Große Höhe: Höhenkrankheit erkennen und absteigen
Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck und damit das Sauerstoffangebot. Wer zu schnell aufsteigt, kann höhenkrank werden – von Kopfschmerzen bis zu lebensbedrohlichem Höhenlungen- oder Höhenhirnödem. Die wichtigsten Regeln: langsam aufsteigen, mit Symptomen nicht höher steigen, bei Verschlechterung absteigen und Hilfe holen.
- Zusätzliche Tage für die Akklimatisation einplanen

Einfach erklärt
Je höher du auf einen Berg steigst, desto „dünner“ wird die Luft. Das heißt nicht, dass weniger Sauerstoff in der Luftmischung ist, sondern dass die Luft weniger dicht zusammengedrückt ist. Jeder Atemzug bringt deshalb weniger Sauerstoff in deinen Körper – so, als würdest du aus einem Glas trinken, in dem weniger Saft ist als sonst.
Dein Körper kann sich daran gewöhnen, aber das braucht Tage. Wenn du schneller nach oben gehst, als er sich anpassen kann, wirst du höhenkrank. Das beginnt oft mit Kopfweh, Übelkeit, Müdigkeit und schlechtem Schlaf. Wie sportlich du bist, spielt dabei kaum eine Rolle.
Die wichtigste Regel ist einfach: Wenn du dich oben krank fühlst, gehst du nicht weiter hinauf. Wird es schlimmer – etwa wenn jemand im Sitzen nach Luft ringt, verwirrt ist oder nicht mehr gerade gehen kann – heißt es: nach unten, und Hilfe holen.
Wie es funktioniert
Die Luft besteht auf jeder Höhe zu ungefähr einem Fünftel aus Sauerstoff. Was sich ändert, ist der Luftdruck: Oben lastet weniger Luft auf dir, deshalb sind die Moleküle weiter verteilt. In jedem Atemzug stecken weniger Sauerstoffmoleküle, und das Blut wird in der Lunge weniger stark mit Sauerstoff beladen.
Der Körper reagiert sofort, indem er schneller und tiefer atmet und das Herz schneller schlägt. Über Tage folgen weitere Anpassungen im Blut und im Stoffwechsel – diesen Vorgang nennt man Akklimatisation. Wie schnell sie gelingt, ist von Mensch zu Mensch verschieden und lässt sich vorher kaum vorhersagen. Wer bei einer früheren Reise Probleme hatte, sollte damit rechnen, dass sie wieder auftreten können.
Die häufigste Form ist die akute Bergkrankheit mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schwindel oder schlechtem Schlaf. Seltener, aber lebensbedrohlich sind das Höhenlungenödem, bei dem sich Flüssigkeit in der Lunge sammelt, und das Höhenhirnödem, bei dem das Gehirn anschwillt. Höhenkrankheit kann schon ab etwa 2.500 Metern auftreten, bei manchen Menschen auch darunter.
Worauf es ankommt
Der wichtigste Schutz ist Zeit. Die Wilderness Medical Society empfiehlt, oberhalb von etwa 3.000 Metern die Schlafhöhe um nicht mehr als etwa 500 Meter pro Tag zu steigern und alle drei bis vier Tage einen Ruhetag einzulegen. Entscheidend ist dabei die Höhe, auf der du schläfst – tagsüber etwas höher zu gehen und zum Schlafen wieder abzusteigen, ist ein bekannter Grundsatz.
Plane diese Tage von Anfang an ein, mit zusätzlichem Puffer. Feste Reisepläne, gebuchte Unterkünfte und Gruppendruck sind häufige Gründe, warum Menschen trotz Beschwerden weitergehen. Besonders heikel ist die Anreise per Flugzeug oder Auto direkt in große Höhe, weil der Körper dann keine Zeit zur Gewöhnung hatte.
Lass dich vor der Reise ärztlich oder reisemedizinisch beraten, vor allem bei Vorerkrankungen. Medikamente zur Vorbeugung oder Behandlung gibt es, aber sie gehören ausschließlich in ärztliche Hände – dieser Text nennt bewusst keine Mittel und keine Dosierungen.
Sicherheit: darauf musst du achten
Kopfschmerzen nach einem Aufstieg, zusammen mit Übelkeit, Müdigkeit, Schwindel oder schlechtem Schlaf, solltest du als mögliche Höhenkrankheit werten – nicht als „nur eine Erkältung“ abtun. Mit solchen Beschwerden steigst du nicht weiter auf, ruhst dich aus und sagst deinen Begleitern Bescheid. Bessern sie sich nicht oder werden sie schlimmer, steigst du ab.
Atemnot in Ruhe, Verwirrtheit, unsicherer Gang oder zunehmende Benommenheit sind Notfälle. Dann heißt es sofort absteigen oder abtransportieren lassen und Hilfe rufen – über die örtliche Notrufnummer (in der EU 112) oder die Bergrettung. Eine kranke Person steigt nie allein ab, denn ihr Zustand kann sich unterwegs verschlechtern.
Achte in der Gruppe aufeinander. Wer höhenkrank wird, merkt das selbst oft schlecht oder will niemanden aufhalten. Kinder können ihre Beschwerden manchmal nicht gut beschreiben; wenn sie ungewöhnlich quengelig, schlapp oder appetitlos sind, nimm das ernst.
