Schock erkennen und betreuen
Ein Schock im medizinischen Sinn ist ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen, etwa nach starkem Blutverlust, großen Verbrennungen oder einer schweren allergischen Reaktion. Zeichen sind Blässe, kalter Schweiß, Frieren, Unruhe, Angst und später Teilnahmslosigkeit. Notruf wählen (in der EU 112), die Ursache behandeln, soweit möglich (zum Beispiel Blutung stillen), hinlegen, zudecken, beruhigen und nichts zu trinken geben. Die Beine nur hochlagern, wenn keine Verletzungen dagegen sprechen. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
- Sofort; betreuen bis Hilfe übernimmt
Einfach erklärt
Wenn Ärzte von Schock sprechen, meinen sie nicht einen Schreck. Sie meinen, dass der Kreislauf nicht mehr genug Blut und Sauerstoff zu den Organen bringt – zum Beispiel, weil jemand viel Blut verloren hat, große Verbrennungen hat oder schwer allergisch reagiert. Das ist lebensgefährlich.
Du erkennst einen Schock daran, dass die Person blass wird, kalten Schweiß auf der Stirn hat, friert, unruhig oder ängstlich ist. Dann wählst du sofort den Notruf (in der EU 112), legst sie hin, deckst sie zu und bleibst bei ihr. Zu trinken bekommt sie nichts, auch wenn sie Durst hat.
Die Beine darfst du ein wenig hochlegen – aber nur, wenn Beine, Becken, Rücken und Kopf nicht verletzt sind und die Person gut atmen kann. Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
Wie es funktioniert
Der Kreislauf braucht genug Blut in den Gefäßen und ein Herz, das pumpt. Fehlt Blut oder Flüssigkeit, oder weiten sich die Gefäße stark, sinkt der Druck im System. Der Körper versucht zu retten, was er kann: Er zieht Blut aus Haut, Armen und Beinen zur Körpermitte, damit Herz und Gehirn versorgt bleiben.
Deshalb wird die Haut blass, kalt und feucht, und das Herz schlägt schneller. Reicht das nicht mehr, wird die Person teilnahmslos und schließlich bewusstlos. Nur der Rettungsdienst und die Klinik können die Ursache behandeln.
Worauf es ankommt
Früh den Notruf wählen – auch wenn die Person noch spricht. Dann die Ursache bekämpfen, soweit das geht: Blutungen mit Druck stillen, Verbrennungen abdecken, bei einer allergischen Reaktion beim eigenen Notfallset helfen.
Hinlegen, gegen Bodenkälte isolieren und zudecken. Ruhig mit der Person sprechen, nichts zu essen oder zu trinken geben und Bewusstsein und Atmung beobachten. Wird sie bewusstlos und atmet normal: stabile Seitenlage.
Sicherheit und Grenzen
Die Beine nicht hochlagern bei Verletzungen an Beinen, Becken, Wirbelsäule oder Kopf, bei Atemnot und bei Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wer schlecht Luft bekommt, darf sich so hinsetzen, wie es ihm am angenehmsten ist.
Innere Blutungen nach einem Sturz oder Unfall sieht man von außen nicht. Wer danach blass wird und friert, braucht immer den Rettungsdienst. Atmet die Person nicht mehr normal: Wiederbelebung nach Anleitung der Leitstelle.
Schock und Schreck
Im Alltag sagt man auch „unter Schock stehen“, wenn jemand nach einem schlimmen Erlebnis wie erstarrt ist. Das ist eine seelische Reaktion, kein Kreislaufschock. Auch dann helfen Ruhe, Wärme, Zuwendung und nicht allein gelassen werden.
Weil beides gleichzeitig vorkommen kann, gilt nach Unfällen: lieber einmal zu oft den Notruf wählen. Im Erste-Hilfe-Kurs übst du, wie man Verletzte lagert, zudeckt und betreut.
Schritt für Schritt
- 1
Zeichen erkennen
Auf Blässe, kalte und feuchte Haut, kalten Schweiß auf der Stirn, Frieren, Unruhe, Angst, Durst und schnellen Puls achten. Später können Teilnahmslosigkeit und Bewusstseinstrübung folgen.
- 2
Notruf
Notruf wählen oder wählen lassen (in der EU 112) und sagen, was passiert ist und welche Zeichen du siehst.
- 3
Ursache bekämpfen
Soweit möglich die Ursache behandeln: starke Blutungen mit direktem Druck stillen, Verbrennungen abdecken. Bei einer schweren allergischen Reaktion der Person helfen, ihr eigenes, ärztlich verordnetes Notfallset zu benutzen.
- 4
Hinlegen
Die Person flach hinlegen. Sprechen keine Verletzungen und keine Atemnot dagegen, die Beine leicht erhöht lagern, zum Beispiel auf einem Rucksack.
- 5
Zudecken
Gegen Bodenkälte isolieren und zudecken, zum Beispiel mit einer Rettungsdecke. Nicht aktiv aufheizen.
- 6
Beruhigen und beobachten
Bei der Person bleiben, ruhig mit ihr sprechen, nichts zu trinken geben und Bewusstsein und Atmung beobachten. Wird sie bewusstlos und atmet normal: stabile Seitenlage. Atmet sie nicht normal: Wiederbelebung nach Anleitung der Leitstelle.
Häufige Fehler
- Den Notruf verzögern, weil die Person noch spricht
- Etwas zu trinken geben
- Beine hochlagern trotz Bein-, Becken- oder Wirbelsäulenverletzung
- Die Person aufstehen oder herumlaufen lassen
- Die Person allein lassen
Kurzüberblick
Material
Rettungsdecke
Zum Zudecken und gegen Bodenkälte
Reißt an Löchern leicht weiter; als Unterkunft nur kurzfristig.
