Insekten und Würmer als Notnahrung
In vielen Ländern sind Insekten ganz normales Essen, und in einer echten Notlage sind sie eine der leichtesten Eiweißquellen: Heuschrecken, Grillen, Käferlarven, Ameisen und Regenwürmer. Hier lernst du, welche geeignet sind, welche du meidest, wie du sie vorbereitest und warum sie immer durchgegart werden. Viele Insekten sind geschützt – in normalen Zeiten bleiben sie, wo sie sind.
- Sammeln: 30–60 Minuten für eine kleine Portion; Zubereiten: 10–15 Minuten

Einfach erklärt
Für viele Menschen auf der Welt sind Heuschrecken oder Larven ganz normales Essen – so wie für uns Brot oder Nudeln. Insekten haben viel Eiweiß, und das brauchst du, damit dein Körper stark bleibt. Wenn in einer echten Notlage das Essen ausgeht, können Insekten helfen.
Aber nicht jedes Insekt ist gut. Bunte, haarige oder stinkende Tiere warnen damit, dass sie giftig sind. Raupen, Bienen, Wespen, Spinnen, Zecken, Fliegen und Mücken lässt du in Ruhe. Gut sind braune oder grüne Heuschrecken, Grillen, weiße Larven aus morschem Holz, Ameisen und Regenwürmer.
Und ganz wichtig: Insekten und Würmer werden immer gekocht oder geröstet, niemals roh gegessen. In ihnen können winzige Parasiten leben, die erst die Hitze tötet. Viele Insekten sind außerdem geschützt – deshalb sammelst du sie nur, wenn du wirklich in Not bist.
Wie es funktioniert
Insekten haben einen harten Panzer aus Chitin und darin viel Eiweiß, oft auch Fett. Gemessen an ihrem Gewicht liefern sie viel mehr Energie als Blätter oder Kräuter. Larven sind meist besonders weich und fettreich, Heuschrecken und Grillen eher eiweißreich. Regenwürmer bestehen zum großen Teil aus Wasser, liefern aber auch Eiweiß.
Weil Insekten klein sind, kommt es darauf an, wo viele auf einmal sitzen. Am kühlen Morgen sind Heuschrecken träge, weil ihr Körper die Wärme der Umgebung braucht, um schnell zu sein. Unter Steinen und liegenden Stämmen sammeln sich Käfer und Larven. Nach Regen kommen Regenwürmer nach oben. Wer diese Gewohnheiten kennt, spart Kraft.
Hitze ist der wichtigste Schutz. Rösten oder Kochen tötet Parasiten und Keime, macht den Panzer knusprig und die Tiere leichter verdaulich. Beine und Flügel entfernt man, weil sie hart und stachelig sind und im Hals kratzen oder stecken bleiben können.
Worauf es ankommt
Die Faustregel heißt: unscheinbar, glatt, geruchlos. Braune und grüne Heuschrecken, Grillen, weiße Larven und Ameisen sind meist gut geeignet. Leuchtende Farben, Haare und starker Geruch sind Warnsignale vieler Insekten, die giftig sind oder brennen. Raupen meidest du ganz, weil viele Brennhaare oder Gifte haben.
Bereite die Tiere sorgfältig vor. Bei Heuschrecken ziehst du den Kopf ab, wobei meist der Darm mitkommt, und entfernst die großen Sprungbeine und die Flügel. Regenwürmer legst du einige Stunden in sauberes Wasser oder feuchtes Gras, damit sie die Erde aus ihrem Darm ausscheiden. Dann wird alles gründlich gegart.
Schon Ameisen sind in Mengen eine Mahlzeit, aber die großen Hügel der Roten Waldameise sind geschützt und wichtig für den Wald. Zerstöre sie nicht. Auch beim Suchen unter Steinen und Holz legst du alles wieder genauso zurück, wie du es gefunden hast – dort wohnen viele andere Tiere.
Sicherheit: darauf musst du achten
Roh gegessene Insekten oder Würmer können Parasiten und Krankheitserreger übertragen. Deshalb gilt ohne Ausnahme: durchgaren, bis sie innen heiß und fest sind. Danach Hände und Behälter waschen. Tiere, die schon tot gefunden werden, oder solche von Mist, Abfall und Kadavern sind tabu.
