Mit dem Höhenmesser navigieren
Ein barometrischer Höhenmesser (auch in vielen Outdoor-Uhren) liefert eine dritte Information neben Richtung und Strecke: die Höhe. Zusammen mit den Höhenlinien der Karte lässt sich so der Standort an einem Hang, Grat oder Weg eingrenzen. Weil er auf Luftdruck reagiert, muss er an bekannten Höhenpunkten regelmäßig neu eingestellt werden.
- Kalibrieren vor dem Start und an jedem bekannten Höhenpunkt

Einfach erklärt
Die Luft um uns herum hat ein Gewicht und drückt auf alles – das nennt man Luftdruck. Je höher du auf einen Berg steigst, desto weniger Luft liegt über dir, und desto kleiner wird dieser Druck. Ein Höhenmesser misst den Luftdruck und rechnet ihn in eine Höhe um. So weiß er, wie hoch du ungefähr bist.
Das hilft beim Navigieren. Stell dir vor, du gehst auf einem Weg einen Berg hinauf und suchst eine Abzweigung, die laut Karte auf einer bestimmten Höhe liegt. Zeigt der Höhenmesser diese Höhe, bist du ganz in der Nähe. Die Karte zeigt die Höhe mit Höhenlinien – Linien, die alle Punkte mit derselben Höhe verbinden, wie Ringe um einen Berg.
Aber Achtung: Auch das Wetter verändert den Luftdruck. Darum kann der Höhenmesser eine falsche Höhe anzeigen, obwohl du dich gar nicht bewegt hast. Du musst ihn deshalb immer wieder an Stellen einstellen, deren Höhe du genau kennst, und darfst ihm nie allein vertrauen, wenn es steil und gefährlich wird.
Wie es funktioniert
Ein barometrischer Höhenmesser enthält einen kleinen Drucksensor. Weil der Luftdruck mit der Höhe abnimmt, kann das Gerät aus dem gemessenen Druck eine Höhe berechnen. Es geht dabei von einer „normalen“ Atmosphäre aus. Weicht das tatsächliche Wetter davon ab – etwa bei einem Hoch oder einem Tief –, verschiebt sich die Anzeige. Viele Outdoor-Uhren haben einen solchen Höhenmesser eingebaut.
Für die Navigation ist die Höhe eine dritte Information neben Richtung und Strecke. Allein liefert sie keinen Standort, denn auf derselben Höhe liegen unzählige Punkte – eine ganze Höhenlinie. Stark wird sie in Kombination: Weißt du, dass du auf einem bestimmten Weg, Grat oder Bach bist, schneidet die passende Höhenlinie diese Linie meist nur an einer Stelle. Dort bist du.
Weil Wetteränderungen den Luftdruck verschieben, wird ein Höhenmesser nach und nach ungenauer, wenn man ihn nicht nachstellt. Deshalb kalibriert man ihn an Punkten mit bekannter Höhe: Gipfel, Sattel, Hütte, Wegkreuzung mit Höhenangabe auf der Karte oder einem Schild. Danach stimmt er wieder – bis sich das Wetter weiter ändert.
Worauf es ankommt
Stelle den Höhenmesser vor dem Start an einem Punkt mit bekannter Höhe ein und schreib dir in der Tourenplanung die Höhen wichtiger Punkte auf: Abzweigungen, Sattel, Hütte, Umkehrpunkt. Unterwegs vergleichst du an jedem sicher erkannten Punkt mit Höhenangabe und stellst neu ein. Ist die Abweichung groß, obwohl du nur kurz unterwegs warst, deutet das auf eine Wetteränderung hin.
Lies die Höhenlinien der Karte sorgfältig. Jede Karte hat einen festen Höhenabstand zwischen zwei Linien (die Äquidistanz), zum Beispiel 10 oder 20 Meter; er steht in der Legende. Wer ihn übersieht, verrechnet sich schnell um viele Meter. Manche Geräte sind außerdem empfindlich für Temperaturänderungen, etwa wenn die Uhr am warmen Handgelenk oder außen an der kalten Jacke getragen wird – schau in die Anleitung deines Modells.
Ein besonders nützlicher Trick bei Nebel: Wenn du einen Hang auf gleicher Höhe queren willst, um eine Hütte oder einen Sattel zu erreichen, hilft der Höhenmesser, die Höhe zu halten. Steigst du ungewollt ab oder auf, merkst du es an der Anzeige, auch wenn du nichts siehst.
Sicherheit: darauf musst du achten
Ein Höhenmesser misst Luftdruck, nicht Höhe. Zieht ein Tief heran, fällt der Druck und das Gerät zeigt eine größere Höhe an, als du wirklich hast – und umgekehrt. Steig deshalb nie allein nach Höhenmesser in steiles Gelände ab, etwa um „auf Höhe der Abzweigung“ zu kommen. Prüfe immer auch mit Karte, Gelände und Kompass.
Eine bekannte Höhe sagt außerdem nichts darüber, ob der Weg dorthin sicher ist. Abbrüche, Rinnen, Gewässer, Lawinen- oder Steinschlaggelände umgehst du, egal was die Anzeige sagt. Für Gletscher- und Lawinengelände braucht es eine eigene Ausbildung; dieser Eintrag ersetzt sie nicht.
Gut zu wissen
Der Höhenmesser kann auch ein Wetterhinweis sein. Bleibst du an einem Ort, etwa über Nacht in einer Hütte, und die angezeigte Höhe steigt, ist der Luftdruck gefallen – das kann auf schlechteres Wetter hindeuten. Das ist nur ein Hinweis, keine Vorhersage; eine echte Wettervorhersage ersetzt es nicht.