Was die Höhe sonst noch verändert
In großer Höhe ist die UV-Strahlung stärker, und Schnee wirft das Licht zusätzlich zurück. Sonnenbrille, Sonnencreme und bedeckende Kleidung schützen Augen und Haut. Gleichzeitig ist es oft kalt und windig, und das Wetter kann schnell umschlagen.
Die Luft ist trocken, und du atmest mehr – dabei verlierst du mit jedem Atemzug Feuchtigkeit. Trinke deshalb regelmäßig sicheres Wasser. Weil Wasser in der Höhe schon bei niedrigerer Temperatur siedet, dauert Kochen länger, und du brauchst mehr Brennstoff.
Gut zu wissen
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: Wer fit ist, wird nicht höhenkrank. Fitness hilft beim Gehen, schützt aber kaum vor Höhenkrankheit. Sehr fitte Menschen steigen manchmal sogar zu schnell auf, weil sie es körperlich können.
Die gute Nachricht: Ein langsamer Aufstieg verhindert viele Fälle, und Abstieg hilft fast immer. Wer seine Reise so plant, dass Umkehren jederzeit möglich ist und kein Termin zum Weitergehen zwingt, hat das wichtigste Werkzeug bereits dabei.
Schritt für Schritt
Vorab beraten lassen
Vor Reisen in große Höhe ärztlich beraten lassen, besonders bei Vorerkrankungen.
- 1
Vorab beraten lassen
Vor Reisen in große Höhe ärztlich beraten lassen, besonders bei Vorerkrankungen.
- 2
Langsam aufsteigen
Die Wilderness Medical Society empfiehlt, oberhalb von etwa 3.000 m die Schlafhöhe um nicht mehr als etwa 500 m pro Tag zu steigern und alle drei bis vier Tage einen Ruhetag einzulegen.
- 3
Symptome erkennen
Kopfschmerzen zusammen mit Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schwindel oder schlechtem Schlaf nach einem Aufstieg als mögliche Höhenkrankheit werten – nicht als Erkältung abtun.
- 4
Stoppen
Mit Symptomen nicht höher steigen, ausruhen, Begleiter informieren.
- 5
Absteigen
Werden Symptome schlimmer oder treten Warnzeichen auf, absteigen – möglichst in Begleitung – und Hilfe holen.
Häufige Fehler
- Mit Symptomen weitergehen, weil der Plan es vorsieht
- Kranke Person allein absteigen lassen
- Fitness mit Höhenverträglichkeit verwechseln
- Anreise per Flug direkt in große Höhe ohne Ruhetage
Kurzüberblick
Geeignet für
- Bergreisen und Trekking in großer Höhe
- Anreise in hochgelegene Städte
Ungeeignet für
- Diagnose oder Medikamentenwahl
- Expeditionsplanung im Extrembereich
Voraussetzungen
- Ärztliche bzw. reisemedizinische Beratung vor Reisen in große Höhe
- Zeitpuffer im Reiseplan
Sicherheit
- Medikamente zur Vorbeugung oder Behandlung nur nach ärztlicher Beratung. Dieser Eintrag nennt bewusst keine Mittel oder Dosierungen.
So funktioniert es
Der Sauerstoffanteil der Luft bleibt mit der Höhe gleich, aber der Luftdruck sinkt – jeder Atemzug enthält weniger Sauerstoffmoleküle. Der Körper passt sich über Tage an (Akklimatisation). Steigt man schneller, als er sich anpassen kann, entsteht Höhenkrankheit. Höhenkrankheit kann schon ab etwa 2.500 m auftreten, bei manchen Menschen auch darunter, und sie hängt kaum von der Fitness ab.
Vorteile
- Langsamer Aufstieg verhindert viele Fälle
- Abstieg hilft fast immer
Nachteile
- Zeitaufwand
- Gruppendruck und feste Reisepläne
Hintergrundwissen
Fachlicher Hintergrund
Die Wilderness Medical Society hat Leitlinien zur Vorbeugung und Behandlung akuter Höhenkrankheiten veröffentlicht; sie beschreiben Aufstiegsprofile und betonen den Abstieg als wichtigste Maßnahme bei schweren Formen. Das CDC Yellow Book behandelt Höhenreisen für Reisende.
Neben dem Sauerstoffmangel spielen in großer Höhe Kälte, Wind und starke UV-Strahlung eine Rolle.
Häufige Fehler
- Mit Symptomen weitergehen, weil der Plan es vorsieht
- Kranke Person allein absteigen lassen
- Fitness mit Höhenverträglichkeit verwechseln
- Anreise per Flug direkt in große Höhe ohne Ruhetage
Grenzen und Risiken
- Keine Medikamente oder Dosierungen
- Keine Diagnose
Quellen
Wilderness Medical Society – Wilderness & Environmental Medicine (2019): Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Acute Altitude Illness: 2019 Update
Symptome, Aufstiegsprofil und Abstieg bei Höhenkrankheit
Centers for Disease Control and Prevention: CDC Yellow Book: Health Information for International Travel
Reisen in große Höhe
European Commission: 112 – the European emergency number
Europäische Notrufnummer 112