Insekten sind mit Krebstieren wie Garnelen verwandt. Wer auf Krebstiere oder auf Hausstaubmilben allergisch ist, kann auch auf Insekten reagieren. Probiere deshalb beim ersten Mal nur wenig. Bei Schwellungen im Gesicht oder Hals, Atemnot oder Schwindel sofort 112 oder in Österreich 144 rufen.
Sammle nicht dort, wo gespritzt wird, etwa an Feldrändern und in Obstplantagen. Insekten können Spritzmittel in sich tragen, die man ihnen nicht ansieht. Auch Insekten aus der Nähe von Straßen meidest du besser.
Wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Insekten lohnen sich in längeren Notlagen, wenn die Vorräte zu Ende gehen und keine Rettung in Sicht ist. Im Sommer, auf Wiesen, an Waldrändern und in den Tropen findest du am meisten. Sie sind oft leichter und sicherer zu bekommen als Pflanzen, die man verwechseln kann.
In normalen Zeiten bleiben wilde Insekten, wo sie sind. Viele Arten sind geschützt, und auch nicht geschützte Tiere darf man nicht ohne guten Grund fangen oder töten. Wer Insekten einmal probieren möchte, kauft sie als zugelassenes Lebensmittel im Handel.
Gut zu wissen
Die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat einen großen Bericht über essbare Insekten veröffentlicht. Darin steht, dass weltweit sehr viele Arten gegessen werden, oft als Leckerbissen. Insekten zu essen ist also nicht seltsam, sondern in vielen Kulturen Alltag.
Für Kinder und Menschen, die sich ekeln, hilft ein Trick: Geröstete Insekten zwischen zwei Steinen zu Pulver zerreiben und in Suppe, Brei oder Fladenbrot mischen. So sieht man die Tiere nicht mehr, und die Nährstoffe bleiben erhalten.
Schritt für Schritt
Nur in echter Not
Prüf zuerst: Gibt es Vorräte, Hilfe oder einen Weg hinaus? Insekten sind Notnahrung, kein Freizeitspaß, denn viele Arten sind geschützt. Sammle nur dort, wo nicht gespritzt wird, und nur so viel, wie du brauchst.
- 1
Nur in echter Not
Prüf zuerst: Gibt es Vorräte, Hilfe oder einen Weg hinaus? Insekten sind Notnahrung, kein Freizeitspaß, denn viele Arten sind geschützt. Sammle nur dort, wo nicht gespritzt wird, und nur so viel, wie du brauchst.
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Die richtigen Insekten wählen
Geeignet sind Heuschrecken und Grillen, weiße Käferlarven aus morschem Holz, Ameisen und Ameisenpuppen (keine geschützten Waldameisenhügel aufbrechen) sowie Regenwürmer. Gute Faustregel: unscheinbar braun, grün oder weiß, glatt, geruchlos.
- 3
Diese Tiere meiden
Lass bunte, behaarte und stark riechende Insekten in Ruhe, außerdem alle Raupen, Bienen, Wespen, Spinnen, Zecken, Fliegen und Mücken. Nimm keine Tiere, die schon tot herumliegen, und keine von Kadavern, Mist oder Abfall.
- 4
Sammeln mit wenig Energie
Heuschrecken sind am kühlen Morgen träge und lassen sich mit der hohlen Hand aus dem Gras fangen. Unter Steinen und liegenden Stämmen findest du Käfer und Larven – leg alles danach genau so zurück, wie es war. Regenwürmer kommen nach Regen an die Oberfläche. Sammle in eine Dose mit Deckel.
- 5
Vorbereiten
Bei Heuschrecken und Grillen Kopf mit Darm abziehen und die stacheligen Hinterbeine und die Flügel entfernen – sie können im Hals stecken bleiben. Regenwürmer legst du einige Stunden in sauberes Wasser oder feuchtes, sauberes Gras, damit sie Erde ausscheiden, und spülst sie dann ab.
