleitung. Im Notfall immer professionelle Hilfe rufen – über die lokale Notrufnummer (in der EU 112) – und den Anweisungen der Leitstelle folgen.

So funktioniert es

Bei einem Krampfanfall entladen sich Nervenzellen im Gehirn unkontrolliert. Häufig verliert die Person das Bewusstsein, stürzt, verkrampft sich und zuckt rhythmisch; danach ist sie oft eine Zeit lang verwirrt und sehr müde. Die meisten Anfälle hören nach kurzer Zeit von selbst auf. Ersthelfer können einen Anfall nicht stoppen – ihre Aufgabe ist, Verletzungen zu verhindern, die Dauer zu beobachten, nach dem Anfall die Atemwege freizuhalten und rechtzeitig Hilfe zu rufen.

Vorteile

  • Einfache, klare Regeln
  • Verhindert Folgeverletzungen

Nachteile

  • Anfälle wirken für Helfer oft sehr bedrohlich
  • Ursachen sind vor Ort nicht zu klären

Hintergrundwissen

Fachlicher Hintergrund

Die ERC-Leitlinien zur Ersten Hilfe empfehlen bei Krampfanfällen, die Person vor Verletzungen zu schützen, sie nicht festzuhalten, nichts in den Mund zu legen, den Notruf zu wählen, wenn nötig, und nach dem Anfall Atmung und Bewusstsein zu prüfen. Die Grenze von 5 Minuten für den Notruf wird in vielen Erste-Hilfe-Kursen und von Epilepsie-Organisationen gelehrt.

Krampfanfälle haben viele mögliche Ursachen – Epilepsie, Fieber bei Kindern, Unterzuckerung, Kopfverletzungen, Hitzschlag, Vergiftungen oder Alkoholentzug. Deshalb muss ein erster Anfall immer ärztlich abgeklärt werden.

Varianten

Bekannte Epilepsie
Manche Menschen mit Epilepsie tragen einen Notfallausweis mit Hinweisen, wann der Rettungsdienst nötig ist. Diese Hinweise beachten und der Leitstelle mitteilen. Notfallmedikamente nur, wenn das ärztlich so mit der Person vereinbart ist und du eingewiesen wurdest.
Fieberkrampf bei Kindern
Kleine Kinder können bei Fieber krampfen. Das Vorgehen ist gleich: schützen, nicht festhalten, Zeit messen. Beim ersten Fieberkrampf immer Notruf wählen; danach ärztlich abklären lassen.

Häufige Fehler

  • Die Person festhalten
  • Etwas in den Mund stecken
  • Die Dauer nicht beobachten
  • Die Person nach dem Anfall allein lassen
  • Beim ersten Anfall keinen Notruf wählen

Grenzen und Risiken

  • Ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs
  • Keine Medikamente oder Dosierungen
  • Ursachen lassen sich nur ärztlich klären

Materialalternativen

Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.

Wolldecke / Bettdecke
Isomatte, Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.), Langhalmiges Deckmaterial (Schilf, Gras, Binsen) (Sehr leicht entzündlich – kein offenes Feuer und keine Funken in der Nähe.)
Mobiltelefon
Stirnlampe / Taschenlampe, Batterie-Laterne / LED-Leuchte

Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.

Quellen

  1. [1]

    European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid

    Erste Hilfe bei Krampfanfällen: schützen, nicht festhalten, nichts in den Mund, danach Atmung prüfen

  2. [2]

    European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: Basic Life Support

    Atmung prüfen, Seitenlage, Wiederbelebung

  3. [3]

    Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Erste Hilfe – Informationen und Kurse

    Krampfanfall: Notruf beim ersten Anfall und bei langer Dauer

Rev. 1 · Aktualisiert 2026-10-10