Einen Kompass auswählen: Platten-, Spiegel- und Peilkompass
Für Kartenarbeit ist ein Plattenkompass mit Drehdose, Linealen und flüssigkeitsgedämpfter Nadel die Grundausstattung. Spiegel- und Peilkompasse erlauben genauere Peilungen auf entfernte Ziele. Wichtig sind eine Skala in Grad, Lineale passend zu den eigenen Kartenmaßstäben, eine einstellbare Missweisung nach Bedarf und die passende Nadel für die eigene Weltregion.
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Einfach erklärt
Die Erde ist wie ein riesiger, schwacher Magnet. Eine Kompassnadel ist ein kleiner Magnet, der sich frei drehen kann. Darum zeigt sie immer in dieselbe Richtung, ungefähr nach Norden – egal, wie du den Kompass hältst. Damit kannst du herausfinden, in welche Richtung du gehen musst.
Für Wanderungen mit Karte ist ein Plattenkompass am praktischsten. Das ist eine durchsichtige Platte mit Linealen und einer drehbaren Dose, in der die Nadel schwimmt. Weil die Platte durchsichtig ist, kannst du sie direkt auf die Karte legen und Richtungen von der Karte ins Gelände übertragen. Spiegel- und Peilkompasse haben zusätzlich eine Zieleinrichtung, mit der du entfernte Punkte genauer anpeilen kannst.
Wichtig: Metall, Magnete und Handys können die Nadel ablenken. Halte beim Peilen Abstand davon. Und ein Kompass hilft nur, wenn du mit Karte und Kompass geübt hast.
Wie es funktioniert
Die Kompassnadel ist magnetisiert und richtet sich nach dem Magnetfeld der Erde aus. Sie zeigt dabei zum magnetischen Nordpol, der nicht genau mit dem geografischen Nordpol übereinstimmt. Den Winkel zwischen beiden Richtungen nennt man Missweisung oder Deklination. Er ist je nach Ort verschieden und ändert sich langsam mit der Zeit. Nationale Behörden bieten Rechner an, mit denen du die aktuelle Missweisung für deinen Ort herausfinden kannst.
Das Erdmagnetfeld verläuft nicht überall waagerecht. In Richtung der Pole neigt es sich immer stärker zum Boden. Eine einfache Nadel würde deshalb in manchen Gegenden schräg hängen und an der Dose schleifen. Hersteller gleichen das aus, indem sie die Nadel für bestimmte Weltregionen auswiegen. Sogenannte globale Nadeln sind so gebaut, dass sie weltweit funktionieren.
Die Dose ist mit einer Flüssigkeit gefüllt. Sie dämpft die Bewegung der Nadel, sodass diese nicht lange hin- und herpendelt, sondern schnell zur Ruhe kommt. Das macht das Ablesen schneller und genauer, besonders wenn du den Kompass in der Hand hältst.
Die drei Bauarten
Der Plattenkompass ist die Grundausstattung für die meisten Wanderer. Er besteht aus einer durchsichtigen Platte mit einem Richtungspfeil, einer drehbaren Dose mit Gradskala, Nordlinien im Boden der Dose und Linealen am Rand. Damit kannst du auf der Karte eine Richtung abmessen und sie dann im Gelände ablaufen, oder umgekehrt.
Der Spiegelkompass ist im Grunde ein Plattenkompass mit einem Klappdeckel, in dem ein Spiegel und eine Visierkerbe sitzen. Wenn du den Kompass auf Augenhöhe hebst, siehst du gleichzeitig das Ziel durch die Kerbe und im Spiegel die Nadel. Das macht Peilungen auf entfernte Ziele genauer. Der Deckel schützt außerdem die Dose.
Der Peil- oder Linsenkompass hat eine Kimme, also eine Zielvorrichtung, und eine kleine Lupe zum Ablesen der Skala. Er ist robust und im militärischen Bereich verbreitet; ein US-Feldhandbuch beschreibt ihn ausführlich. Für die Arbeit auf der Karte ist er ohne durchsichtige Platte etwas umständlicher, weil du Richtungen nicht direkt übertragen kannst.
Worauf es beim Kauf ankommt
Achte auf eine gut lesbare Skala. Meist ist sie in Grad eingeteilt, ein voller Kreis hat 360 Grad. Manche Kompasse haben eine Teilung in Strich, die vor allem im militärischen Bereich üblich ist. Welche Einheit du nimmst, ist weniger wichtig, als dass Karte, Kompass und alle in deiner Gruppe dieselbe verwenden.
Die Lineale am Rand sollten zu den Maßstäben deiner Karten passen, damit du Entfernungen direkt abmessen kannst. Ein einstellbarer Missweisungsausgleich ist praktisch, wenn die Missweisung in deiner Gegend groß ist – du stellst sie einmal ein und musst dann nicht jedes Mal rechnen. Leuchtende Markierungen helfen in der Dämmerung.
Wichtig ist auch die Nadel. Wenn du im Ausland unterwegs bist, prüfe, ob deine Nadel für diese Region ausgewogen ist, oder nimm einen Kompass mit globaler Nadel. Spielzeug- oder Anhängerkompasse sind für ernsthafte Navigation nicht geeignet; sie sind oft ungenau und nicht gedämpft.
Sicherheit: Störungen erkennen
Metall, Magnete, Telefone, Lautsprecher und manche Magnetverschlüsse an Jacken oder Taschen lenken die Nadel ab. Schon ein Telefon in der Brusttasche kann die Anzeige verfälschen. Halte beim Peilen Abstand zu solchen Dingen, auch zu Autos, Zäunen oder Stromleitungen. Lagere den Kompass außerdem nicht direkt neben Elektronik oder starken Magneten, denn diese können im ungünstigen Fall die Magnetisierung der Nadel schwächen.