- 6
Immer durchgaren
Röste die Insekten in einem Topf oder auf einem heißen, flachen Stein, bis sie knusprig und durch und durch heiß sind, oder koch sie mehrere Minuten in Wasser. Regenwürmer immer kochen. Danach Hände und Behälter gründlich waschen.
Nie roh essen – Parasiten.
- 7
Vorsichtig anfangen
Iss beim ersten Mal nur eine kleine Menge und warte, ob du sie verträgst – besonders bei Allergien gegen Krebstiere. Zerstoßene geröstete Insekten lassen sich in Suppe oder Brei mischen, das fällt Kindern leichter. Achte auf Anzeichen einer Allergie und ruf bei Atemnot sofort den Notruf.
Häufige Fehler
- Insekten roh essen
- Bunte, behaarte oder riechende Tiere sammeln
- Beine und Flügel dranlassen
- Geschützte Ameisenhügel zerstören
- Steine und Totholz nicht zurücklegen
Kurzüberblick
Material
Fester Sammelbehälter (Dose, Korb oder Becher)
Mit Deckel, damit nichts entwischt
Jede Art in einen eigenen Behälter – nie Unbekanntes dazumischen
Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
Heiß – Verbrühungsgefahr.
Feuerzeug, Streichhölzer oder Feuerstahl
Zum Garen
Lokale Feuerverbote beachten.
Messer (feststehend oder feststellbar)
Vom Körper weg schneiden.
Regeln zum Mitführen von Messern unterscheiden sich je nach Region – örtliche Regeln prüfen.
Geeignet für
- Längere Notlagen, wenn Vorräte ausgehen
- Wiesen, Waldränder und Totholz im Sommer
- Tropen und warme Gebiete, wo Insekten häufig sind
Ungeeignet für
- Menschen mit Krustentier- oder Hausstaubmilbenallergie
- Gebiete mit Pestizideinsatz
- Freizeit-Ausflüge ohne Not – Insekten sind geschützt
Voraussetzungen
- Eine echte Notlage ohne andere Nahrung
- Feuer oder Kocher zum Durchgaren
- Sauberes Wasser
Sicherheit
- Wer allergisch auf Krebstiere wie Garnelen oder auf Hausstaubmilben reagiert, kann auch auf Insekten allergisch reagieren. Beim ersten Mal nur eine kleine Menge essen. Bei Schwellung im Gesicht, Atemnot oder Kreislaufproblemen sofort 112 bzw. 144.
- Viele Insekten sind geschützt, zum Beispiel Rote Waldameisen, Hirschkäfer und viele Totholzkäfer. Auch andere Wildtiere darf man nicht ohne vernünftigen Grund fangen oder töten. Insekten als Nahrung sind nur in einer echten Notlage gerechtfertigt.
So funktioniert es
Insekten bestehen zu einem großen Teil aus Eiweiß und enthalten oft auch Fett. Sie zu sammeln kostet wenig Energie, solange man dort sucht, wo viele auf einmal sind: Heuschrecken in der Wiese am kühlen Morgen, Larven in morschem Holz, Regenwürmer nach Regen. Hitze tötet Parasiten und Keime – darum ist das Garen der wichtigste Schritt.
Vorteile
- Leicht zu sammeln, keine Ausrüstung nötig
- Viel Eiweiß für wenig Aufwand
- In fast allen Umgebungen zu finden
Nachteile
- Kleine Mengen pro Fund
- Überwindung nötig
- Naturschutz und Allergien beachten
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat 2013 einen großen Bericht über essbare Insekten veröffentlicht. Darin wird beschrieben, dass weltweit sehr viele Insektenarten gegessen werden und dass sie reich an Eiweiß sein können – aber auch, dass Allergien und Hygiene beachtet werden müssen.
Das Überlebenshandbuch der US-Armee (FM 3-05.70) beschreibt Insekten als leicht verfügbare Notnahrung, empfiehlt, sie zu garen, und rät von bunten, behaarten und stark riechenden Arten ab.
Varianten
- Insektenmehl
- Gut geröstete Insekten lassen sich zwischen zwei Steinen zu einem groben Pulver zerreiben und in Suppen oder Fladenbrot einarbeiten.