Leitfähig – nicht in der Nähe von Stromleitungen verwenden.
Wolldecke / Bettdecke
Von Kerzen, Öfen und Heizgeräten fernhalten.
Einmalhandschuhe
Latexallergien beachten – latexfreie Handschuhe (z. B. Nitril) bevorzugen.
Geeignet für
- Verletzte nach Unfällen, Stürzen oder starken Blutungen
- Personen mit großen Verbrennungen oder schwerer allergischer Reaktion bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
Ungeeignet für
- Ersatz für den Notruf – ein Schock ist immer ein Notfall
- Behandlung der Ursache mit Medikamenten oder Infusionen – das ist Aufgabe des Rettungsdienstes
Voraussetzungen
- Gefahrenstelle ist sicher
- Notruf ist gewählt oder wird gewählt
Sicherheit
- Dieser Text ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Erste Hilfe lernt man durch praktisches Üben unter Anleitung. Im Notfall immer professionelle Hilfe rufen – über die lokale Notrufnummer (in der EU 112) – und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
- Beine nicht hochlagern bei Verletzungen an Beinen, Becken, Wirbelsäule oder Kopf, bei Atemnot oder bei Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bei Atemnot die Person so lagern, wie sie es am angenehmsten findet, oft sitzend.
- Nichts zu essen und nichts zu trinken geben – auch wenn die Person Durst hat. Sie könnte später operiert werden müssen oder sich verschlucken.
So funktioniert es
Bei einem Schock reicht der Blutkreislauf nicht mehr aus, um die Organe mit genug Sauerstoff zu versorgen – zum Beispiel weil zu viel Blut oder Flüssigkeit verloren gegangen ist oder weil sich die Gefäße bei einer allergischen Reaktion stark weiten. Der Körper versucht gegenzusteuern: Er zieht Blut aus Haut, Armen und Beinen zur Körpermitte, deshalb wird die Haut blass, kalt und feucht, und das Herz schlägt schneller. Ersthelfer können den Schock nicht heilen, aber sie können die Ursache bekämpfen, den Körper entlasten, Wärme erhalten und den Rettungsdienst früh rufen.
Vorteile
- Einfache Maßnahmen mit großer Wirkung auf das Befinden
- Früher Notruf verkürzt die Zeit bis zur Behandlung
Nachteile
- Innere Blutungen sind von außen nicht erkennbar
- Zeichen entwickeln sich manchmal schleichend
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die ERC-Leitlinien zur Ersten Hilfe empfehlen, Personen mit Schockzeichen auf den Rücken zu legen und den Rettungsdienst zu rufen; das Anheben der Beine wird dort als mögliche kurzfristige Maßnahme beschrieben, wenn keine Verletzung dagegen spricht. Deutschsprachige Erste-Hilfe-Kurse lehren zusätzlich Wärmeerhalt, Beruhigen und das Verbot, etwas zu trinken zu geben.
Wer nach einem Unfall zunächst „nur“ blass ist und friert, kann innere Verletzungen haben. Deshalb gilt: Schockzeichen sind immer ein Grund für den Notruf.
Varianten
- „Unter Schock stehen“ im Alltagssinn
- Im Alltag sagt man auch „unter Schock stehen“, wenn jemand nach einem schlimmen Erlebnis wie erstarrt oder aufgewühlt ist. Das ist eine seelische Reaktion und kein Kreislaufschock – aber auch dann helfen Ruhe, Wärme, Zuwendung und nicht allein gelassen werden. Im Zweifel, ob auch körperliche Ursachen vorliegen, Notruf wählen.
Häufige Fehler
- Den Notruf verzögern, weil die Person noch spricht
- Etwas zu trinken geben
- Beine hochlagern trotz Bein-, Becken- oder Wirbelsäulenverletzung
- Die Person aufstehen oder herumlaufen lassen
- Die Person allein lassen
Grenzen und Risiken
- Ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs
- Keine Medikamente, keine Infusionen
- Behandelt nicht die Ursache – das kann nur der Rettungsdienst oder die Klinik
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Wolldecke / Bettdecke
- Isomatte, Trockenes Laub, Gras oder Fichtenzweige (Nur sammeln, wo erlaubt; keine geschützten Pflanzen. Auf Zecken und Insekten achten.), Rucksack, Trockene Wechselkleidung (Wasserdicht verpackt mitführen – nasse Kleidung isoliert kaum.), Kühlbox (isoliert) (Hält Kälte nur eine begrenzte Zeit; ohne Kühlakku oder Eis ist sie kein Kühlschrank.), Schlafsack (Nicht dauerhaft komprimiert lagern; feucht nicht einpacken.), Zeitungspapier und Karton (Brennbar – von Kerzen, Öfen, Heizgeräten und Glut fernhalten.), Isolierte Kochkiste (Kochkiste, Thermokocher) (Kein offenes Feuer und keine Glut hineinlegen – nur den heißen, geschlossenen Topf.), Langhalmiges Deckmaterial (Schilf, Gras, Binsen) (Sehr leicht entzündlich – kein offenes Feuer und keine Funken in der Nähe.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
European Resuscitation Council – Resuscitation (journal) (2021): European Resuscitation Council Guidelines 2021: First Aid
Lagerung bei Schock, Beine anheben ohne Verletzung, Notruf
Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Erste Hilfe – Informationen und Kurse
Schockzeichen, Wärmeerhalt, nichts zu trinken
International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC) – Global First Aid Reference Centre (2020): International First Aid, Resuscitation, and Education Guidelines 2020
Erkennen und Erstversorgung des Schocks durch Laien