GPS-Geräte und Handys zeigen ebenfalls eine Höhe. Sie hängt nicht vom Wetter ab, kann aber je nach Empfang schwanken, besonders in engen Tälern oder im Wald. Beide Methoden ergänzen sich gut: Das GPS hilft beim Einstellen, der barometrische Höhenmesser liefert gleichmäßige Werte auch ohne Satellitenempfang.
So übst du es
Nimm den Höhenmesser auf eine bekannte Wanderung mit und stell ihn am Start ein. Lies an jeder Abzweigung mit Höhenangabe ab, wie weit die Anzeige danebenliegt, und notiere es. Nach ein paar Touren weißt du, wie schnell dein Gerät bei verschiedenem Wetter abweicht.
Übe dann das Kombinieren: Such dir auf der Karte einen Weg, der einen Hang hinaufführt, und versuche, nur mit Höhe und Weg deinen Standort zu bestimmen, bevor du das Schild erreichst. So lernst du, Höhenlinien und Gelände zusammen zu lesen.
Schritt für Schritt
Am Start einstellen
Stelle den Höhenmesser an einem Punkt mit bekannter Höhe ein (Höhenangabe auf Karte oder Schild).
- 1
Am Start einstellen
Stelle den Höhenmesser an einem Punkt mit bekannter Höhe ein (Höhenangabe auf Karte oder Schild).
- 2
Höhen in die Planung schreiben
Notiere für wichtige Punkte der Route die Höhe: Abzweigungen, Sattel, Hütte, Umkehrpunkt.
- 3
Höhe mit einer Linie kombinieren
Bist du auf einem Weg, Grat oder Bach, suche, wo die angezeigte Höhenlinie diese Linie schneidet.
- 4
Unterwegs nachstellen
An jedem sicher identifizierten Punkt mit Höhenangabe vergleichen und neu einstellen. Große Abweichungen deuten auf Wetteränderung hin.
Häufige Fehler
- Stundenlang nicht kalibriert
- Höhenmesser über Karte und Gelände gestellt
- Höhenlinien der Karte falsch gelesen (Äquidistanz übersehen)
- Uhr nicht an Temperaturänderungen angepasst (je nach Modell)
Kurzüberblick
Material
Höhenmesser (barometrisch)
Zeigt bei Wetteränderungen falsche Höhen an – regelmäßig an bekannten Höhenpunkten neu einstellen.
Topografische Karte
Mit Höhenlinien und Höhenangaben
Erscheinungsjahr prüfen – Wege und Bebauung können sich geändert haben.
Vor Nässe schützen (Kartenhülle oder Beutel).
Plattenkompass
Metall, Magnete und Elektronik in der Nähe lenken die Nadel ab.
Luftblasen in der Kapsel oder eine träge Nadel deuten auf einen Defekt hin.
Geeignet für
- Hangquerungen bei Nebel
- Abzweigung an einem Anstieg finden
- Standortbestimmung an einem Grat oder Weg
Ungeeignet für
- Flaches Gelände
- Lange Zeiträume ohne Kalibrierung, besonders bei Wetterumschwung
Voraussetzungen
- Höhenlinien lesen können
- Grundlagen der Kompassnavigation
Sicherheit
- Eine Linie auf der Karte sagt nichts darüber, ob das Gelände sicher begehbar ist. Abbrüche, Gewässer, Lawinen- und Steinschlaggelände umgehen und im Zweifel umkehren.
- Ein Höhenmesser misst Luftdruck. Steigt oder fällt der Druck wegen des Wetters, zeigt er falsche Höhen, obwohl man sich nicht bewegt. Nie allein nach Höhenmesser in steiles Gelände absteigen.
So funktioniert es
Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck; der Höhenmesser rechnet den Druck in eine Höhe um. Kennt man die Höhe und weiß, dass man auf einer bestimmten Linie (Weg, Grat, Bach) ist, schneidet die passende Höhenlinie diese Linie an einem Punkt – das ist der Standort. Wetterbedingte Druckänderungen verschieben die Anzeige; deshalb kalibriert man an bekannten Punkten.
Vorteile
- Funktioniert bei null Sicht
- Unabhängig vom Satellitenempfang
- Sehr hilfreich an Hängen
Nachteile
- Wetterabhängig
- Allein liefert er nur eine Höhe, keinen Standort
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Barometrische Höhenmesser sind seit Langem ein Standardgerät im Bergsport. Bergsteiger-Lehrbücher beschreiben, wie Höhenmesser, Karte und Kompass zusammen den Standort eingrenzen.
Der physikalische Zusammenhang zwischen Luftdruck und Höhe ist im Bereich Wissenschaft näher erklärt.
Varianten
- Als Wetterhinweis
- Steigt die angezeigte Höhe, während man an einem Ort bleibt, fällt der Luftdruck – das kann auf Wetterverschlechterung hindeuten. Nur ein Hinweis, keine Vorhersage.
- GPS-Höhe
- GPS-Geräte zeigen ebenfalls eine Höhe; sie hängt nicht vom Wetter ab, kann aber je nach Empfang schwanken.
Häufige Fehler
- Stundenlang nicht kalibriert
- Höhenmesser über Karte und Gelände gestellt
- Höhenlinien der Karte falsch gelesen (Äquidistanz übersehen)
- Uhr nicht an Temperaturänderungen angepasst (je nach Modell)
Grenzen und Risiken
- Keine Genauigkeitsangaben – modell- und wetterabhängig
- Keine Anleitung für Gletscher- oder Lawinengelände
Quellen
The Mountaineers Books (2017): Mountaineering: The Freedom of the Hills, 9th edition
Höhenmesser in der Bergnavigation und Kalibrierung