Teste einen Kompass, bevor du dich auf ihn verlässt. Gründe für einen Austausch sind Blasen in der Dose, eine träge oder hängende Nadel und eine Anzeige, die deutlich von einem zweiten Kompass abweicht. Ein solcher Vergleich ist einfach: Lege beide Kompasse nebeneinander, mit etwas Abstand, und schau, ob sie in dieselbe Richtung zeigen.
Verlass dich nicht nur auf den Kompass im Telefon. Er braucht Strom, kann ungenau sein, wenn er nicht kalibriert ist, und fällt mit dem Telefon aus. Ein echter Kompass funktioniert ohne Batterie und ist eine gute Reserve – auch im Notgepäck.
So übst du es
Ein Kompass ist nur so nützlich wie die Übung, die du damit hast. Fang in einer vertrauten Gegend an: Lege den Kompass auf die Karte, richte die Karte nach Norden aus und vergleiche, was du siehst, mit dem, was die Karte zeigt. Danach peilst du einen Kirchturm oder einen Berggipfel an und suchst ihn auf der Karte.
Die eigentliche Navigation – Richtung abnehmen, Missweisung berücksichtigen, Kurs halten – wird ausführlich in der Welt Navigation erklärt. Dieser Eintrag hilft dir nur bei der Wahl des Werkzeugs. Viele Vereine und Volkshochschulen bieten Kurse an, in denen du Karte und Kompass gemeinsam mit anderen lernst.
Schritt für Schritt
Plattenkompass
Transparente Platte mit Richtungspfeil, Drehdose mit Gradskala, Nordlinien in der Dose und Lineale. Für die meisten Wanderer ausreichend.
- 1
Plattenkompass
Transparente Platte mit Richtungspfeil, Drehdose mit Gradskala, Nordlinien in der Dose und Lineale. Für die meisten Wanderer ausreichend.
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Spiegelkompass
Mit Klappspiegel und Visierkerbe: Ziel und Nadel gleichzeitig sehen, dadurch genauere Peilungen. Der Deckel schützt die Dose.
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Peil- bzw. Linsenkompass
Mit Kimme und Lupe, robust, verbreitet im militärischen Bereich. Für Kartenarbeit ohne Platte etwas umständlicher.
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Merkmale prüfen
Gradskala (oder die in der Region übliche Teilung), Lineale passend zu den eigenen Karten, gegebenenfalls Missweisungsausgleich, eine Nadel für die eigene Zone oder eine globale Nadel, gut lesbar im Dunkeln.
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Testen
Blasen in der Dose, träge oder hängende Nadel und abweichende Anzeige gegenüber einem zweiten Kompass sind Gründe zum Austausch.
Häufige Fehler
- Kompass im Telefon als einziges Hilfsmittel
- Kompass neben Magnetverschlüssen tragen
- Nadel aus einer anderen Weltregion im Ausland verwenden, ohne zu prüfen
Kurzüberblick
Material
Plattenkompass
Metall, Magnete und Elektronik in der Nähe lenken die Nadel ab.
Luftblasen in der Kapsel oder eine träge Nadel deuten auf einen Defekt hin.
Topografische Karte
Erscheinungsjahr prüfen – Wege und Bebauung können sich geändert haben.
Vor Nässe schützen (Kartenhülle oder Beutel).
Geeignet für
- Kauf eines ersten Kompasses
- Ersatz für Telefon und GPS
- Notgepäck
Ungeeignet für
- Spielzeug- und Anhängerkompasse für ernsthafte Navigation
Voraussetzungen
- Grundlagen des Kartenlesens
Sicherheit
- Metall, Magnete, Telefone und Lautsprecher lenken die Nadel ab. Kompass nicht neben Elektronik lagern und beim Peilen Abstand halten.
So funktioniert es
Die Kompassnadel richtet sich nach dem Erdmagnetfeld aus. Ein Plattenkompass verbindet die Nadel mit einem Winkelmesser und Linealen, sodass sich Richtungen direkt zwischen Karte und Gelände übertragen lassen. Weil das Magnetfeld nicht überall waagerecht verläuft, sind Nadeln für bestimmte Zonen ausgewogen; sogenannte globale Nadeln funktionieren weltweit.
Vorteile
- Funktioniert ohne Strom
- Robust und leicht
Nachteile
- Nutzen nur mit Karte und Übung
- Störanfällig durch Metall und Magnete
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Das US-Feldhandbuch FM 3-25.26 beschreibt den Linsenkompass ausführlich; Bergsteigerhandbücher behandeln Platten- und Spiegelkompass sowie die Einstellung der Missweisung.
Für die Missweisung am eigenen Ort gibt es Rechner nationaler Behörden; sie ändert sich mit der Zeit.
Varianten
- Strich statt Grad
- Manche Kompasse haben eine Teilung in Strich. Wichtig ist, dass Karte, Kompass und Gruppe dieselbe Einheit nutzen.
Häufige Fehler
- Kompass im Telefon als einziges Hilfsmittel
- Kompass neben Magnetverschlüssen tragen
- Nadel aus einer anderen Weltregion im Ausland verwenden, ohne zu prüfen
Grenzen und Risiken
- Keine Produktempfehlungen
- Keine Navigationsanleitung – siehe Welt Navigation
Quellen
Headquarters, Department of the Army (USA) (2001): FM 3-25.26 Map Reading and Land Navigation
Aufbau und Gebrauch des Linsenkompasses
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Platten- und Spiegelkompass, Einstellen der Missweisung