- Tropen
- In den Tropen sind Termiten und große Käferlarven verbreitete Nahrung der einheimischen Bevölkerung. Frag, wo möglich, Einheimische, welche Arten gegessen werden.
Häufige Fehler
- Insekten roh essen
- Bunte, behaarte oder riechende Tiere sammeln
- Beine und Flügel dranlassen
- Geschützte Ameisenhügel zerstören
- Steine und Totholz nicht zurücklegen
Grenzen und Risiken
- Keine Artbestimmung – nur grobe Regeln
- Gesetzliche Ausnahmen nur in echter Not
- Ersetzt keine ausgewogene Ernährung
Materialalternativen
Abgeleitet aus Materialeigenschaften: Ein Ersatz muss alle relevanten Eigenschaften besitzen. Hinweise zum Ersatzmaterial beachten.
- Fester Sammelbehälter (Dose, Korb oder Becher)
- Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan) (Heiß – Verbrühungsgefahr.), Einwandige Edelstahlflasche (Nur einwandig ohne Lack/Kunststoff erhitzen; Deckel vor dem Erhitzen abnehmen.), Doppelwandige Isolierflasche (Niemals direkt erhitzen.), PET-Flasche (klar, max. 2 Liter) (Nicht erhitzen oder ins Feuer stellen.), Lebensmittelechter Wasserkanister (Nur Behälter verwenden, die nie Chemikalien oder Kraftstoff enthalten haben.), Luftdichte, lebensmittelechte Vorratsdose (Nur sauber und vollständig trocken befüllen; keine Behälter verwenden, die vorher Chemikalien enthielten.), Faltkanister oder Wassersack (Vor spitzen Gegenständen schützen.), Messbecher, Lebensmittelechter Wasserbeutel (Nur für Trinkwasser verwenden, nie für Chemikalien oder Brennstoff.), Gärglas oder Gärtopf (Nur lebensmittelechte Gefäße aus Glas, glasiertem Steinzeug für Lebensmittel oder lebensmittelechtem Kunststoff verwenden – keine Metallgefäße für saure Lebensmittel.), Wiederverschließbare Lebensmittelbeutel (Nur Beutel verwenden, die für Lebensmittel bestimmt sind; nicht für kochendes Wasser nutzen, wenn der Hersteller es nicht ausdrücklich erlaubt.), Luftiger Sammelbeutel oder Korb (Jede Pflanzenart getrennt sammeln, damit sich nichts Unbekanntes untermischt)
- Metalltopf (Edelstahl, Aluminium, Titan)
- Einwandige Edelstahlflasche (Nur einwandig ohne Lack/Kunststoff erhitzen; Deckel vor dem Erhitzen abnehmen.)
- Feuerzeug, Streichhölzer oder Feuerstahl
- Feuerstahl (Vor dem Ernstfall üben.), Schlagstahl und harter Stein (Kohlenstoffstahl, kein Edelstahl.), Feuerbohr-Set (Bogen, Spindel, Brett, Druckstück) (Nur trockenes Holz verwenden.), Brennglas / Lupe (Nie in der Sonne liegen lassen – Brandgefahr.), Feuerkolben (Dichtung pflegen.), Pumpbohrer (Spindel, Schwungscheibe, Querholz, Schnur) (Schwungscheibe fest und mittig sichern – eine lose Scheibe kann abfliegen.)
Ergebnisse stammen ausschließlich aus strukturierten Einträgen. Es werden keine improvisierten Anleitungen erzeugt.
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2002): FM 3-05.70 Survival
Insekten und Würmer als Notnahrung; garen; bunte, behaarte und stark riechende Insekten meiden; Würmer in Wasser reinigen
Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) (2013): Edible insects: Future prospects for food and feed security (FAO Forestry Paper 171)
Essbare Insekten weltweit, Nährwert, Allergie- und Hygienefragen
Council of the European Communities (1992): Council Directive 92/43/EEC on the conservation of natural habitats and of wild fauna and flora (Habitats Directive)
Schutz wildlebender Tierarten in der EU (u. a. geschützte Käferarten)